Hamburg Auf seinem Grabstein soll nur „Danke“ stehen – Howard Carpendale wird 80 Jahre alt
Howard Carpendale wird am Mittwoch 80. In seinem Leben hat der Sänger von fulminanten Erfolgen bis hin zu harten Schicksalsschlägen viel erlebt.
Auf seinem Grabstein soll nur „Danke“ stehen – das verriet Howard Carpendale schon vor einigen Jahren. Das hat durchaus etwas Überraschendes. Denn jenseits aller Karrierehöhepunkte mit vielen Hits stehen bei Carpendale auf der anderen Seite private Dramen, Depressionen und Geldverluste. Doch offenbar machte Carpendale, der am Mittwoch 80 Jahre alt wird, Frieden mit seinem turbulenten Leben.
Wer an Carpendale denkt, denkt an Hits wie „Hello Again“, „Fremde oder Freunde“, „Deine Spuren im Sand“ oder die deutschen Coverversionen „Ti Amo“ und „Tür an Tür mit Alice“. Manch anderer Star der Schlagerwelle wie Roy Black oder Rex Gildo zerbrach daran, mit einzelnen Liedern verbunden zu werden. Carpendale machte daraus ein bis heute funktionierendes Geschäftsmodell.
Ein Ende ist nicht geplant. Zuletzt brachte er ein Weihnachtsalbum und mit „Zeitlos“ ein Jubiläumsalbum auf den Markt und war bei der Schlagersilvestershow des ZDF prominent dabei. Für dieses Jahr kündigte der Sänger zwar eine „große Arena-Abschiedstournee“ durch Deutschland an, stellte aber zugleich klar, dass es sich nur um seine letzte große Tour durch Stadien und Hallen handle. Ein genereller Bühnenabschied sei dies nicht.
Um die 130 Alben listet die Musikindustrie unter dem Namen Howard Carpendale – immerhin 38 davon landeten weit vorn in den Charts. Richtig weg vom Fenster war der Sänger, der sich als Entertainer sieht, nie. Seit Jahrzehnten feierte er immer wieder Erfolge.
Carpendale kam am 14. Januar 1946 im südafrikanischen Durban zur Welt. Der Vater war Politiker, zu Hause gab es ein klares Regiment. Bei Carpendale geriet dies mit elf Jahren durch den King of Rock’n’Roll ins Wanken. Als er das erste Mal Elvis Presley gesehen habe, habe er den Wunsch verspürt, Sänger zu werden, berichtete Carpendale in seiner Biografie „Das ist meine Zeit“. „Ich habe ihn gesehen und wusste, was ich mit meinem Leben machen wollte.“
Der als junger Mann als Sportler erfolgreiche Carpendale gründete eine Band und trat damit rund um Durban auf. Mit 18 Jahren ging er nach London, von da 1966 nach Deutschland – eine goldrichtige Entscheidung, obwohl er kein Deutsch sprach.
„Die ersten Titel, die ich gesungen habe, habe ich nicht verstanden – das war alles nur phonetisch“, sagte er einmal in einem Interview. Das Deutschlernen holte er allerdings schnell nach, mit einer bis heute erhaltenen Besonderheit – das Carpendale-Sch, das aus einem Ich ein Isch macht.
Das Schmuseweiche brachte ihm Zuneigung weiblicher Fans, Damenwäsche landete regelmäßig am Ende seiner Konzerte auf der Bühne. Im Jahr 2003 wollte er dieses Leben aber hinter sich lassen. Er spielte ein Abschiedskonzert in Köln vor 22.000 Zuschauern. „Ich dachte, den richtigen Moment erwischt zu haben“, schrieb Carpendale in seiner Biografie.
Er zog sich nach Florida zurück, spielte Golf, genoss das Leben. Doch allmählich entwickelte er Depressionen. Dazu brachte ein Berater große Teile seines Vermögens durch. 2007 habe ihm ein befreundeter Arzt seine Depressionen offenbart und ihm neben einer Behandlung zur Rückkehr auf die Bühne geraten. Carpendale startete seine Karriere neu.
Mit seinen psychischen Problemen tat er sich zunächst extrem schwer, wie er später verriet. „Ich kannte das Wort Depression kaum, ich war ein Alphatier in meinem Leben – das konnte mir nicht passieren“, berichtete er vor einigen Jahren im Norddeutschen Rundfunk.
2008 kehrte Carpendale auf die Bühne zurück, brachte erneut mehrere Alben in die Top Ten und trat auch wieder als Schauspieler auf. Dabei spielte er unter anderem auch an der Seite seines Sohns Wayne, der aus der gescheiterten ersten Ehe mit seiner Frau Claudia stammt.
Seit 2018 ist Carpendale mit der US-Amerikanerin Donnice Pierce verheiratet, mit der er schon viele Jahre davor zusammen war und einen inzwischen erwachsenen Sohn hat. Die beiden leben in München.
Er freue sich über das Riesenglück, das seine Karriere begleitet habe, sagte er einmal in einem Interview. Daraus sei auch die Idee für den Grabstein entstanden. Darauf solle einfach nur „Danke“ stehen.