Sanierung  Arbeiten am Alten Leuchtturm auf Borkum beginnen

| | 29.10.2025 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Borkums Alter Leuchtturm soll perspektivisch wieder für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Foto: Florian Ferber/Archiv
Borkums Alter Leuchtturm soll perspektivisch wieder für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Foto: Florian Ferber/Archiv
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Seit mehr als zehn Jahren darf der Alte Leuchtturm auf Borkum nicht mehr bestiegen werden und ist für den Publikumsverkehr gesperrt. Jetzt beginnt die aufwendige Sanierung des historischen Bauwerks.

Borkum - Wegen Sicherheitsbedenken und mangelhaftem Brandschutz darf der Alte Leuchtturm auf Borkum seit Dezember 2013 nicht mehr bestiegen werden und ist für den Publikumsverkehr gesperrt. Das soll sich jetzt ändern. In der kommenden Woche beginnen die Arbeiten zur Sanierung des 1576 errichteten „Olde Toorn“ am Walfängerfriedhof.

Welche Arbeiten stehen an?

„Nach langer Vorbereitung sind diverse Gewerke mit einem Kostenvolumen von fast 800.000 Euro vergeben“, teilt Jürgen Müller vom Vorstand des Heimatvereins mit. Am Montag, 3. November 2025, beginnt die Firma Nietiedt aus Riepe mit der Einrüstung des Turmes. „Im Zuge der Gerüstbauarbeiten wird auch die Mobilfunkanlage demontiert“, so Müller, der die Leitung der Arbeitsgruppe Turmbau übernommen hat. „Hier kann es eventuell zu kurzweiligen Einschränkungen des Mobilfunks kommen.“ Die Bereiche rund um den Turm, insbesondere der Friedhofsgarten, werde für die Bauzeit gesperrt sein.

Was wurde bislang gemacht?

Laut Jürgen Müller gab es bislang nur vorbereitende Arbeiten im Turm. So habe unter anderem der Verein Borkumer Jungens dabei geholfen, Sachen auszuräumen. „Das war eine große Stütze für uns“, zeigt sich Müller für den Heimatverein dankbar. Eigentlich war geplant, dass das Gerüst bereits im September aufgebaut wurde. Allerdings hätte sich das durch die Fristen der Ausschreibungen bis in den Oktober hinein verschoben. „Dann brauchten wir noch die Zusagen der Unternehmen“, sagt Müller.

Hatten im Juli 2022 bei einem Pressegespräch die Sanierungspläne vorgestellt: Brandschutzexpertin Christiane Kubon (von links), der stellvertretende Schatzmeister Peter Müller, die damalige stellvertretende Vorsitzende Henrika Aggen und Markus Stanggassinger. Foto: Florian Ferber/Archiv
Hatten im Juli 2022 bei einem Pressegespräch die Sanierungspläne vorgestellt: Brandschutzexpertin Christiane Kubon (von links), der stellvertretende Schatzmeister Peter Müller, die damalige stellvertretende Vorsitzende Henrika Aggen und Markus Stanggassinger. Foto: Florian Ferber/Archiv

Wie lange dauern die Arbeiten?

Etwa 14 Tage dauert es laut Müller, bis der Turm eingerüstet ist. „Im Anschluss beginnen die umfangreichen Sanierungsarbeiten am Mauerwerk und den Fugen“, erklärt das Vorstandsmitglied. Vor allem am Kopf des Turms werde gearbeitet. Auch der neue Rettungsbalkon werde im Zuge dieser Maßnahmen angebaut. Fragen, Anregungen und gegebenenfalls Beschwerden werden von den Aktiven des Vereins angenommen, betont das Vorstandsmitglied.

Die gesamten Sanierungsarbeiten dauern voraussichtlich bis Juni 2026. „Wir freuen uns, dass wir jetzt nach so langer Zeit beginnen können“, sagt Müller. „Es ist schön, dass das Ziel in greifbare Nähe rückt, den Turm wieder zu öffnen.“

Was sind die Hintergründe?

Der „Olde Toorn“ darf wegen Sicherheitsbedenken und mangelhaftem Brandschutz nicht mehr bestiegen werden und ist für den Publikumsverkehr gesperrt. Der Borkumer Heimatverein hatte das prägnante Insel-Gebäude 1982 von der Stadt übernommen. Im Sommer 2022 hatte der Landkreis Leer die geplanten Baumaßnahmen genehmigt. Das Thema Sicherheit spielte bei den jahrelangen Planungen des Vereins stets eine zentrale Rolle. „In 30 Metern Höhe gilt die niedersächsische Hochhausverordnung, da braucht es bei Aufenthaltsräumen zwei Rettungswege – und die sind nicht da“, hatte Heimatvereins-Vorsitzender Markus Stanggassinger Anfang des Jahres gesagt.

Die Treppe gelte nicht als Rettungsweg, weil sie nicht entsprechend ausgebaut sei. Heißt: Nach der Sanierung können zwar wieder Gruppen mit bis zu 20 Personen (Auflage vom Landkreis Leer) die Aussichtsplattform besuchen, Teestunden und Trauungen mit längeren Aufenthalten wie zu früheren Zeiten bleiben aber auch künftig verboten. Und der Verein Borkumer Jungens muss seine Vorstandssitzungen weiterhin woanders abhalten. Um den „Olde Toorn“ überhaupt wieder nutzen zu können, war ein aufwendiges Brandschutzkonzept nötig, zu dem neben dem Balkon, wo die Feuerwehr anleitern kann, auch Brandschutzdecke(n) und Brandmeldeanlage gehören.

Wer finanziert die Arbeiten?

Der denkmalgeschützte Alte Leuchtturm soll – ermöglicht vor allem durch zahlreiche Fördermittel – für insgesamt etwa 1,1 Millionen Euro saniert werden. Neben Geldern aus diversen Stiftungen gibt es den größten Batzen – über 542.000 Euro – aus beantragten Bundesmitteln (Programm „Kultur-Invest“). Der Eigenanteil des Vereins – immerhin fast 260.000 Euro – würden durch 2024 beschlossene Rücklagen in Höhe von 330.000 Euro abgedeckt. Neben Spenden speisten sich die Einnahmen aus Straßenfesten und dem Eintritt fürs Dykhus.

Was für eine Funktion hatte das Gebäude früher?

Zur Entstehung des Alten Leuchtturms heißt es auf der Homepage des Heimatvereins: „Der ursprünglich kleine Turm der Borkumer Inselkirche diente den von See kommenden und Ems aufwärts fahrenden Schiffen im 15. und 16. Jahrhundert am Tage als Navigationshilfe. Die Emder Kaufleute besaßen um 1570 rund 400 seefahrende Schiffe. Dem damals steigenden Schiffsverkehr genügte dieser Turm bald nicht mehr.“ Senat und Bürgerschaft der Stadt Emden hätten daher 1576 auf dem Standort des alten Kirchturms einen 41 Meter hohen Turm mit Spitzdach errichtet.

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