Gallimarkt in Leer  Zur Eröffnung flossen die Tränen

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 08.10.2025 18:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Trevor Heeks nahm bei der Gallimarkt-Eröffnung tränenreich Abschied. „I love you all“, sagt er. Foto: Klaus Ortgies
Trevor Heeks nahm bei der Gallimarkt-Eröffnung tränenreich Abschied. „I love you all“, sagt er. Foto: Klaus Ortgies
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Die feierliche Eröffnung des Gallimarkts von der Rathaustreppe aus folgte dem üblichen Prozedere. Doch wohl noch nie war das Ereignis so emotional wie dieses Mal.

Leer - Zur Gallimarkt-Eröffnung gehören: die Musik der Postkapelle, tausende Zuschauer vor dem Rathaus und auf der Dr.-zum-Bruch-Brücke, die drei Herolde mit ihrem Spruch „Radeau, Radeau, Radietje-doe“, die Rede des Bürgermeisters und Salutschüsse. Rund 35 Jahre lang gehörte der englische Ausrufer Trevor Heeks fest ins Programm. Dass er nun Abschied nimmt, lässt diese Eröffnung 2025 so emotional werden wie wohl niemals zuvor.

Bürgermeister Claus-Peter Horst begrüßt traditionell die Gallimarktbesucher von der Rathaustreppe. Foto: Klaus Ortgies
Bürgermeister Claus-Peter Horst begrüßt traditionell die Gallimarktbesucher von der Rathaustreppe. Foto: Klaus Ortgies

Es fließen echte Tränen. Schon Bürgermeister Claus-Peter Horst bekommt eine kratzige Stimme, als er in seiner Rede verkündet, dass Trevor Heeks nun zum letzten Mal dabei sein wird. Offenbar war das noch nicht zu allen Besuchern durchgedrungen, denn ein Raunen geht durch die Reihen. Der angesprochene Towncrier aus der Partnerstadt Trowbridge hört lächelnd zu, als Horst einige Details über ihn erzählt. „Trevor Heeks ist längst das Gesicht des Gallimarkts geworden“, sagt Horst. Dann kommt der Mann im roten Mantel selbst ans Mikrofon.

Gallimarkt ohne Trevor ist unvorstellbar

Sofort brandet Beifall auf, die Leute heben ihre Mobiltelefone. Den Text, den er immer vorträgt, schafft Trevor Heeks noch, erst bei „Ich liebe Leeraner“ bricht die Stimme. Als er später ein zweites Mal ein paar Worte sagen soll, ist es ganz vorbei. „I love you all“, da fließen nicht nur bei ihm die Tränen. Der Abschied fällt ihm schwer. Dass dieser Liebling aller nicht wieder dabei sein wird, sei unvorstellbar, bekundet auch Horst. Das Lied „Auld Lang Syne“ wird ihm zu Ehren gesungen, der Text wurde auf dem Blatt für das obligatorische „In Ostfreesland is‘t am besten“ mitabgedruckt. Rainer Brinkmann begleitet das Stück auf dem Akkordeon. Trevor Heeks singt, aber wischt sich dabei die Tränen vom Gesicht.

Auf Wunsch von Trevor Heeks wird für ihn das Lied "Auld Lang Syne" gesungen, begleitet von Rainer Brinkmann auf dem Akkordeon. Foto: Klaus Ortgies
Auf Wunsch von Trevor Heeks wird für ihn das Lied "Auld Lang Syne" gesungen, begleitet von Rainer Brinkmann auf dem Akkordeon. Foto: Klaus Ortgies

Jedoch nicht alles an diesem Morgen stimmt so traurig. Claus-Peter Horst erzählt zum Beispiel, warum Michael Meyer bei der Stadt Leer Marktmeister geworden ist. Er sei zuvor Arabisch-Übersetzer bei der Bundeswehr gewesen. Nach seinem Wechsel in die Stadtverwaltung habe er auf den Rat eines Kollegen in einer stillen Minute den Gallimarkt beobachtet. „Er hat nur in lachende Gesichter geschaut. Damit war klar: Er möchte Marktmeister in Leer werden“, sagt Horst.

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Applaus für Albrecht Weinberg

Natürlich haben die drei Herolde, Ausrufer Hinrich Behrens, Trommler Michael Alsdorf und Hellebardenträger Reemt Reemtsema ihren Auftritt mit dem traditionellen „Radeau Radeau, Radietje doe“. Der Ausrufer der niederländischen Gemeinde Oldambt, Jan Veen, überbringt die Grüße der Nachbarn und lädt zum Adrillenmarkt in Winschoten ein. Der Ehrenbürger der Stadt Leer, der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist zur Eröffnung gekommen – er bekommt viel Applaus.

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Noch einmal wird es still, bei einer Gedenkminute für den im Mai verstorbenen früheren Bürgermeister Günther Boekhoff. Er war es übrigens, der die Partnerschaft mit dem englischen Trowbridge unterzeichnete. Das war der Grundstein für eine lange Freundschaft. Die Tradition des Gallimarktes verbindet, sagt Horst etwas später, trotz Verunsicherung durch große Krisen. Der Gallimarkt sei ein vertrauter Ort: „Ich bin sehr froh, dass wir hier in Frieden und Freiheit feiern können.“ Dafür bekommt er wieder Applaus.

Schön, dass gemeinsamer Gesang aufmuntert. Manche Besucher haken sich unter und schunkeln dabei. Die Postkapelle spielt dazu – jetzt sind alle auf „fiev Daag free Markt“ eingestimmt.

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