Dramatisches Finale Berner Polizei stoppt Auricher Meistertrainerin nachts um 4 Uhr
Die Auricher Fußballtrainerin Imke Wübbenhorst wurde erst im Dezember Mama und nun Meister. Nach einer langen Partynacht erlebte sie mit der Trophäe einen kuriosen Heimweg.
Bern/Aurich - Früher Männertrainerin, seit Dezember Mama und am Samstag Meister – die Auricherin Imke Wübbenhorst hat als Trainerin im Fußballsport schon reichlich Schlagzeilen geliefert. „Die Schweizer Meisterschaft ist auf jeden Fall der größte Erfolg meiner Fußball-Laufbahn“, sagt die 36-jährige Trainerin der Frauen von YB Bern. Nach einer 0:1-Niederlage im Finalhinspiel bei Grashopper Zürich lag Bern im Rückspiel vor 10.000 Zuschauern nach 90 und auch nach 120 Minuten im Wankdorfstadion mit 2:1 vorne. Im Elfmeterdrama feierten die Wübbenhorst-Frauen einen 5:4-Sieg – das Stadion stand Kopf.
Rund acht Stunden später – also gegen 4 Uhr am Morgen – kehrte Imke Wübbenhorst nach einer wilden Partynacht auf höchst kuriose Weise zurück nach Hause. „Die Polizei hat mich unterwegs eingesammelt“, erzählt sie lachend. „Sie stoppten mich mitten in Bern, weil ich alleine mit dem Pokal auf der Straße lief.“ Eigentlich sollte die Fußgängerin den Hinweis erhalten, den Bürgersteig zu benutzen. „Dann haben sie mich erkannt, mich mitgenommen, nach Hause gefahren und Fotos gemacht.“
Polizei sammelt Trainerin in Bern ein
Zuvor hatte die Auricherin mit der Mannschaft in einem Lokal ausgelassen gefeiert. „Als ich gehen wollte, habe ich mir Sorgen um den Meisterpokal auf dem Tisch gemacht, weil alle alkoholisiert waren“, sagt sie. „Ich trinke ja als stillende Mutter nichts. Also habe ich den Pokal mitgenommen.“
Mama Imke kümmert sich eben im Notfall um alles. Direkt nach dem Elfmeterdrama hatte sie Sehnsucht nach dem jüngsten Gast im Stadion verspürt. „Ich musste meinen kleinen Sohn unbedingt sehen.“ Ihr erst fünf Monate altes Baby Bendt hatte den Nachmittag mit der Auricher Oma Kerstin Wübbenhorst in der ruhigen Loge verbracht. Also eilte Imke Wübbenhorst auf die Tribüne, herzte ihren Sohnemann, ihren Lebensgefährten und natürlich auch ihre Mutter. „Sie war während der Play-Off-Runde zehn Wochen bei uns in Bern und hat mir den Rücken freigehalten. Meine Mutter hat einen großen Beitrag zur Meisterschaft geleistet.“ Oma Kerstin gehörte quasi zum Play-Off-Team von YB Bern. „Bei allen drei Auswärtsspielen ist sie im Bus mitgereist. Alle Spielerinnen kannten sie“, sagt Imke Wübbenhorst. Nach dem Triumph am Samstag erhielt ihr Baby erst eine Milchmahlzeit, ehe sich wieder der Papa und die Oma um Bendt kümmerten.
Zu Gast im Fernsehstudio
Auch am nächsten Tag war der kleine Sohn schlummernd in Sachen Fußball unterwegs. Das Schweizer Fernsehen (SRF) hatte das Trainerteam , die Chef-Trainerin und Kapitänin Stephanie Waeber zur Live-Sendung „Sportpanorama“ nach Zürich eingeladen. Das YB-Team samt Bendt und Wübbenhorst-Partner Urs Hirschi wurde vom SRF-Chauffeur in Bern abgeholt.
Beim Plausch im Fernsehstudio wurde das Finale noch einmal aufgearbeitet. Ein Elfmeterschießen hatte Imke Wübbenhorst übrigens mit ins Kalkül gezogen. „Wir haben alle Spielerinnen am Mittwoch und am Freitag jeweils einen Elfmeter schießen lassen und danach die Auswahl getroffen.“ So erteilte die Auricherin vor dem Elfmeterduell nur eine einzige Anweisung: Sie forderte wuchtige Schüsse. Auf diese Weise trafen sie alle vom Punkt.
Grasshopper-Spielerin Geraldine Ess scheiterte mit dem dritten Elfmeter an YB-Torhüterin Tamara Biedermann. Als Iman Beney als letzte Bernerin verwandelte, kannte der Jubel keine Grenzen. Während der 90 Minuten hatte es lange Zeit nicht gut für Bern ausgesehen. Die Grasshopper gingen 1:0 in Führung und lagen damit in der Addition beider Partien mit 2:0 vorne.
Pokal Montag noch in der Küche
Nach einer Stunde wählte Wübbenhorst dann volles Risiko und wechselte zwei Offensivkräfte ein. Supertalent Naomi Luyet war zuvor ein halbes Jahr verletzt ausgefallen und leitete mit einem tollen Pfostenschuss das 1:1 ein (65.). Die ebenfalls eingewechselte Malori Grange wurde vier Minuten später im Strafraum gefoult. Per Strafstoß erzielte Courtney Strode das 2:1. Danach war YB zwar zumeist am Drücker, aber das Zittern war für Imke Wübbenhorst auch nach 120 Minuten nicht vorbei.
Mittlerweile ist bei der Trainerin der Alltag halbwegs eingekehrt. Ihre Mutter flog zurück in die Heimat. In der Küche der Trainerin und ihres Lebensgefährten stand am Montag aber immer noch der Meisterpokal. Den hatte Imke Wübbenhorst mit ins Fernsehstudio geschleppt und anschließend wieder mitgenommen. Am liebsten würde die 36-Jährige die Trophäe nach dem Triumph im Wankdorfstadion gar nicht wieder rausrücken.