Oldigs und Coordes siegen  14-Jähriger ist die Sensation beim Ossiloop 2025

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Von Georg Lilienthal, Sören Siemens und Deike Terhorst
| 16.05.2025 22:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Levi Weber (rechts) war die Überraschung des Ossiloops. Foto: Klaus Ortgies
Levi Weber (rechts) war die Überraschung des Ossiloops. Foto: Klaus Ortgies
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Levi Weber ist in keinem Sportverein und hatte zuvor noch nie einen Wettkampf bestritten. Beim Ossiloop lief er als 14-Jähriger ganz weit vorne an der Spitze mit.

Bensersiel - Etwas ganz Besonderes hatte sich der Leeraner Sebastian Bete für seine elfjährige Tochter Anna ausgedacht. Für die letzte Ossiloop-Etappe am Freitag von Dunum nach Bensersiel sammelte er Nachrichten von Menschen, die Anna beim Ossiloop begleitet haben – egal, ob auf der Strecke oder abseits davon. Deren aufbauende Worte las Bete seiner Tochter über die 11,2 Kilometer Richtung Nordsee vor.

„Ihr erster Ossiloop wird eh unvergesslich bleiben – aber diese letzte Etappe möchte ich mit ihr richtig feiern. Meter für Meter. Es dauert eh nicht mehr lange, dann hängt sie mich ab“, witzelte er vorab. Tatsächlich abgehängt hat beim Ossiloop 2025 aber Tammo Oldigs die Konkurrenz. Der 24-Jährige von Concordia Ihrhove kam auch in Bensersiel als Erster ins Ziel, gewann sämtliche Etappen und auch souverän die Gesamtwertung.

Anna und Sebastian Bete liefen gemeinsam. Foto: privat
Anna und Sebastian Bete liefen gemeinsam. Foto: privat

Als schnellste Frau wurde in Bensersiel bei strahlendem Sonnenschein und großartiger Stimmung Verena Coordes (TuS Weene) von Moderator Heino Krüger – er stand am Freitag zum 100. Mal beim Ossiloop am Mikro – und von Hunderten Zuschauern empfangen. Coordes hatte erst im November ein Baby zur Welt gebracht und lief nun schon wieder allen Frauen davon.

Der erste Wettkampf seines Lebens

Als laufende Sensation des Ossiloops 2025 aber entpuppte sich ein 14-jähriger Schüler aus Firrel im ersten Lauf seines Lebens. Levi Weber hatte zuvor noch nie Wettkampfsport betrieben – kein Fußball, kein Handball oder Tennis. Und nun katapultierte sich der Neuntklässler der Freien Christlichen Schule Veenhusen auf Anhieb in die „Eliteklasse“ und ließ auf Rang 15 der Gesamtwertung und als Sieger der Jugendwertung hunderte arrivierte Sportler hinter sich.

Die letzten Kilometer absolvierten die Athleten auf dem Deich von Esens bis nach Bensersiel. Foto: Klaus Ortgies
Die letzten Kilometer absolvierten die Athleten auf dem Deich von Esens bis nach Bensersiel. Foto: Klaus Ortgies

„Mein Bruder Jonah ist letztes Jahr mitgelaufen. Deshalb wollte ich diesmal auch teilnehmen“, erzählte Levi kurz vor dem Start in Dunum. „Ich bin in keinem Verein, aber ich habe für den Ossiloop trainiert.“ Levi Weber eilte nicht nur seinem großen Bruder Jonah davon, sondern allen älteren Jugendlichen, vielen Routiniers und sogar dem mehrfachen Ossiloop-Sieger Peter Steinke (SV Warsingsfehn). Erklären kann er sich seinen kometenhaften Aufstieg auch nicht. „Durch die anderen Läufer und die Atmosphäre bin ich viel schneller gelaufen als beim Training.“ Wenn Levi so weiter macht, könnte er in ein paar Jahren vielleicht ganz vorne an der Spitze mitmischen.

Beginn einer Oldigs-Ära

Dort überraschte Ex-Fußballer Tammo Oldigs 2024 noch mit dem ersten Ostfriesensieg beim Ossiloop seit 2012. In diesem Jahr zeigte der 24-Jährige endgültig, dass er nach Seriensiegen von Stephan Immega (Harlingerland), Georg Diettrich (Oldenburg) und Andreas Kuhlen (Garrel) eine neue Ära beim Sechs-Etappen-Lauf durch Ostfriesland prägen könnte.

Tammo Oldigs feierten in Bensersiel den Tages- und Gesamtsieg. Foto: Klaus Ortgies
Tammo Oldigs feierten in Bensersiel den Tages- und Gesamtsieg. Foto: Klaus Ortgies

Bei der letzten Etappe setzte er sich 700 Meter vor dem Ziel von seinem Begleiter Johannes Wiltfang (OBW Emden) ab und wurde im Ziel von den Fans und dem Moderatoren-Jubilar Heino Krüger frenetisch gefeiert. „Das war eine Etappe zum Genießen“, strahlte der nun zweifache Ossiloopsieger. „Es war in diesem Jahr nicht nur körperlich hart für mich, sondern auch mental“, sagte Oldigs. „Denn diesmal hat jeder von mir den Sieg erwartet.“

Beim Zieleinlauf in Bensersiel machten einige Athleten regelrechte Freudensprünge. Foto: Klaus Ortgies
Beim Zieleinlauf in Bensersiel machten einige Athleten regelrechte Freudensprünge. Foto: Klaus Ortgies

Bei den Frauen lastete kein ganz so großer Druck auf Verena Coordes, denn niemand erwartete, dass sie sich ein halbes Jahr nach der Geburt ihrer Tochter schon wieder in solch großartiger Laufform befindet.

Siegerin mit Schmerzen ins Ziel

Ihr größtes Problem war eine Verspannung im Rücken, die sich Verena Coordes bei der dritten Etappe zuzog. Seitdem leistete ihre Physiotherapeutin Schwerstarbeit. „Die letzte Etappe war für mich mehr Qual als Genuss“, räumte sie in Bensersiel ein. Den Applaus für ihren vierten Gesamtsieg konnte sich bei der Siegerehrung nicht persönlich abholen. „Ich muss los und den Babysitter ablösen“, sagte sie direkt nach dem Zieleinlauf. Denn auch ihr Partner war am Freitag sportlich gefordert. Für Bezirksligafußballer Helge Janssen vom SV Großefehn stand um 19.30 Uhr das Derby gegen den SV Wallinghausen auf dem Programm.

Verena Coordes siegte trotz Rückenproblemen. Foto: Klaus Ortgies
Verena Coordes siegte trotz Rückenproblemen. Foto: Klaus Ortgies

Dafür erntete bei der Siegerehrung eine junge Sportlerin großen Applaus für ihre tolle Leistung. Josefine Faß (Jahrgang 2009) von der KGS Wiesmoor war auch bei der letzten Etappe mit Abstand das schnellste Mädchen und gewann mit riesigem Abstand von mehr als 20 Minuten die Wertung der weiblichen Jugend.

Als Sieger durften sich aber letztlich fast 1200 Athleten fühlen, die alle sechs Etappen absolviert hatten und am idyllisch gelegenen Ziel von Bensersiel so begeistert von den Zuschauermassen empfangen wurden.

Die sechste Ossiloop-Etappe – der Liveblog zum Nachlesen




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