Mitgliederversammlung von Kickers Emden Neuer Kickers-Vorsitzender wurde im Skiurlaub gewählt
Hendrik Poppinga weilt im lange geplanten Familien-Urlaub. Die Wahlen der sieben neuen Vorstandsmitglieder verliefen harmonisch. Eine neue Person erhielt aber wenige Gegenstimmen – vom alten Vorstand.
Emden - Um 19.22 Uhr war am Donnerstagabend der 16. Vorsitzende in der nun 78-jährigen Geschichte des BSV Kickers Emden gewählt. Die einstimmige Wahl im hohen Norden sorgte ganz weit südlich für Freude beim Gewählten. Denn der neue 1. Vorsitzende Hendrik Poppinga weilte am Donnerstagabend nicht im „Hotel Faldernpoort“ in Emden, sondern im schon lange geplanten Ski-Familien-Urlaub. Aus Österreich erklärte der „Interimsklubchef“ auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wir wollen jetzt möglichst schnell endgültige Struktur in die Finanzen bringen. Dann hoffen wir, dass der Verein gemeinsam mit unseren Freunden von Henning Rießelmanns Team sein volles Potenzial ausschöpft und wir uns an sportlichen Erfolgen erfreuen können.“
Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, der mit seiner Kanzlei den BSV Kickers Emden bei der Entschuldung und geplanten Ausgliederung unterstützt, hatte sich von den neuen Machern im Vorfeld überzeugen lassen, mit seiner Expertise den Prozess in den kommenden Monaten als Vorsitzender zu begleiten. Er wird sehr wahrscheinlich nur einige Monate im Amt sein und dieses Ende des Jahres auf einer ordentlichen Mitgliedersammlung in neue Hände geben, die noch gefunden werden müssen.
„Neues Level“ erreichen
Eröffnet hatte die außerordentliche Mitgliederversammlung um 19 Uhr der langjährige Vorsitzende Dr. Jörg Winter. Ende September hatte er mit seinem gesamten Vorstandsteam erklärt, sich nicht wieder zur Wahl zu stellen. „Wir haben fast zehn Jahre im Vorstand gearbeitet. Jetzt müssen jüngere Leite ran, die den Leistungsfußball auf das nächste Level heben“, sagte der Allgemeinmediziner. In seiner Dekade gelang der Aufstieg in die Oberliga, die damals spektakuläre Rückholaktion von Trainer Stefan Emmerling und schließlich der fast märchenhafte Regionalliga-Aufstieg. Sportlich ging es aber gleich wieder herunter, finanziell wurde die Lage immer brenzliger – Kickers stand vor dem Aus.
Winter bedankte sich bei seinen Vorstandskollegen, die auch zu Freunden geworden seien. Als er dann formal den Rücktritt aller verkündete, wurde Rechtsanwalt und Winter-Vorgänger Günther Kunz (2011 bis 2015) als Versammlungsweiter für die anstehenden Wahlen auserkoren. Das langjährige Vorstandsmitglied wusste, wovon es sprach, als es dem „alten Vorstand“ um Dr. Jörg Winter für die ehrenamtliche Arbeit dankte: „Vorstandsarbeit ist weiß Gott nicht immer nur Vergnügen. Es ist knüppelharte Arbeit, viel, viel Ärger und wenig Dank.“
Gegenstimmen vom Ex-Vorstand
Die Wahl der weiteren neuen Vorstandsmitglieder Eckhard Sanders (2. Vorsitzender), Ute Specht (Kassenwartin) und der Beisitzer Reiner Bruns (ehemaliger Sportlicher Leiter bei Kickers), Nils Andersson (Ex-Kickers-Spieler und Betriebsleiter beim Bau- und Entsorgungsbetrieb Emden), Philipp Hardtke (Fan-Beauftragter) sowie Markus Tebben (1. Vorsitzender TuS Rot-Weiß Emden und Jugendtrainer) waren keine Überraschung. Dabei wurden Bruns und Andersson von den 57 stimmberechtigten Mitgliedern in Abwesenheit gewählt, sie waren ortsabwesend. Die genauen Rollen als Beisitzer wurden auf der Sitzung nicht näher benannt.
Nur bei Markus Tebben wurden Details bekannt. „Ich möchte mich extrem um das Thema Jugend kümmern“, sagte der erfahrene Jugendtrainer, der vom Tisch des „alten Vorstandes“ eine Hand voll Gegenstimmen erhielt. Tebben nannte auch das Thema „Jugendleistungszentrum Kickers Emden“ als ein Projekt.
Neue Wirtschafts-Kompetenz
Der neue Vorstand, der seine Arbeit vorher schon in Teilen aufgenommen hatte, will nun die Entschuldung abschließen und die geplante Ausgliederung der Oberliga-Mannschaft weiter vorantreiben. „Es gibt immer noch Hausaufgaben zu erledigen, wir sind aber fast am Ziel“, sagte der 57-jährige Eckhard Sanders, der zuvor schon als Sponsor und im Wirtschaftsbeirat für Kickers tätig war. Er freute sich über die Vorstandszusammensetzung. „Wir sind sehr gut aufgestellt, vor allem der wirtschaftliche Part ist gut abgedeckt – da haben wir als Verein in der Vergangenheit immer geschwächelt.“
Denn neben Hendrik Poppinga ist mit Ute Specht eine weitere Steuerberaterin im Vorstand. Sie arbeitet auch für das Steuerbüro „Poppinga, Stomberg und Kollegen“ in Pewsum und Emden mit 90 Mitarbeitern. Die 47-Jährige soll künftig die Schnittstelle mit Fachkompetenz zwischen Verein und GmbH (Oberliga-Team) sein. „Ich habe viel Lust dazu mich zu engagieren.“
Hoffen auf Meppen und Oldenburg
Während Henning Rießelmann diesmal nicht vor Ort war, ergriff der Rießelmann-Vertraute Sebastian Plog am Ende auch das Wort. Der Technische Direktor kündigte wenig überraschend an, dass der Verein die Regionalliga-Lizenz beantragen werde. „Wir wollen aber demütig bleiben und im Sommer dann hoffentlich richtig groß feiern.“
Das wäre ganz im Sinne des Stadtsportbund-Vorsitzenden Peter Bartsch. Er sprach das aus, was viele Kickers-Fans denken und hoffen: „Vor wenigen Jahren hießen die Gegner noch Voxtrup und Mühlen, bald hoffentlich wieder SV Meppen und VfB Oldenburg. Das steht dem BSV Kickers Emden auch deutlich besser zu Gesicht.“