Typisierung in Großefehn  Lebensretter für schwerkranken Jungen aus Großefehn gesucht

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 16.03.2023 14:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eigentlich ist Samu nach Beschreibung seiner Eltern ein sehr lustiges und lebensfrohes Kind. Fotos: privat
Eigentlich ist Samu nach Beschreibung seiner Eltern ein sehr lustiges und lebensfrohes Kind. Fotos: privat
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Der fünfjährige Samu aus Großefehn ist schwer an Blutkrebs erkrankt. Um überleben zu können, braucht er einen Stammzellenspender – deshalb gibt es eine große Aktion in Großefehn.

Großefehn - Schon seit Tagen bewegt das Schicksal des fünfjährigen Samu aus der Gemeinde Großefehn Menschen quer durch Ostfriesland, und das, was über seine Geschichte bislang bekannt ist, verbreitet sich insbesondere über private Nachrichtendienste wie Whatsapp rasant. Denn Samu ist schwer an Blutkrebs erkrankt. Seit im vorigen November Ärzte diese Diagnose stellten, hat sich das Leben seiner Familie dramatisch verändert.

Was und warum

Darum geht es: In Großefehn gibt es eine große Typisierungsaktion, in der Hoffnung Stammzellenspender für den schwer an Blutkrebs erkrankten Samu aus Großefehn zu finden.

Vor allem interessant für: alle, die dem Jungen helfen möchten, und auch für Eltern, die selbst Kinder haben, die ähnlich erkranken könnten

Deshalb berichten wir: Wir haben über soziale Medien vom Fall erfahren, uns direkt bemüht Kontakt aufzunehmen – und jetzt hat der Verein Leukin erste Details öffentlich gemacht.

Den Autor erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de

Statt mit Freunden zu spielen oder im Kreis der Familie, bestimmen aktuell lange stationäre Klinikaufenthalte oder tägliche Fahrten ins Bremer Krankenhaus den Alltag. „Wir als Eltern funktionieren einfach nur. Mailin, Samus sechsjährige Schwester, leidet nicht nur mit Samu, sondern die ständige Trennung von Mama und Bruder macht ihr auch schwer zu schaffen“, wird Melanie, Samus Mutter, jetzt in einer Mitteilung zitiert. „Samu war immer voller Energie, spielte gern draußen mit Freunden, Trecker und Baggern. Er liebt sein Gokart und möchte endlich wieder Rennen fahren. Besonders vermisst er es, mit Papa am Auto zu schrauben“. Doch für viele Sachen fehlten Samu derzeit die Kraft und Energie. „Außerdem darf er nicht mit anderen Kindern spielen, da die Ansteckungsgefahr groß ist. Nur durch eine Stammzellspende kann Samu wieder gesund werden“, teilt der Verein Leukin mit.

Aktuell muss der Fünfjährige viel Zeit in Krankenhäusern zubringen.
Aktuell muss der Fünfjährige viel Zeit in Krankenhäusern zubringen.

In vier Wochen ist die große Typisierung

Samu könne „nur überleben, wenn es – irgendwo auf der Welt – einen Menschen mit nahezu den gleichen Gewebemerkmalen gibt, der zur Stammzellspende bereit ist“. Schon der Sportverein SuS Timmel, wo Samus Vater als Fußballer aktiv war, hatte vor Tagen auf das Schicksal aufmerksam gemacht, dazu aufgerufen, sich als potenzieller Stammzellenspender in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen, und darauf hingewiesen, dass es auch und besonders für Samu zeitnah eine Typisierungsaktion in der Gemeinde Großefehn geben wird. Die wird, wie jetzt feststeht, am Sonnabend, 15. April, in der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Großefehn, Kanalstraße 91a, in Ostgroßefehn sein – von 10 bis 16 Uhr. Leukin und die DKMS organisieren die Aktion gemeinsam.

Statt zu Hause mit Freunden spielen zu können, ist Samu aktuell vielfach in Kliniken – in der Hoffnung, wieder gesund zu werden.
Statt zu Hause mit Freunden spielen zu können, ist Samu aktuell vielfach in Kliniken – in der Hoffnung, wieder gesund zu werden.

„Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann helfen“, heißt es in der Pressemitteilung von Leukin. Um Ansteckungen zu verhindern, können diejenigen, die rund um die Typisierung von Grippe- oder anderen Atemwegserkrankungen betroffen sind, sich online ein Registrierungsset nach Hause bestellen über die Internetseiten www.dkms.de/samu oder www.leukin.net.

„Wo wir können, werden wir helfen“

Die Mitglieder des Vereins mit Wurzeln in der Gemeinde Rhauderfehn setzen sich seit mehr als einem Vierteljahrhundert ein, an Blutkrebs Erkrankten zu helfen und dabei insbesondere auch über Typisierungen Stammzellspender zu finden. Mehr als 85.000 Menschen haben sich so in der DKMS registriert. Weil jede Registrierung 40 Euro kostet und Leukin diese Kosten trägt, werden dafür auch Geldspenden benötigt, teilt der Verein mit.

Wer den Schalk im Nacken hat, trägt beim Spielen auch schonmal Helm in der Küche: Aus Fotos wie diesem spricht die Lebensfreude, die Samu laut seinen Eltern ausgezeichnet hat.
Wer den Schalk im Nacken hat, trägt beim Spielen auch schonmal Helm in der Küche: Aus Fotos wie diesem spricht die Lebensfreude, die Samu laut seinen Eltern ausgezeichnet hat.

Frank Cramer, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters der Gemeinde Großefehn, sagt: „Als die Privatinitiative, die Samu helfen möchte, auf uns zukam und fragte, ob sie eventuell die Räume der KGS für eine Typisierungsaktion bekommen könnte, haben wir sofort gesagt: ,Natürlich stellen wir die zur Verfügung. Wo wir können, werden wir helfen.ʻ“ Die Kunde über das Schicksal des kleinen Jungen habe sich auf dem Fehn rasant verbreitet. „Samu war ja auch in einem unserer Kindergärten, und so bedrückend es ist zu hören, wie schwer er erkrankt ist, ist es schön mitzuerleben, welch große Hilfsbereitschaft und Solidarität sich binnen kürzester Zeit formiert hat – im Kindergarten, in Schulen, bei der Feuerwehr: Ganz viele unterstützen jetzt, und das braucht es auch“, sagt Cramer.

Typisierung geht einfach und schnell

Die Registrierung geht einfach und schnell: Nach dem Ausfüllen einer Einwilligungserklärung wird ein Wattestäbchen an der Wangenschleimhaut im Mund entlang bewegt. Über die bei dem kleinen Abstrich gesammelten Zellen, können die Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden. Cramer sagt: „Spätestens seit Corona kennt jeder ja solche Abstriche, das ist ganz schnell gemacht und kann eigentlich keine Hürde sein, die vom Mitmachen abhält.“ Zumal hier der Abstrich nur in der Mundhöhle, nicht in der Nase genommen wird. Wer sich schon einmal als Stammzellenspender registrieren lassen hat, braucht dies nicht erneut: Die Daten liegen ja bereits vor.

Samu auf einem Spielzeugtrecker im Supermarkt: Besonders gern ist er dabei, wenn sein Vater an Autos schraubt.
Samu auf einem Spielzeugtrecker im Supermarkt: Besonders gern ist er dabei, wenn sein Vater an Autos schraubt.

Cramer sagt: „Man kann nur hoffen, dass so viele potenzielle Spender wie möglich kommen, dass sich im besten Fall sogar Schlangen vor der KGS bilden werden. Und natürlich kann man auch nur hoffen, dass sich so ein Stammzellenspender für den kleinen Samu findet und sein Leben gerettet werden kann. Und zugleich steigt so ja die Chance, auch weitere Leben retten zu können – weil ja auch weitere kranke Menschen Spender benötigen und suchen.“

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