Fußball
Play-off-Diskussion: Anti-Bayern-Modus entzweit Ostfriesen
Was ist das beste Mittel gegen die Langeweile in der Fußball-Bundesliga? Die Bayern sollten nicht mehr so oft Meister werden. Der Vorschlag von DFL-Chefin Donata Hopfen wird heiß diskutiert.
Ostfriesland - Die Meister-Langeweile in der Fußball-Bundesliga hat Folgen. Nach neun Titelgewinnen des FC Bayern München in Serie sinkt das allgemeine Interesse an der 1. Liga und es steigt die Sehnsucht nach Spannung. Die von der neuen DFL-Chefin Donata Hopfen ins Spiel gebrachte Idee, den Meister erst nach der eigentlichen Saison in Play-offs zu ermitteln, wird dieser Tage heißt diskutiert. Die ostfriesischen Fans und Experten sind sich bei dieser Frage nicht ganz einig. Das ergab eine Umfrage unserer Zeitung. „Von solch einer Änderung halte ich gar nichts“, sagt Ex-Bundesligaprofi (Wattenscheid, Duisburg, Kaiserslautern) Stefan Emmerling. „Der wahre Meister wird an 34 Spieltagen ermittelt.
Es soll wohl darauf gesetzt werden, dass Bayern auch mal einen schlechten Tag erwischt und die Meisterschaft in Play-offs verspielt“, glaubt der aktuelle Coach von Oberligist Kickers Emden. „Wahrscheinlich würde sich Bayern trotzdem immer durchsetzen“, auch wenn er sich als Dortmund-Fan eine Unterbrechung der bayrischen Nonstop-Meisterserie wünschen würde. Der Emder Alexander Meiborg hat ein zwiegespaltenes Verhältnis zu Play-off-Spielen. Als Basketballer kennt er den Modus in seiner Sportart seit Jahrzehnten. „Da gefällt es mir, weil es schon Tradition besitzt.“ Als Stadion-Dauergast bei Borussia Dortmund lehnt er solch eine Neuerung im Fußball aber strikt ab. „Die Funktionäre sollen mal alles schön so lassen, wie es ist, und nichts verschlimmbessern, weil endlich jemand eine Idee hat, wie man endlich mal Bayern München entthronen könnte.“
Differenzierte Meinung
Einen Effekt auf die Meisterfrage könnte er sich durchaus vorstellen. „Im Basketball wechselt der Meister jedenfalls ständig. Es kommt eben viel stärker auf die Tagesform an.“ Trotzdem sehnt sich Meiborg nicht danach, auf diese Weise mit Borussia Dortmund mal wieder die Deutsche Meisterschaft zu feiern. „Dann werden wir lieber auf traditionelle Art Vizemeister.“ Eine differenzierte Meinung zu dem Thema hat Winfried Neumann. Der Vorsitzende des Fußball-Kreises findet, dass der Aufschrei und die starke Ablehnung typisch für Deutschland sei. „Die Zeit schreitet voran, der Fußball kann nur attraktiv bleiben, wenn wir offen über neue Ideen diskutieren.“ Ob es nun ausgerechnet Play-offs sein sollten, sieht Neumann allerdings nicht. „Vielleicht gibt es ja auch noch andere Ideen wie eine Meister- oder Abstiegsrunde. Einen Meister in Play-off-Spielen zu ermitteln, fände ich auch nicht fair.“
Die Bundesliga sei sicher nicht mit dem Jugendfußball in Ostfriesland vergleichbar. „Wir machen nach der Hinrunde auch eine Neuordnung. Sicher ist jetzt kein Modell für die Bundesliga. Ich würde mir eine offene Diskussionsrunde wünschen.“ Klar ist für Neumann auch, dass der einzige Hintergedanke des Vorschlags die Fernsehgelder sind. „Natürlich wird es irgendwann langweilig, wenn die Kinder nur noch einen Meister FC Bayern kennen. Das könnte sich irgendwann auch auf die Einnahmen bei den Fernsehgeldern auswirken.“
Ex-Profi Frank Löning kann mit dem Vorschlag Play-offs für die Bundesliga nicht allzu viel anfangen. „Ich finde, dass die Bundesliga beim jetzigen Modus bleiben sollte.“ Es gebe mit der Champions League oder dem DFB-Pokal noch genügend andere Wettbewerbe mit einem anderen Modus. Als Sympathisant von Borussia Dortmund würde er sich zwar auch einmal einen anderen Meister als die Bayern wünschen. „Aber es wird ja auch deutlich, dass mit mehr finanziellen Möglichkeiten nicht unbedingt der sportliche Erfolg einkehrt. Wenn ich bedenke, wie viele Millionen Hertha BSC zum Beispiel investiert hat, und jetzt sind sie im Abstiegskampf“, so Löning. Er glaube, dass die Bundesliga schon gut aufgestellt sei. „Ich fände es viel wichtiger, sich mal Gedanken über die unterklassigen Ligen zu machen. Dort haben vor allem kleinere Vereine größere Probleme. Dort müsste eher der Hebel angesetzt werden“, so Löning.