Jahresbilanz Borkums Feuerwehr bei 85 Einsätzen gefordert
Zwar gab es 2025 keinen Großbrand auf der Insel, ereignisarm war das Jahr dennoch nicht. Stadtbrandmeister Aike Brinkmann hat jetzt öffentlich Bilanz gezogen. Und nicht nur er wurde geehrt.
Borkum - Brennende Kühlschränke, Netzausfall, Auto auf Schienen: Auch wenn im vergangenen Jahr die Sirene als Alarmzeichen für einen Großbrand stumm blieb, blickt die Freiwillige Feuerwehr Borkum auf ein durchaus ereignisreiches Jahr 2025 zurück. Das wurde in der Rückschau von Stadtbrandmeister Aike Brinkmann bei der Jahreshauptversammlung am Samstagabend im Feuerwehrhaus deutlich.
Der Jahresbericht
Brinkmann ließ in seinem Jahresbericht die vergangenen zwölf Monate Revue passieren und hob einige besondere Einsätze hervor – wie den im April 2025 im Hotel Atlantik, als sich die Meldung „BMA“ (Brandmeldeanlage) einmal nicht als Fehlalarm herausstellte. „Es brannten zwei Kühlschränke in der Küche. Wir konnten das Gebäude nur unter Atemschutz betreten“, berichtete Brinkmann. Zudem habe Die Wehr die Evakuierung der Gäste einleiten müssen, die das Haus nicht selbstständig verlassen hatten. „Sie haben sich eher darüber beschwert, dass es überall so laut piept.“ Fazit: Das hätte viel schlimmer enden können.
Aike Brinkmann ging auch auf zwei Unterstützungseinsätze ein, wo Personen – in einem Fall ein kleiner Junge – mit dem Helikopter abtransportiert werden mussten. „Was allen im Gedächtnis geblieben ist, sind die Schaulustigen, die nichts Besseres zu tun hatten, als im Weg rumzustehen und zu filmen.“ Um Menschen in Not oder bei Unfällen künftig vor Gafferblicken zu schützen, hat die Feuerwehr zwei große Sichtschutzzäune besorgt.
Im Juni 2025 war auf der ganzen Insel das Mobilfunknetz inklusive Notruf ausgefallen – auch für Borkums Feuerwehr eine Herausforderung. Man mache sich mit der Stadt Gedanken, wie man in solchen Notfällen zukünftig reagiere, so Brinkmann. Im September mussten Einsatzkräfte abends ausrücken, um ein Auto von den Schienen zu holen. „Die Fahrerin war sehr verwirrt und keiner wusste so recht, wie sie dahingekommen ist.“ Mit Hilfe von Hebekissen sei das Fahrzeug aber schnell von den Gleisen geholt worden, erklärte der Stadtbrandmeister.
Neben einer Katzenrettung und Personen, die von einer Sandbank geholt werden mussten, gab es auch 2025 oftmals „die üblichen Verdächtigen“: die BMAs. „Absolute Spitze“, so Brinkmann, sei die BfA-Klinik Borkum Riff mit 15 ausgelösten Brandmeldeanlagen gewesen. Der Stadtbrandmeister dankte einmal mehr allen Förderern und Unterstützern, den Kameraden und Kameradinnen, seinem Kommando, den Arbeitgebern für die Freistellung zu Einsätzen und Lehrgängen sowie Polizei, DLRG, DGzRS, Stadtrat und Verwaltung für die gute Zusammenarbeit.
Die Einsätze
Borkums Feuerwehr verzeichnete im vergangenen Jahr 85 Einsätze (58 weniger als 2024). Die 61 Brandeinsätze teilten sich auf in 45 mal BMA/Heimrauchmelder, zweimal unklare Rauchentwicklung, elf Kleinfeuer und drei mittlere Brände. Dazu kamen 24 Hilfeleistungen (einmal Sturmschäden, 18 mal Personen in Not, zwei Umwelteinsätze, einen Verkehrsunfall, zwei Tierrettungen). So kamen laut Stadtbrandmeister insgesamt 56,7 Einsatzstunden zusammen.
Das Personal
Das Personal der Freiwilligen Feuerwehr Borkum zählte am 31. Dezember 2025 genau 58 Aktive (davon zwölf Frauen), 31 Mitglieder im Musikzug, 37 Mitglieder in der Seniorenabteilung, elf Mitglieder in der Jugendfeuerwehr (acht Jungen, drei Mädchen), 221 fördernde Mitglieder sowie vier Ehrenmitglieder. Während der Jahreshauptversammlung 2026 wurde Zugführer und Oberbrandmeister Jörg Swart offiziell und auf eigenen Wunsch in die Altersabteilung überführt.
Die Ehrungen
Ausgezeichnet wurden Hauptbrandmeister Heinrich Poppinga und Hauptlöschmeister Wilfried Rimbach jeweils mit dem Abzeichen für 50-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr sowie der Erste Hauptbrandmeister Aike Brinkmann mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes Niedersachsen für 25-jährige Verdienste. Weitere Auszeichnungen gingen an Sabine Kieviet für zehn Jahre aktive Tätigkeit zur Förderung der Feuerwehrmusik, an Tjark Beckmann für 50-jährige Mitgliedschaft im Feuerwehrmusikwesen sowie an Axel Held. Der Dirigent des Musikzuges erhielt die Verdienstmedaille in Bronze für zehn Jahre vorbildliche Tätigkeit zur Förderung der Feuerwehrmusik.
Die Beförderungen
Befördert wurden: Sören Schönbeck (vom Löschmeister zum Oberlöschmeister), Christian Vomacka (vom Oberlöschmeister zum Hauptlöschmeister), Jens Wagner (vom Hauptlöschmeister zum Brandmeister) und Henrik Poppinga (vom Brandmeister zum Oberbrandmeister).
Die Ansprachen
Lobende Worte fand die stellvertretende Bürgermeisterin Melanie Helms. Borkums Feuerwehr sei „weit mehr als eine Einsatzorganisation, sie ist ein fester Bestandteil unserer Inselgemeinschaft. Ihr kümmert euch um die Jugend, fördert den Nachwuchs und gebt jungen Menschen Werte wie Verantwortung, Kameradschaft und Verlässlichkeit mit auf den Weg“. Eine gut ausgestattete Feuerwehr sei keine Ausgabe, sondern eine „Investition in die Sicherheit unserer Insel“.
Und diesbezüglich kommt bald etwas auf den städtischen Haushalt zu. Denn wie Eike Müller, Leiter der Ordnungs- und Sozialabteilung, berichtete, stehen kostspielige, aber notwendige Wartungsarbeiten an der Drehleiter an. Ein Einsatz im derzeitigen Zustand sei „nicht ideal“. Daher soll bald eine Ersatzdrehleiter auf die Insel gebracht werden. Gelder hierfür und für die Instandsetzung müssten aber noch von der Politik freigegeben werden.
Müller berichtete darüber hinaus von ersten „Blaulichtgesprächen“, einem Austausch mit im Katastrophenfall relevanten Gruppen und Personen. Hierbei seien Maßnahmen der Stadt wie die Einrichtung einer Wärmehalle und die in der Kita geplanten Notfallmelder vorgestellt worden. Bei der Beschäftigung mit derlei Szenarien sei man auch auf die Erfahrung und Unterstützung der Feuerwehr angewiesen, unterstrich Eike Müller. „Denn wenn es ernst wird, zeigt sich schnell: Pläne auf Papier sind das eine, Menschen, die wissen, was sie tun, das andere.“
Ernst Berends, Kreisbrandmeister des Landkreises Leer und „Model“ für die neue Uniform, stellte in seinem Grußwort fest, dass es auf Borkum die gleichen Probleme wie auf dem Festland gibt. Auch dort müsse man Einsatzorte – vor allem bei Unfällen auf der Autobahn – vor neugierigen Blicken und Handykameras schützen. Berends hatte zudem etwas Statistik dabei. Demnach gibt es im Landkreis Leer 62 Feuerwehren mit 2.134 männlichen und 377 weiblichen aktiven Mitgliedern. Dazu kommen 38 Jugendfeuerwehren (639 Mitglieder), 26 Kinderfeuerwehren (558). Insgesamt seien im vergangenen Jahr 1.789 Einsätze im Landkreis Leer gefahren worden.