101. Geburtstag Film über Albrecht Weinberg bewegt die Gäste
Mehr als 700 Gäste feiern Albrecht Weinberg im Theater an der Blinke. Erstmals wird der Film „Es ist immer in meinem Kopf“ über sein Leben öffentlich gezeigt. Wir waren vor Ort.
Leer - „Happy Birthday, lieber Albrecht, happy birthday to you.“ Mehr als 700 Menschen stimmen im Theater an der Blinke in Leer ein, um einem besonderen Menschen zu einem besonderen Geburtstag zu gratulieren. Der Holocaust-Überlebende und Ehrenbürger der Stadt Leer und der Gemeinde Rhauderfehn, Albrecht Weinberg, wird an diesem Samstag, 7. März 2026, 101 Jahre alt. Aus diesem Anlass und auf Weinbergs Wunsch hin wird der Film „Es ist immer in meinem Kopf“ von Güner Yasemin Balci und Jesco Denzel erstmals öffentlich gezeigt.
Mehr als 700 Menschen im Theater an der Blinke – viele gratulieren persönlich
Bevor es aber so weit ist, wollen viele Gäste dem Ehrenbürger persönlich gratulieren. Darunter sind auch viele junge Menschen, die Albrecht Weinberg bei Besuchen in den Schulen der Region kennengelernt hat. „Es freut mich, dass der Saal so voll ist“, sagt auch Bürgermeister Claus-Peter Horst bei der Begrüßung. „Albrecht, du bist sehr bekannt, aber auch sehr beliebt.“
Statt Geschenken wird – wie schon beim 100. Geburtstag – Geld für die Umgestaltung des Synagogengrundstücks gesammelt. Es war der große Herzenswunsch von Albrecht Weinberg. Vor wenigen Wochen konnte sich die Stadt mit dem Eigentümer, dem Unternehmer Helmut Wittrock, einigen. Dieser ist an diesem Samstag mit seiner Familie ebenfalls nach Leer gekommen, um Weinberg zu gratulieren.
Doku „Es ist immer in meinem Kopf“ begleitet Weinberg und Dänekas über Jahre
Für den Film hatten Balci und Denzel Albrecht Weinberg und seine gute Freundin und Mitbewohnerin Gerda Dänekas mehr als drei Jahre lang zu Veranstaltungen begleitet und zu Hause besucht. „Wir haben ganz normal weitergelebt“, sagt Dänekas nach der Vorführung. „Wenn ihr kamt, ging die Tür auf und wir wurden verkabelt“, fügt sie mit einem Schmunzeln an und bedankt sich bei den beiden.
Der 90-minütige Film ist eindrucksvoll. Er schildert die sehr dunklen Seiten im Leben von Albrecht Weinberg. Der gebürtige Rhauderfehner blickt zurück auf seine Kindheit, auf sein Leben in Ostfriesland und wie seine Familie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten drangsaliert und schließlich deportiert wurde. Er spricht über seine Eltern, seine Schwester Friedel und seinen größeren Bruder Dieter. Weinberg schildert, wie grausam die Zeit in den Konzentrationslagern war, wie abgemagert er war. Das geht den Besucherinnen und Besuchern im Theater an der Blinke nahe.
Brücke zur Gegenwart: Gespräche mit Jugendlichen und Szenen vom Gallimarkt
Doch diese Passagen im Film werden immer wieder aufgebrochen durch den Blick in die heutige Zeit. Wie Albrecht Weinberg am nach ihm benannten Gymnasium oder auch andernorts mit jungen Menschen über den Holocaust spricht, wie er sie emotional berührt, sie umarmt. Szenen vom Besuch bei der Eröffnung des Gallimarktes und von seinem 100. Geburtstag zeigen, wie ihn die Bürgerinnen und Bürger heute feiern – ganz anders als während der NS-Zeit.
Und dann gibt es da noch die Szenen mit Gerda Dänekas – in der wohl ältesten Wohngemeinschaft Deutschlands, aber auch unterwegs. Immer wieder gibt es witzige Situationen und Gespräche. Sie lockern auf, bevor wieder die Schilderungen aus den Konzentrationslagern kommen.
Gerda Dänekas: „Wir sind schlichtweg begeistert“
Als der Film vorbei ist, erheben sich alle. Spenden stehend Applaus für das Filmteam, aber vor allem für Albrecht Weinberg. „Einfach fabelhaft“, findet der 101-Jährige den Film – und Gerda Dänekas fügt an: „Wir sind schlichtweg begeistert.“
Weit mehr als 100 Stunden Drehmaterial seien zusammengekommen, beantwortet Güner Yasemin Balci eine Frage von Bürgermeister Horst. „Ich habe Albrecht und Gerda bei einer Gedenkveranstaltung in Bergen-Belsen kennengelernt“, schildert Jesco Denzel, wie die Idee zu dem Film entstanden ist. Er rief Balci an und sagte: „Die sind so toll und nett, wir müssen einen Film über die beiden machen.“
Im Herbst soll der Film in die Kinos kommen
Immer wieder zog es sie im Anschluss nach Leer – von der Stadt und deren Menschen sie begeistert sind, wie sie am Samstag betonen. Produzent Matthias Miegel erklärt, dass man derzeit eigentlich noch in der Postproduktion sei. Den Ton wolle man beispielsweise noch nacharbeiten. Dann geht der Film auf eine Festival-Tour und im Herbst soll er in die Kinos kommen.
„Es war ein sehr emotionaler Film“, sagt Lea Gerdhabing. Vor allem der Wechsel zwischen den sehr traurigen Stellen über die KZs und die lustigen Szenen mit Gerda. Die Jugendliche war gemeinsam mit Rieke Götemann zur Vorführung gekommen. Die beiden Schülerinnen des Emder Max-Windmüller-Gymnasiums hatten im Januar eine Veranstaltung mit Albrecht Weinberg im Festspielhaus moderiert. Sie würden sich wünschen, dass der Film nicht einfach nur im Unterricht, sondern für alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam gezeigt wird. „Dazu gehört dann auch die Möglichkeit, darüber noch einmal sprechen zu können.“
Auch Bürgermeister Claus-Peter Horst machte deutlich, dass ihn eine Szene sehr bewegt hat. Als Albrecht Weinberg im Film gesagt hat: „Hat jemand damals etwas gesagt? Kein Wort.“ Der Bürgermeister machte deutlich: „Wir müssen unser Wort erheben.“