Vom Kegler zum Kicker  „Emma“ wird 60 – Erlebnisse mit Basler, Flick und Thon

| | 09.02.2026 19:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
2022 feierte Stefan Emmerling mit dem Kickers-Aufstieg in die Regionalliga einen seiner größten Trainer-Erfolge. Foto: Doden
2022 feierte Stefan Emmerling mit dem Kickers-Aufstieg in die Regionalliga einen seiner größten Trainer-Erfolge. Foto: Doden
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Seit 2019 trainiert Stefan Emmerling den BSV Kickers. Als Spieler war er lange Profi, stellte einen kuriosen Bundesliga-Rekord auf und fand seine Liebe einst durch den Vater von Leroy Sané.

Emden - Mit Hansi Flick zusammen fuhr Stefan Emmerling einst im Vereinsbulli des SV Sandhausen zum Jugendtraining. Später wohnte er mit Mario Basler beim 1. FC Kaiserslautern in einem Haus und gegen Matthias Sammer kassierte er einmal die Rote Karte. Der Trainer von Kickers Emden traf in seinen Bundesligajahren auf unzählige Weltstars. Am Dienstag, den 10. Februar 2026, wird „Emma“ 60 Jahre alt und blickt auf eine bewegte Karriere zurück. Eine Star-Erinnerung trägt er für immer am Körper. Der Jubilar krempelt das Hosenbein weit hoch. „Hier ist es“, sagt er und zeigt auf die Kniekehle. Die ziert ein mehrere Zentimeter langes „Stollen-Tattoo“. „Die Narbe ist von Olaf Thon.“

Narbe von Olaf Thon

Es passierte 1983, als der SV Sandhausen als badischer Meister in der ersten Runde um die Deutsche A-Jugendmeisterschaft auf Schalke 04 traf. Nach einem Luftduell hatte der Sandhausen-Kicker als Erster wieder Boden unter den Füßen. Thon blieb bei der Landung mit den Stollen in der Kniekehle des Widersachers hängen und verewigte sich. „Ich wurde mit einer klaffenden Fleischwunde ausgewechselt und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren“, sagt Emmerling. Ohne ihn verlor sein Team 0:2.

1987 schafften Emmerling (unten, 2. v.l.) und auch Mario Basler (oben, 2. v.l.) in Kaiserslautern unter Hannes Bongartz (hinten rechts) den Sprung in die 1. Liga.
1987 schafften Emmerling (unten, 2. v.l.) und auch Mario Basler (oben, 2. v.l.) in Kaiserslautern unter Hannes Bongartz (hinten rechts) den Sprung in die 1. Liga.

Trotzdem waren Baden-Titel und Schalke-Erlebnis die ersten Höhepunkte des Mannes mit den 249 Bundesliga- und 106 Zweitligaspielen. Dabei schien die Karriere zuvor fast schon beendet. Als der kleine Stefan mit 14 mangels B-Juniorenteam bei seinem Heimatverein FSV Meckesheim gegen 18-jährige A-Jugendliche auflaufen musste und oft zweistellig unterlag, verlor er die Lust auf den Ball am Fuß und probierte es mit der Kugel in der Hand. „Ich war ein guter Kegler.“ Er räumte oft alle Neune ab und startete bei badischen Meisterschaften. Erst als er beim Schulfußball-Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ einem Trainer des SV Sandhausen imponierte, verschwand der Kegelbruder von der Bahn und schlug auf dem Rasen beim SVS eine atemberaubende Laufbahn ein.

Profistart mit 3000 Mark

In der A-Jugend spielte er Doppelpässe mit Hansi Flick und gewann prompt den Baden-Titel vor dem SV Waldhof Mannheim (mit Jürgen Kohler und Christian Wörns). Parallel zur Ausbildung zum Maschinen-Mechaniker erhielt das Talent einen mit 300 Mark dotierten Vertrag für die SVS-Oberligamannschaft.

Es folgten der Wehrdienst, der Sprung mit Sandhausen ins DFB-Pokal-Achtelfinale (1:3 gegen Dortmund) und zwei missglückte Versuche in der Aufstiegsrunde zur 2. Liga. Für Emmerling ging es aber hoch hinaus. „Trainer Hannes Bongartz hat mich nach Kaiserslautern geholt.“

Stefan Emmerling heiratete seine Simone vor mehr als 30 Jahren. Foto: Privat
Stefan Emmerling heiratete seine Simone vor mehr als 30 Jahren. Foto: Privat

Dort verdiente der Neuling zunächst 3000 Mark, bezog eine Wohnung im selben Haus wie der drei Jahre jüngere und noch unbekannte Mario Basler. Bongartz erkannte beim Talent aus Sandhausen gar Offensivqualitäten. „Als ich bei einem 16:0-Testspielsieg vier Tore erzielte, war in der Zeitung von ,Bomber Emmerling‘ die Rede.“ Der verbuchte auf Anhieb 22 Einsätze in der 1. Liga. Als Ziehvater Bongartz beim FCK gehen musste, wechselte Emmerling in die 2. Liga zu Wattenscheid 09. Bei Trainer Gerd Roggensack (später auch Coach in Emden) schaffte „Emma“ den Durchbruch, als er im Spitzenspiel das 6:5-Siegtor gegen Fortuna Köln erzielte. „Es war ein unvergessliches Spektakel.“

Verliebt in WM-Frau

Emmerling fand im Ruhrpott das große Glück. Mit Bongartz als neuem Trainer glückte 1990 der Aufstieg in die 1. Liga. Die 0:7-Klatsche beim FC Bayern und sein überragender Gegenspieler Brian Laudrup blieben Emmerling ebenso in Erinnerung wie der sensationelle 3:2-Rückspielsieg und die private Erfolgsspur. Über Wattenscheids Torjäger Souleymane Sané – der Vater von Leroy Sané – landete der Verteidiger einen Volltreffer in der Liebe. Sanés Partnerin Regina Weber war nämlich die beste Freundin von „Emmas“ späterer Herzdame Simone. Beide Frauen waren Rhythmische Sportgymnastinnen und starteten bei Weltmeisterschaften. Anmut und Grazie von Simone verzauberten nicht nur die Punktrichter, sondern auch den rustikalen Kicker. Die beiden heirateten 1994.

Mittlerweile sind ihre Kinder erwachsen. Sohn Jon ist Co-Trainer Videoanalyse beim belgischen Erstligisten KRC Genk, Tochter Jill Lehrerin im Ruhrgebiet. Sie machte ihren Vater schon zweimal zum Großvater.

Erbitterte Zweikämpfe lieferte sich Emmerling (hier in seiner Wattenscheider Zeit) oftmals gegen Matthias Sammer und sah einmal die Rote Karte. Fotos: Imago
Erbitterte Zweikämpfe lieferte sich Emmerling (hier in seiner Wattenscheider Zeit) oftmals gegen Matthias Sammer und sah einmal die Rote Karte. Fotos: Imago

„Opa Emma“ blickt heute besonders gerne auf die vier Jahre ab 1996 beim MSV Duisburg zurück. „Das war die beste Zeit meiner Karriere.“ Mit Emmerling als Vizekapitän zogen die „Zebras“ 1998 ins DFB-Pokalfinale gegen Bayern München ein. Emmerling musste in Berlin bei der 1:2-Niederlage verletzt passen. Noch schlimmer war sein Erlebnis im Jahr zuvor auf Schalke.

Eigentor-Rekord

Dort stellte er mit drei Eigentoren bei der 0:4-Klatsche einen Bundesliga-Rekord auf. „Ich war fix und fertig“, sagt der 60-Jährige, legt aber Wert darauf, dass die unrühmliche Marke in der Neuzeit gelöscht wurde. „Zwei abgefälschte Bälle werden mir nicht mehr zugeschrieben“, sagt er und lacht. „Da bin ich raus.“

Nicht so toll sind auch die Erinnerungen an seine letzte Spielerstation bei Fortuna Düsseldorf. Als Fortuna den Trainer Aleksandar Ristic entließ, wurden in den Boulevard-Medien sechs angebliche Ristic-Gegner samt Porträts als „Königsmörder“ vorgeführt. Stefan Emmerling gehörte dazu. Seine Spieler-Karriere endete bei Fortuna, als er sich beim Spiel in Essen einen „Totalschaden“ im Knie zuzog. „Alles war zerfetzt.“

Stefan gegen Stefan oder Emmerling gegen Effenberg.
Stefan gegen Stefan oder Emmerling gegen Effenberg.

Als Coach arbeitete er danach unter anderem in Aachen, Erfurt, Paderborn und Worms. Die schönste Trainerzeit erlebte Stefan Emmerling aber in Emden. „2008 haben wir uns für die 3. Liga qualifiziert“, blickt er auf die erste Ostfriesen-Etappe zurück. Nun ist „Emma“ seit 2019 ununterbrochen beim BSV Kickers im Amt, bewohnt mit seiner Frau ein Haus in Hinte am Kanal und bejubelte zwei Regionalliga-Aufstiege. Am Dienstagabend feiert er den Geburtstag mit Freunden, Mannschaft, Vorstand und Sponsoren an jenem Ort, der sein Trainer-Leben geprägt hat: beim BSV Kickers.

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