Sicher im Wasser  DLRG Borkum sucht Schwimmausbilder

| | 06.02.2026 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine Aufnahme vom Schwimmtraining aus dem Archiv der DLRG Borkum. Foto: DLRG Borkum
Eine Aufnahme vom Schwimmtraining aus dem Archiv der DLRG Borkum. Foto: DLRG Borkum
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Lange Wartelisten bei den Anfängern, fehlende Ausbilder: Britta Erdwiens von der DLRG Borkum spricht über Herausforderungen in der Schwimmausbildung. Und wo sie die Eltern in der Verantwortung sieht.

Borkum - Laut aktuellen Daten des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) verlassen jährlich rund 500.000 Kinder die Grundschule, ohne sicher schwimmen zu können. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landesschwimmverbandes Niedersachsen (LSN) hervor – verbunden mit dem Appell: „Wir können nicht länger zusehen, wie Lehrschwimmbecken verschwinden und damit die Sicherheit unserer Kinder aufs Spiel gesetzt wird.“ Qualifizierte Lehrkräfte seien vorhanden, doch der Sanierungsstau in den Bädern werde zum gefährlichen Nadelöhr.

„Uns liegt die Sicherheit unserer Kinder am Herzen. Wir unterstützen die Vision des DSV, die Zahl der Nichtschwimmer bis 2035 auf Null zu senken und werden auf Landesebene weiterhin lautstark für die notwendigen Rahmenbedingungen kämpfen“, teilt der Verband weiter mit. Auch mit Blick auf den ab Sommer startenden verbindlichen Ganztag müssten Kooperationen zwischen Vereinen und Schulen zum Standard werden, „damit der Schwimmunterricht nicht an organisatorischen Hürden scheitert“. Auf Borkum wird das bereits gelebt. Die DLRG-Ortsgruppe spielt bei der Schwimmausbildung eine wichtige Rolle. Wir haben mit Britta Erdwiens von der DLRG gesprochen.

Engagieren sich seit vielen Jahren in der Schwimmausbildung auf Borkum: die DLRG-Urgesteine Britta und Rudi Erdwiens. Foto: Florian Ferber/Archiv
Engagieren sich seit vielen Jahren in der Schwimmausbildung auf Borkum: die DLRG-Urgesteine Britta und Rudi Erdwiens. Foto: Florian Ferber/Archiv

Wie ist die aktuelle Situation auf Borkum?

Britta Erdwiens: Der Knackpunkt in der Schwimmausbildung sind die Schwimmanfänger. Auch in unserer DLRG-Ortsgruppe gibt es leider eine lange Warteliste und wir haben große Schwierigkeiten, diese in einem angemessenen Zeitrahmen abzuwickeln. Zurzeit beträgt die Wartezeit für Schwimmanfänger im Alter zwischen fünf und sieben Jahre ein bis anderthalb Jahre. Für ältere Kinder ab der Qualifikation Freischwimmer haben wir eine wesentlich kürzere Wartezeit, beziehungsweise können diese Kinder häufig sofort in unsere Schwimmgruppen aufnehmen.

Was decken die Schwimmkurse der DLRG alles ab?

Erdwiens: Wir bilden in unseren Schwimmgruppen die gesamte Bandbreite, vom Seepferdchen, Jugendschwimmabzeichen in Bronze (Freischwimmer), Silber, Gold, sowie das Rettungsschwimmabzeichen in Bronze, Silber, Gold aus. Unsere Ortsgruppe arbeitet nicht nach dem Kurssystem, sondern wir teilen unsere Kinder nach Alter und Schwimmkompetenz in Schwimmgruppen ein. Hier wird für die entsprechenden Qualifikationen geübt und anschließend geprüft.

Wie würden Sie insgesamt die Schwimmkompetenz der Kinder auf Borkum beurteilen?

Erdwiens: Wir beurteilen die Schwimmkompetenz der Kinder nicht ganz so dramatisch, wie eventuell auf dem Festland. Zum einen arbeiten wir unsere Warteliste, die zum Teil noch Überhänge aus den Corona-Jahren hat, kontinuierlich ab. Zum anderen haben die Grundschüler auf der Insel noch Schwimmunterricht. Hier wird nach Jahrgängen aufgeteilt, halbjährlich wechselnd, Schwimmen angeboten. Erfreulich ist, dass Kinder mit Migrationshintergrund beim Schulschwimmen mit dem Element Wasser in Berührung kommen. Auch in der Inselschule gibt es Schwimmunterricht.

Schwimmen zu können auf einer Insel dürfte besonders wichtig sein.

Erdwiens: Dadurch, dass wir das Meer direkt vor der Tür haben, sehen wir es als elementar wichtig an, dass Kinder schwimmen können und mit den Gefahren des Meeres vertraut gemacht werden. Unsere langjährige Erfahrung hat uns gelehrt, möglichst frühzeitig, etwa mit dem fünften bis sechsten Lebensjahr, mit dem Schwimmunterricht anzufangen. Eine große Verantwortung liegt hier im Elternhaus. Eine frühe Wassergewöhnung und regelmäßige Besuche im Schwimmbad oder am Strand sind gute Vorbedingungen, für ein zügiges Erlernen der Grundfertigkeiten, springen, schwimmen, tauchen.

Auf einer Insel sollten Kinder möglichst früh schwimmen lernen, heißt es von der DLRG Borkum. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Auf einer Insel sollten Kinder möglichst früh schwimmen lernen, heißt es von der DLRG Borkum. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Der LSN sieht die geringe Anzahl an Lehrschwimmbecken in Niedersachsen kritisch. Wie beurteilen Sie die Lage auf Borkum?

Erdwiens: Bis vor fünf Jahren hatten wir die Möglichkeit, unsere Frühschwimmerausbildung Seepferdchen in der Nordseeklinik durchzuführen. Hier konnten unsere kleinen Schwimmschüler in Ruhe und fernab vom quirligen Bäderbetrieb in einem für sie überschaubaren Schwimmbecken die für Anfänger wichtigen schwimmerischen Fertigkeiten erlernen. Dieses Becken fehlt uns sehr. Für unsere Schwimmanfänger ist die Platzsituation im Gezeitenland, besonders an Tagen ohne Strandwetter, manchmal etwas angestrengt. Besonders im Warmwasserbereich wird der Platz knapp und es geht mitunter recht turbulent zu.

Aber es liegt nicht nur am Wasser, das manchmal etwas knapp bemessen ist. Es fehlt uns zurzeit auch an Schwimmausbilderinnen und Schwimmausbildern fürs Anfängerschwimmen. Hier zeichnet sich momentan keine Besserung ab. Schwimmlehrer fallen leider nicht vom Himmel. Sollte jedoch dort draußen jemand diese Zeilen lesen und Lust daran haben, in unser Team einzusteigen und unsere Seepferdchen zu zähmen, wären wir und Borkums Kinder sehr dankbar und wir würden uns riesig freuen.

Die DLRG Borkum ist nicht nur in der Schwimmausbildung aktiv, sondern auch beim jährlichen Neujahrsschwimmen. Foto: Florian Ferber/Archiv
Die DLRG Borkum ist nicht nur in der Schwimmausbildung aktiv, sondern auch beim jährlichen Neujahrsschwimmen. Foto: Florian Ferber/Archiv

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