Wohnungsbau Was macht Borkums größtes Wohnbauprojekt?
Auf dem Areal der alten Kuranstalt sollen rund 60 geförderte Wohnungen entstehen. Besitzer und Investor Burkhard Walter informiert, wie es aktuell um das ambitionierte Vorhaben steht.
Borkum - Dass es nicht mit einem „Fingerschnippen“ geht, hatte Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) bereits bei der Infoveranstaltung zum „Lebensraumkonzept Borkum 2030+“ im November betont. Gemeint war die Umsetzung des ambitionierten Wohnbauprojekts auf dem Gelände der alten Kuranstalt (Geert-Bakker-Straße/Am Quabben), das der Rat stets wohlwollend begleitet habe, so Akkermann. Gleichzeitig hatte der Verwaltungschef betont, dass man bei der Schaffung von Wohnraum als Stadt auf private Initiativen und Investoren angewiesen sei. Nun ist es um besagte Kuranstalt und die dortige Schaffung neuer, sozial geförderter Wohnungen – zumindest nach außen hin – merklich ruhig geworden. Wir haben daher bei Inhaber Burkhard Walter nachgefragt.
Wie ist der aktuelle Stand des Projekts?
„Wir sind ungefähr vier Monate in Verzug“, sagt Investor Burkhard Walter im Gespräch mit dieser Redaktion. Zunächst habe man abwarten müssen, ob das Projekt von der Politik getragen wird. Wird es, die Änderung des entsprechenden Bebauungsplanes und dessen öffentliche Auslegung waren im Jahr 2024 beschlossen worden. Mittlerweile sei der Bauantrag weitestgehend fertiggestellt, aber noch nicht beim Landkreis Leer eingereicht. Die dort zuständige Dame, erklärt Walter, sei zwischenzeitlich erkrankt. Überdies sei eine (zu) große Datei mit umfangreichen Plänen bei der Behörde offenbar nicht angekommen – obwohl es keine Fehlermeldung gegeben habe. „Wir haben jetzt alle nötigen Angaben überarbeitet, sodass das, was wir vorliegen haben, genehmigungsfähig sein müsste“, ist der 69-Jährige zuversichtlich. Überdies müsse für die Baugenehmigung noch ein städtebaulicher Vertrag geschlossen werden.
Wie sieht es mit der Förderung aus?
Hier stehen noch Gespräche mit der Investitions- und Förderbank Niedersachsen (NBank) an, die mit einem zinslosen Darlehen das Vorhaben ermöglichen soll. „Wir dürfen erst anfangen, irgendetwas zu machen, wenn die Förderbedingungen stehen. Denn ohne Förderung kriegen wir die Mieten nicht zustande“, erklärt der Investor, der das finanzielle Gesamtvolumen des Projektes mit 20 Millionen Euro beziffert – wobei 75 Prozent gefördert werden. „Wenn wir ,normal‘ bauen würden, müssten wir 25 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete nehmen, das will keiner zahlen. Durch die öffentliche Förderung ist die Miete beschränkt auf etwa 8,50 Euro je Quadratmeter.“ Entstehen soll schließlich sozialer Wohnraum, dessen Mieterinnen und Mieter einen Wohnberechtigungsschein (WBS) vorlegen müssen. Der wiederum ist an Bedingungen wie bestimmte Einkommensgrenzen gebunden.
Was ist eigentlich geplant?
Nach den aktuellen Planungen soll die neue Wohnanlage laut Burkhard Walter insgesamt etwa 60 Wohnungen in einer Größenordnung zwischen 35 und 70 Quadratmetern für Single- oder Zwei-Personen-Haushalte umfassen. Unterkommen werden sie in insgesamt sechs Gebäuden: zwei an der Geert-Bakker-Straße und vier weitere unterhalb in Richtung Hindenburgstraße. Von diesen vier Häusern sind die zwei mittleren dreigeschossig, die beiden äußeren zweigeschossig. Es habe in der Vergangenheit auch Überlegungen gegeben, die alte Kuranstalt, die er 2007 von der Stadt Borkum gekauft hat, zu sanieren, berichtet der Besitzer. Das Gebäude habe früher durchaus Charme gehabt, sei aber wegen seiner riesigen Flure und hohen Decken für eine ökonomische Wohnnutzung eher ungeeignet.
Wie sieht der weitere Zeitplan aus?
Wenn die Bescheinigung der NBank und die Baugenehmigung vorliegen, könne man die Ausschreibung – laut Förderrichtlinien müssen drei Angebote eingeholt werden – durchführen, skizziert Burkhard Walter das weitere Vorgehen. „Wenn das alles rechtzeitig passiert, werden wir im Oktober 2026 anfangen, abzureißen. Wenn es nicht Oktober 2026 wird, wird es definitiv Oktober 2027.“ Man gehe derzeit aber davon aus, in diesem Jahr beginnen zu können, um den Neubau – wahrscheinlich in Holz-Hybrid-Fertigbauweise – dann im Sommer 2028 fertigzustellen. „Die Sache mit der NBank und dem Landkreis Leer müssen wir aber bis allerspätestens April abgeschlossen haben, sonst klappt das 2026 nicht mehr.“
Beim Abriss, erklärt der Düsseldorfer Investor, werde man mit dem Bunker der Reservistenkameradschaft, der sich ebenfalls auf dem Gelände befindet, beginnen. Der müsse aufwendig zersägt werden. Parallel gehe es dann in den Gebäuden weiter: Entkernen, Heizungen und Wertstoffe entfernen, Gefahrstoffe sortieren. „Wir rechnen damit, dass der Abriss rund zwei Monate dauert“, so Walter. Man habe auf eigenes Risiko bereits Aufträge rausgeschickt und Gutachter bestellt für Bereiche wie Boden, Abwasser, Brandschutz.
Was passiert mit den bisherigen Mietern in der alten Kuranstalt?
„Wir haben mit allen Mietern gesprochen, einige haben Zeitmietverträge. Wir bieten allen alternative Wohnungen an für eine Übergangszeit zu der derzeitigen Miete“, erklärt Burkhard Walter. Wer von den bisherigen Mietern in die neue Wohnanlage zurückwolle, werde priorisiert – sofern sie einen Wohnberechtigungsschein vorlegen können.