Ja oder nein? Diskussion um Böllerverbot erreicht Borkum
Im Internet wurde eine Petition gestartet, die ein generelles Böllerverbot auf der Insel erwirken will. Derweil setzte die Nordseeheilbad Borkum GmbH in der Silvesternacht auf ein neues Konzept.
Borkum - Das war ein brenzliger Start ins neue Jahr: Wie die Polizeiinspektion Leer/Emden am Donnerstag, 1. Januar 2026, mitteilte, mussten Beamte auf Borkum auf der Promenade (Jann-Berghaus-Straße) kurz nach Mitternacht des Jahreswechsels „einen unsachgemäßen und gefährlichen Umgang mit einem Feuerwerkskörper aufnehmen“. Nach Polizei-Angaben hatte ein 62-jähriger Borkumer einen Böller in einer Menschenmenge gezündet, infolge dessen ein 13-jähriges Kind aus Lüdenscheid leicht am Fuß verletzt wurde.
Seitens der Nordseeheilbad Borkum GmbH (NBG) hatte man diesmal zum Jahreswechsel auf ein neues Veranstaltungskonzept gesetzt: Statt eines herkömmlichen Feuerwerks auf eine laut Ankündigung „spektakuläre Multimediashow inklusive eindrucksvoller Videoprojektion an die Fassade der ehemaligen Nordseeklinik auf der oberen Strandpromenade“. Tourismusdirektorin Pia Hosemann hatte im Vorfeld betont: „Mit dem neuen Silvesterformat setzen wir ein Zeichen für einen bewussteren Umgang mit Natur und Umwelt, ohne dabei auf festliche Stimmung und ein besonderes Gemeinschaftserlebnis zu verzichten. Deswegen möchten wir auch darum bitten, privates Böllern auf der Promenade zu unterlassen.“ Der Bitte hatte sich Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann in seiner Rede beim traditionellen Olljahrssingen am Mittwochabend angeschlossen.
Bereits über 1.500 Unterschriften am Neujahrsmittag
Siemtje Bootsmann geht das offenbar nicht weit genug. Sie hat vor wenigen Tagen im Internet eine Petition gestartet mit dem Ziel, ein Böllerverbot auf der Insel zu erwirken. Stand Donnerstagnachmittag zählte die Petition laut Homepage über 1.600 verifizierte Unterschriften. Zum Hintergrund heißt es auf der Internetseite, Borkum sei bekannt für schöne Natur und das außergewöhnliche Hochseeklima, stehe aber vor einer ernsthaften Bedrohung: dem alljährlichen Einsatz von Böllern. „In diesem einzigartigen Naturschutzgebiet gibt es keine Ausweichmöglichkeiten, weder für die Menschen und Haustiere, die hier leben, hier Erholung suchen, noch für die Tierwelt, die auf der Insel ein geschütztes Zuhause gefunden hat.“
Jedes Jahr werde früher geböllert, mittlerweile seien es gut drei Wochen, „in denen rücksichtslos geböllert wird und die gesetzlichen Regelungen damit komplett ignoriert werden. Dies macht es unmöglich vor den Böllern zu fliehen“. Die Lautstärke und die plötzlichen Explosionen von Böllern verursachten Stress und Panik bei Haus- und Wildtieren. Auch für Menschen, insbesondere Kinder und ältere Personen, stelle der Lärm eine erhebliche Beeinträchtigung dar. Weiter wird im Zuge der Petition auf Studien verwiesen, die gezeigt hätten, „dass plötzlicher Lärm nicht nur zu anhaltendem Stress führen kann, sondern auch physische Auswirkungen wie Herz-Kreislauf-Probleme auslösen kann“. Auf Borkum, einer Nordseeinsel mit Hochseeklima im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, sollte der Schutz der Natur an höchster Stelle stehen, heißt es weiter. „Es ist an der Zeit, dass die zuständigen Behörden handeln und ein generelles Böllerverbot auf der Insel verhängen, um die fragilen Ökosysteme mit all ihren Lebewesen zu schützen“, so die Forderung.
DUH-Geschäftsführer spricht von „Horrornacht“ in Deutschland
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat derweil mit Blick auf das ganze Land eine „verheerende Bilanz der Silvesternacht“ gezogen. Bundesweit sei es zu „schweren Verletzungen und mindestens zwei Todesfällen, zu gezielten Angriffen auf Polizei und Rettungskräfte sowie zu dramatischen Höchstwerten bei gesundheitsschädlichem Feinstaub“ gekommen. Millionen Menschen und Tiere seien einer extremen Luftverschmutzung, dem Lärm und der Panik schutzlos ausgeliefert gewesen. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, spricht gar von einer weiteren „Horrornacht“.
„Die DUH fordert gemeinsam mit 65 weiteren Organisationen in ihrem #böllerciao-Bündnis Bundesinnenminister Alexander Dobrindt auf, jetzt zu handeln und ein bundesweites Verkaufs- und Anwendungsverbot für private Pyrotechnik zu Silvester auf den Weg zu bringen“, ist in einer Pressemitteilung vom Neujahrstag zu lesen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass lokale Verbotszonen, Appelle und das Abschieben der Verantwortung auf Kommunen nicht ausreichten.
Feuerwehren müssen brennende Hecken löschen
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) indes lehnt ein landesweites Böllerverbot zu Silvester ab und setzt weiterhin auf Entscheidungen vor Ort. „Es gibt ganz viele Kommunen, die Bereiche festlegen, wo nicht geböllert werden darf. Das halte ich für den richtigen Weg“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ein generelles Verbot „über die Köpfe der Menschen hinweg“ komme für ihn nicht infrage. „Diese Entscheidung ist vor Ort genau richtig aufgehoben“, betonte Lies. Derweil hat auch Björn Leidheiser aus der Borkumer CDU-Fraktion in seiner Facebook-Gruppe das Thema aufgegriffen – und versprochen, man werde 2026 in der Inselpolitik darüber diskutieren, ob man nicht weiter eingreifen könnte oder sollte.
Indessen blicken die Feuerwehren im Landkreis Leer auf eine einsatzreiche Silvesternacht zurück. „Insgesamt neunmal mussten die Einsatzkräfte zwischen Silvesterabend und dem Neujahrsmorgen ausrücken, um Brände im gesamten Kreisgebiet zu bekämpfen. Dank des schnellen Eingreifens der ehrenamtlichen Retter konnten größere Schäden an Gebäuden verhindert werden. Personen kamen nach aktuellem Kenntnisstand nicht zu Schaden“, bilanziert Joachim Rand, Pressesprecher der Kreisfeuerwehr Leer, in einer Pressemitteilung. Seinen Angaben zufolge mussten die Feuerwehren auf Borkum sowie in Neermoor, Burlage und Ostrhauderfehn brennende Hecken löschen. „In allen Fällen gelang es den Kräften, die Flammen zügig unter Kontrolle zu bringen, bevor diese auf angrenzende Grundstücke übergreifen konnten“, so Rand. In Bunde sei zudem der Brand eines Altkleidercontainers gemeldet worden, während in Leer eine Mülltonne in Flammen stand und in Detern ein Unterstand für Einkaufswagen. In Kleinoldendorf ist am frühen Morgen eine Doppelgarage in Brand geraten.
Borkums Feuerwehr löscht Müllcontainer
Später am Neujahrstag hat sich Borkums Freiwillige Feuerwehr in den sozialen Medien zu Einsätzen in der Silvesternacht geäußert. Zunächst war demnach gegen 1 Uhr ein Heckenbrand gemeldet worden. „Beim Eintreffen an der Einsatzstelle stellte sich jedoch heraus, dass es sich lediglich um die Reste von Feuerwerkskörpern handelte, die ausbrannten. Diese löschten wir mit ein wenig Wasser ab und beendeten den Einsatz nach wenigen Minuten“, schreibt die Feuerwehr. Rund eine Stunde später habe dann ein Restmüllcontainer vor einem Wohngebäude und einem Pkw gebrannt. Das Feuer sei zügig per Schnellangriff gelöscht und somit ein Übergreifen der Flammen verhindert worden.