Erfahrungen  Leeraner leben seit anderthalb Jahren im Himalaya

| | 29.12.2025 18:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Jonas und Mechthild Molkenthin leben mit ihren Söhnen Theo (von rechts), Nate und Chris in Bhutan. Foto: privat
Jonas und Mechthild Molkenthin leben mit ihren Söhnen Theo (von rechts), Nate und Chris in Bhutan. Foto: privat
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Familie Molkenthin aus Leer ist nach Bhutan gezogen. Dort arbeitet Jonas Molkenthin an einem Gewächshaus-Projekt. Er spricht darüber, wie sie sich eingelebt haben und was die Herausforderungen sind.

Leer/Bhutan - Als Jonas Molkenthins Stimme am Telefon erklingt, hat man nicht das Gefühl, dass er gerade Tausende Kilometer weit entfernt in einem Tal mitten im Himalaya sitzt. Die Verbindung ist ausgesprochen gut – besser als in manch abgelegenen Orten in Ostfriesland. „Wir haben Internet über Starlink“, sagt er. Wir wechseln zum Videoanruf, die Qualität bleibt hoch.

„Uns geht es hier richtig gut“, betont Molkenthin. Im Spätsommer 2024 ist er gemeinsam mit seiner Frau Mechthild und den Kindern Nate, Chris und Theo von Leer aus nach Bhutan gezogen. Er arbeitet dort – auf rund 2.600 Metern Höhe – an einem Projekt mit, durch das eine Gemüseproduktion nach westlichen Standards in dem Land aufgebaut werden soll. Sie leben in einem kleinen Dorf mit etwa 500 Einwohnern. Bhutan selbst ist in etwa so groß wie die Schweiz und hat insgesamt rund 800.000 Einwohner.

Tal ist Hauptanbaugebiet für Kartoffeln

„Wir sind nach gut einem Jahr noch am Einleben“, sagt Molkenthin. Mittlerweile hätten sie aber schon Freundschaften geschlossen. „Wir werden beim Spazierengehen zum Butterteetrinken eingeladen.“ Vor allem mit den Angestellten habe sich eine enge Beziehung entwickelt. „Das sind alles Farmer aus dem Dorf“, sagt Molkenthin. Sie hätten mit ihren Familien Kartoffeln angebaut und verkauft. Das Tal, in dem sie leben, ist das Hauptanbaugebiet für das Gemüse. „Die Kartoffeln werden aber alle exportiert“, sagt der Leeraner. Die Einheimischen selbst würden eher Reis essen. „Wir haben die Angestellten natürlich ausgewählt, weil sie gut Englisch sprechen“, sagt Molkenthin.

Die sechs Mitarbeiter aus dem Dorf helfen beim Aufbau des Gewächshauses. Foto: privat
Die sechs Mitarbeiter aus dem Dorf helfen beim Aufbau des Gewächshauses. Foto: privat

Die Sprache ist noch immer eine Herausforderung. Nur wenige Leute würden Englisch sprechen. Seine Frau sei schon gut im Smalltalk dabei. „Ich selbst komme kaum dazu, die Sprache zu lernen. Für die drei Kinder war die Umstellung besonders schwer. Sie werden von Mechthild Molkenthin im Homeschooling unterrichtet. „Das war anfangs bei weitem nicht so romantisch, wie man sich das vorstellen könnte“, sagt Jonas Molkenthin.

Einmal die Woche geht es in die lokale Grundschule

Die Motivation bei den Kindern sei nicht immer so groß gewesen. Mittlerweile laufe es aber deutlich besser. Einmal die Woche gehen die Söhne in die lokale Grundschule. Das klappe gut. Dadurch seien auch Kontakte mit anderen Kindern entstanden. „Einmal die Woche versucht meine Frau auch jemanden einzuladen, der den Kindern die Sprache näherbringt“, sagt Molkenthin. Die drei Jungs könnten mittlerweile schon die Farben, Zahlen sowie „Hallo“ und „Tschüss“ auf Dzongkha, der Amtssprache des Landes.

Seit knapp anderthalb Jahren wohnt die Leeraner Familie im Himalaya. Foto: privat
Seit knapp anderthalb Jahren wohnt die Leeraner Familie im Himalaya. Foto: privat

Grundsätzlich sei es für die Kinder kein Selbstläufer in Bhutan, anders als für sie als Erwachsene. „Die Kultur ist eher zurückhaltend“, sagt Molkenthin. Mit anderen Kindern ins Gespräch zu kommen sei noch schwieriger. Mittlerweile werde der Garten aber immer häufiger zum Fußballfeld umgebaut, auch mehrere Baumhäuser seien schon entstanden.

Gewächshaus ist vier Kilometer vom Wohnhaus entfernt

Vor rund einem Jahr habe man angefangen, das Farmgelände zu bearbeiten. Das befindet sich etwa vier Kilometer von ihrem Wohnhaus entfernt. „Wir haben ein recht flaches Land gefunden“, so Molkenthin. Dort habe es aber keinen Strom und kein Wasser vorher gegeben.

Das Gewächshaus wurde bereits errichtet. Foto: privat
Das Gewächshaus wurde bereits errichtet. Foto: privat

Das erste Gewächshaus ist 50 mal 50 Meter groß. „Wir mussten die Träger ohne Scherenlifte in fünf Meter Höhe bringen.“ Sie hätten eine Art Kran zusammengeschweißt und ansonsten mit Hochstühlen aus Holz gearbeitet. „Wir haben vermutlich die höchsten Leitern im ganzen Land gebaut, um die Planen über das Gestell zu ziehen“, sagt der Leeraner. Entstanden sei ein modernes Gewächshaus. „Es ist jetzt schon das größte Gewächshaus im ganzen Himalaya“, sagt Molkenthin. Im Endausbau kommen dann nochmal 100 mal 100 Meter dazu.

Erste Ernte zum Ende des Frühjahrs geplant

Toiletten und Hütten wurden ebenfalls errichtet. „Wir sind gerade dabei, das Heizungssystem zusammenzuschweißen.“ Der Heizkessel soll im Januar geliefert werden. Im Frühjahr wolle man dann anfangen zu produzieren. Tomaten, Chili und Gurken würden angebaut. „Im späten Frühjahr sollte die erste Ernte möglich sein“, sagt der Leeraner.

Zahlreiche buddhistische Klöster gibt es in Bhutan. Foto: privat
Zahlreiche buddhistische Klöster gibt es in Bhutan. Foto: privat

Die Molkenthins wohnen in einem traditionellen, etwa 100 Quadratmeter großen Haus, „was sehr gut in Schuss ist“, wie Jonas Molkenthin sagt. Wasser beziehen sie von der Community, die es aus den Bächen holt. „Das ist aber etwas anfällig“, sagt er. Daher hätten sie sich einen Wassertank gebaut. „Der versorgt uns noch eine Woche lang mit Wasser.“ Im Sommer gebe es auch manchmal einen Stromausfall. „Das ist dann aber nicht tagelang der Fall, sondern nur ein paar Minuten bis zu acht Stunden.“ Im Winter gebe es hingegen keine Probleme.

Projekt in Bhutan ist auf fünf Jahre angelegt

Geheizt werde im Wohnzimmer mit einem Kaminofen und im Rest des Hauses mit Elektroheizkörpern. „Für die Menschen hier im Dorf ist das richtig gut. Aus deutscher Sicht ist es aber eher ein einfaches Leben“, schildert der Leeraner die Wohnsituation. Jonas Molkenthin betont: „Wir sind nicht aus Deutschland weggegangen, weil es uns nicht mehr gefällt, sondern um den Leuten hier etwas von unseren Möglichkeiten abzugeben.“ Das ganze Projekt ist auf fünf Jahre ausgelegt. „Ziel ist es, das Gewächshaus im Anschluss in einheimische Hände zu übergeben“, hatte der Leeraner vor seiner Abreise gesagt. „Wir sehen das Projekt als Entwicklungshilfe an. Es soll ein Modellgewächshaus sein und es sollen einheimische Gärtner ausgebildet werden.“

Etwa einmal im Monat fährt die Leeraner Familie auch in die Hauptstadt von Bhutan. Dort gibt es größere Geschäfte, die sie unter anderem für die Materialien zum Bau des Gewächshauses brauchen. Außerdem leben dort die meisten Ausländer. „Da treffen wir uns dann und tauschen uns aus“, sagt Jonas Molkenthin. Im nächsten Sommer steht erstmals wieder eine große Reise an. „Dann geht es für sechs bis acht Wochen nach Deutschland.“ Statt via stabiler Internetverbindung können sie Freunde und Familie dann wieder persönlich sehen.

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