Ostfriese im Viertelfinale  So erlebte Rosenboom den Pokalsieg beim HSV

| | 05.12.2025 11:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Lasse Rosenboom (rechts) feierte mit seinen Mitspielern (im Arm Niklas Niehoff) nach dem Sieg im Elfmeterschießen beim Hamburger SV ausgelassen vor der Fankurve. Foto: Imago
Lasse Rosenboom (rechts) feierte mit seinen Mitspielern (im Arm Niklas Niehoff) nach dem Sieg im Elfmeterschießen beim Hamburger SV ausgelassen vor der Fankurve. Foto: Imago
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Einen besonderen Abend erlebte der 23-Jährige mit Holstein Kiel beim Hamburger SV. Wir sprachen mit ihm über den Sieg beim HSV, den Zweitliga-Alltag und seinen Besuch beim Bosslerball in Middels.

Kiel - Wenn Trainer-Legende Friedhelm Funkel an diesem Sonntagabend, 7. Dezember, live in der ARD die Lose für das DFB-Pokal-Viertelfinale zieht, schaut ein Ostfriese ganz genau hin. Lasse Rosenboom ist mit dem Zweitligisten Holstein Kiel noch im Lostopf. „Das ist etwas ganz Besonderes für den Verein und auch für mich“, sagt der aus Willmsfeld (Landkreis Wittmund) stammende Fußballprofi.

Lasse Rosenboom und Niklas Niehoff ließen Matchwinner Phil Harres nach dem Spiel hochleben. Foto: Imago
Lasse Rosenboom und Niklas Niehoff ließen Matchwinner Phil Harres nach dem Spiel hochleben. Foto: Imago

Mittwochabend gelang den Kielern der Achtelfinal-Coup beim Hamburger SV. Nach dramatischen 120 Minuten mit dem Gegentor in der 107. Minute und dem Ausgleich in der 118. Minute setzte sich der Bundesliga-Absteiger beim Bundesliga-Rückkehrer nach einem Auf und Ab im Elfmeterschießen durch. „Ganz ehrlich: Da konnte ich kaum hinschauen, so spannend war es“, erzählt der 23-Jährige.

Bruder hatte Geburtstag

Als der Kieler Ausgleichstorschütze Phil Harres den entscheidenden Elfmeter zum Kieler Sieg verwandelt hatte, spurtete auch der in der 106. Minute ausgewechselte Ostfriese in völliger Ekstase zum mit 6.000 Kielern gefüllten Gäste-Block und ließ seinen Emotionen freien Lauf. „Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Generell war es im Volksparkstadion den ganzen Abend eine Stimmung, wie ich sie zuvor vielleicht noch nicht erlebt habe.“

Bruder Finn Rosenboom spielt beim TuS Esens in der Landesliga und wurde am Donnerstag 25 Jahre alt. Foto: Jens Doden/ Emden
Bruder Finn Rosenboom spielt beim TuS Esens in der Landesliga und wurde am Donnerstag 25 Jahre alt. Foto: Jens Doden/ Emden

Auch einige Freunde saßen auf der Tribüne und fieberten mit. Die Eltern und sein Bruder fehlten aber aus gegebenem Anlass. Finn Rosenboom wurde in der Nacht von Mittwoch (3. Dezember) auf Donnerstag (4. Dezember) 25 Jahre alt. Freunde, Familie und Mitspieler vom Landesligisten TuS Esens brachten wie in Ostfriesland üblich Bögen, Herzen und Gratulationen vorbei, fieberten aus der Heimat mit. „Ich hatte Finn später in der Nacht noch versucht anzurufen. Aber da schlief er dann schon“, sagt Lasse Rosenboom mit einem Lächeln.

Nun gegen Bayern?

Beim zweiten Geburtstagsanruf am helllichten Tag war dann der DFB-Pokal-Coup natürlich auch noch Thema. Rosenboom steht erstmals im Viertelfinale, Holstein Kiel das auch erst vierte Mal überhaupt. Allgegenwärtig ist die traumhafte Pokalreise 2020, als der damalige Zweitligist Bayern München ausschaltete und erst im Halbfinale von Borussia Dortmund gestoppt wurde. Nun liegen die Bundesligisten Bayern München, Bayer Leverkusen, VfB Stuttgart (Titelverteidiger), SC Freiburg, RB Leipzig, FC St. Pauli und Zweitliga-Rivale Hertha BSC Berlin im Lostopf. „Ich habe da kein Wunschlos und bin gespannt, auf wen wir treffen. Ein Heimspiel wäre cool. Aber auswärts vor diesen tollen Kulissen macht es auch immer Spaß“, sagt Lasse Rosenboom. Sportlich hat der Zweitligist viel Pokal-Selbstvertrauen – bereits in der 2. Runde gelang ein 1:0-Sieg beim Erstligisten VfL Wolfsburg.

Zu Fall gebracht haben Lasse Rosenboom und Co. den Hamburger S V im DFB-Pokal-Achtelfinale. Foto: Imago
Zu Fall gebracht haben Lasse Rosenboom und Co. den Hamburger S V im DFB-Pokal-Achtelfinale. Foto: Imago

Der Alltag in der 2. Bundesliga ist für die Störche dagegen grauer. In 14 Spielen sammelte Holstein nur 15 Punkte und steht knapp vor den Abstiegsplätzen. Dabei behalten sie an der Förde die Ruhe, wie Lasse Rosenboom bestätigt. „Auch Bochum tat sich als Bundesliga-Absteiger erst schwer. Wir haben auch manchen Leistungsträger verloren, mussten erstmal zueinander finden“, sagt der Mann, der in verschiedenen Spielsystemen die rechte Seite beackert.

Besuch beim Bosslerball

„Nun stehen drei extrem wichtige Spiele an, in denen wir unsere Lage verbessern können.“ Dem Spiel am Sonntag beim 16. Eintracht Braunschweig folgt die Partie beim Letzten 1. FC Magdeburg und zum Abschluss am 20. Dezember das Heimspiel gegen den 15. Dynamo Dresden. Lasse Rosenboom will da dann auch wieder in der Startelf stehen, in die er sich in den vergangenen Wochen zurückgekämpft hat.

Nächstes Mal in der Heimat bei Familie und Freunden ist der frühere Jugendspieler von TuS Holtriem, JFV Nordwest, JFV Norden und Werder Bremen über Weihnachten. Sein letzter Besuch liegt allerdings auch gar nicht lange zurück. Die Länderspielpause Mitte November nutzte er für ein bisschen Zeit in Ostfriesland. Dabei zeigte er seine Heimatverbundenheit auch auf besondere Weise. Mit Bruder Finn und ein paar Kumpels besuchte er den großen Bosslerball in Middels und trug dabei beim Fest der Friesensportgemeinde auch einen Trainingsanzug des Heimatvereins KBV „Good Holt“ Willmsfeld. „Ein Nachbar meiner Eltern hat mir ausgeholfen. Das war ein richtig cooler Retro-Anzug aus den 90er Jahren.“

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