Elf der Woche Kickers-Spieler teilte mit Florian Wirtz das Zimmer
Sommer-Zugang Bent Andresen hat sich bei Kickers Emden in die Startelf gekämpft. Im Jugend-Nationalteam traf er einst auf Florian Wirtz und Jamal Musiala. Beim HSV schnupperte er danach Profi-Luft.
Emden - Mehr als 9000 Zuschauer sahen am Samstag das Regionalliga-Spiel zwischen dem SV Meppen und Kickers Emden (2:2). Auch Emdens Bent Andresen genoss die beachtliche Viertliga-Atmosphäre. „Mich motiviert so etwas immer noch mehr“, sagt der Linksverteidiger, der es wie sein Emder Teamkollege Tido Steffens in die „Elf der Woche“ unserer Zeitung schaffte. Der 22-Jährige hat in seinem Fußballerleben schon ganz andere Kulissen erlebt. Beim Hamburger SV – und in der Jugend-Nationalmannschaft.
Von 2018 bis 2024 spielte er für verschiedene Mannschaften beim HSV. Nach der Jugendzeit schnupperte er auch Profiluft. Fast drei Jahre lang trainierte er fest beim Zweitliga-Team mit, stand etliche Male im Spieltagskader und wurde einmal auch in der 2. Liga eingewechselt: am 6. November 2022 beim 3:1-Heimsieg gegen Jahn Regensburg. „So etwas vergisst man natürlich nicht“, sagt der Blondschopf, der in diesen Jahren meist Spielpraxis in der U23-Mannschaft sammelte. Der damalige Zweitliga-Trainer war Tim Walter, sein Assistent der heutige Cheftrainer Merlin Polzin.
Wirtz und Musiala
Nachdem es beim HSV nicht weiterging, wechselte er 2024 zum VfB Lübeck und von dort ein Jahr später weiter nach Emden. „Ich bin hier gut angekommen“, sagt Bent Andresen, dessen Mitspieler Norman Quindt und Jarno Janssen seine Nachbarn sind. Sein Zimmerpartner war einst sogar ein Großer des Weltfußballs: Florian Wirtz. Mit dem deutschen Nationalspieler und 150-Millionen-Euro-Mann vom FC Liverpool spielte er einst in der Jugendnationalmannschaft. „Wir haben uns bei einem Lehrgang einige Tage auch mal das Zimmer geteilt“, sagt Andresen. Zusammen bestritt man ein paar Länderspiele. Wirtz sei ein ganz unaufgeregter Typ gewesen – so wie er heute auch noch wirkt.
Ein großes Turnier mit einer Jugendnationalmannschaft blieb Andresen in den Jahren verwehrt. „Einmal fiel die EM leider wegen Corona aus.“Auf zehn Länderspiele kam er in verschiedenen Mannschaften. Dabei begegnete er einem weiteren Superstar: Jamal Musiala. Es waren die Jahre, als der derzeit noch verletzte Star des FC Bayern München noch keine Entscheidung getroffen hatte, ob er für Deutschland oder England (Heimatland seines Vaters) spielen werde. „Er war dann einmal bei einem DFB-Lehrgang bei mehreren Trainings. Und zwei Monate später trafen wir dann im Länderspiel aufeinander, als er für England auflief. Da war er unglaublich.“
Frust auf der Bank
Seinen Traum vom Profifußball hat Bent Andresen auch noch nicht begraben. „Klar ist das weiter mein Ziel“, so der gut ausgebildete Außenverteidiger. Mit Kickers Emden wird das diese Saison nicht mehr gelingen. Die Ostfriesen fanden schwer in die Saison, müssen sogar nach unten gucken. Doch Leistungs- und Stimmungskurve zeigen nach oben. „Diesen Flow müssen wir jetzt einfach mitnehmen und weitermachen“, sagt Andresen. Der Hamburger hat auch Anteil am Aufschwung. Seit dem Auswärtsspiel beim VfB Lübeck steht er wieder in der Startelf. Auf das 2:2 an der Lohmühle folgte ein 5:1 gegen Altona und der Fast-Sieg in Meppen, mit dem Gegentreffer zum 2:2 in der 96. Minute.
Bent Andresen stand in allen drei Spielen in der Startelf, zeigte gute Leistungen und bereitete zwei der fünf Treffer in diesem Zeitraum von Tido Steffens vor. Einen in Lübeck, einen Samstag in Meppen. Er hat sich in die Startelf gekämpft, in der er zuvor nur im August gegen Bremen (3:0) und Phönix Lübeck (1:3) gestanden hatte. Danach war er sogar sechs Wochen am Stück ohne eine einzige Einsatzminute. „Man hat natürlich den Anspruch zu spielen und ist auch von seinen Qualitäten überzeugt. Klar, dass es da auch Tage gab, an denen ich mit Puls eingeschlafen bin“, berichtet Andresen über seinen persönlichen Frust. „Das gehört aber eben auch dazu.“
Freundin im Home Office
Nun ist die Stimmungslage aber auch bei ihm persönlich eine andere. In Emden habe er sich gut eingelebt. Er ist das erste Mal aus Hamburg weg. „Als ich in Lübeck gespielt habe, bin ich immer gependelt. Am meisten vermisst man zwischendurch natürlich seine Familie und Freunde – oder auch mal spontan bei Mama essen zu gehen“, sagt Bent Andresen und lacht.
Dafür hat er regelmäßig Besuch von seiner Freundin aus Hamburg, die teilweise aus dem Home Office arbeiten kann und dies dann aus Emden macht. Und dann fühlt es sich „kulinarisch“ auch manchmal wie bei „Muttern“ an. „Ich kann auch kochen, habe ein paar Gerichte drauf. Aber meine Freundin kann das wirklich vorzüglich, da komme ich nicht ran.“