Norder startet  Ostfriese probierte vor WM in Tokio teuerstes Steak der Welt

| | 18.09.2025 12:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf den großen Wurf hofft Henrik Janssen am Samstag und am Sonntag in Tokio. Foto: Imago
Auf den großen Wurf hofft Henrik Janssen am Samstag und am Sonntag in Tokio. Foto: Imago
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Henrik Janssen tritt bei der Leichtathletik-WM am Samstag in der Qualifikation an. Der Endkampf ist am Sonntag. Der Muskelmann testete in den Tagen vor dem Wettkampf auch das berühmte Wagyu-Steak.

Tokio/Norden - Ein Diskuswerfer wie der Norder Weltklasse-Athlet Henrik Janssen muss sich bei der Ernährung wahrlich nicht zurückhalten, sondern seine Muskeln „pflegen“. Er probierte in der Vorbereitungsphase zu seinem WM-Start am Wochenende sogar vom besten und wohl auch teuersten Fleisch der Welt. So werden gemeinhin die Wagyu-Steaks vom japanischen Kobe-Rinds bezeichnet. Das Kilogramm kostet zwischen 400 und 600 Euro, wenn es vom originalen Rind aus der Region Kobe stammt. Bei weitem nicht so viel hat der Ostfriese bei seinen Geschmackstests in den Restaurants von Miyazaki – anderthalb Flugstunden von Tokio entfernt – hinblättern müssen, aber er fand Gefallen an der Protein-Zufuhr in Form eines Wagyu-Leckerbissens. „Ich bin schon sehr begeistert.“

Natürlich hofft der 27-jährige Hüne von der Nordsee, dass er in ähnlicher Weise nach der Qualifikation in Tokio am Samstag und dem möglichen Endkampf am Sonntag um 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit von seiner Leistung schwärmen darf. Sein Gefühl beim Trainingscamp des Deutschen Leichtathletikverbandes in Miyazaki war jedenfalls nicht übel. „Es deutet sich an, dass es in Tokio gut laufen könnte.“ In die Hauptstadt Japans flogen die Diskus-Männer erst am Mittwoch als letzte Gruppe der gesamten deutschen Delegation, weil ihr Wettbewerb für das Ende der Weltmeisterschaft angesetzt ist. „Im Camp war es zum Schluss ziemlich leer. Nur die Zehnkämpfer und wir waren noch dort“, erzählt der Ostfriese, der in Potsdam lebt. Vom 8. September an hatten sich in Miyazaki die Deutschen auf ihre Wettkämpfe vorbereitet. Die frühe Anreise war sehr bewusst gewählt. „Es dauert eine Weile, bis sich der Körper an die Schwüle gewöhnt hat“, erzählt Janssen. „Die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch. Wenn man aus dem Hotel geht, läuft man in eine Wand.“

Anreise dauerte 24 Stunden

Nach gut einer Woche erschöpft ihn die Schwüle bei 32 oder 33 Grad aber bei weitem nicht mehr so wie bei der Ankunft. „Wir haben uns schon ganz gut akklimatisiert.“ Das Trainingspensum wurde ohnehin so kurz vor dem wichtigsten Wettkampf des Jahres gedrosselt. In den ersten Tagen erholten sich die Athleten von der 24-Stunden-Anreise. Für Janssen ging es von Berlin nach Frankfurt und von dort über Tokio nach Miyazaki. „Das hat ganz schön geschlaucht.“ Sein Körper reagierte auf die Anreise-Tortur und den Klimawechsel mit einer leichten Erkältung. „Das habe ich überwunden, ich bin wieder ganz fit.“

Der 2,04 Meter große Modellathlet fiebert nun seinem Start entgegen. 38 Athleten werden sich am Samstag in der Qualifikation um die zwölf Plätze für das Finale streiten. In Normalform sollte der Sprung zum Endkampf für den Ostfriesen kein Problem sein. Doch das dachten auch alle vor einem Jahr bei Olympia in Paris. Dann fabrizierte Henrik Janssen bei der „Quali“ drei Fehlwürfe und schied aus. Das Trauma hat er längst überwunden. „So etwas soll mir nie wieder passieren.“

Start in der Nacht zu Samstag

Die Qualifikation wird in zwei Gruppen ausgetragen – und zwar nach deutscher Zeit mitten in der Nacht um 2 Uhr (Gruppe A) oder 3.35 Uhr (Gruppe B). Henrik Janssen möchte sich aber unbedingt dem breiten deutschen Fernseh-Publikum am Sonntag ab 13 Uhr im Finale präsentieren. Der Mann von der Küste hat keinerlei Probleme mit dem neuen Endkampfmodus, der erst kurz vor der WM beschlossen wurde. Von den zwölf Finalstartern scheiden nach drei Durchgängen nur zwei statt vier Athleten aus – dafür aber nach dem vierten und fünften Versuch noch einmal zwei, so dass im letzten Durchgang nur noch die sechs besten Werfer antreten. Das passt zum Ziel des Norders. „Ich will im Finale eine gute Leistung bringen und die Top 8 erreichen – möglichst sogar die Top 6.“

Henrik Janssen wirft in dieser Saison so weit wie noch nie. Er rückte den WM-Favoriten zuletzt immer näher und lag zuletzt bei direkten Duellen kaum mehr als ein oder zwei Metern hinter den Titelfavoriten wie Mykolas Alekna (Litauen) oder Kristjan Ceh (Slowenien). Wenn bei Janssen nach dem Steak des Lebens auch der Wurf des Lebens folgt, dann wäre vielleicht auch ein Bronzerang nicht völlig außer Reichweite.

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