Projekt „Klick und Klön“ So werden Borkums Senioren fit am Handy
Kirstin Shala-Lübben hat ein Projekt initiiert, das älteren und eingeschränkten Menschen Teilhabe an der Digitalisierung ermöglichen soll. Die Themen, die dabei auf der Agenda stehen, sind vielfältig.
Borkum - WhatsApp-Nachrichten verschicken, Selfies machen, Videocall, Online-Banking: Was für viele Menschen heute alltäglich und selbstverständlich ist, sorgt bei der älteren Generation zuweilen für Unsicherheit und Überforderung. Um in entspannter Atmosphäre Hemmschwellen gegenüber der fortschreitenden Digitalisierung abzubauen, hat Kirstin Shala-Lübben auf Borkum das Projekt „Klick und Klön“ initiiert.
Wie ist die Idee entstanden?
Aus dem vom GKV-Spitzenverband (zentrale Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland) geförderten Projekt „Digitale Betreuungsassistenz 2.0“. Hierbei wird an verschiedenen Standorten – einer davon ist Borkum – 15 Monate lang erprobt, „wie ein digitales Betreuungs- und Selbsthilfeprogramm in der Einzel- und Gruppenbetreuung praktisch umgesetzt werden kann“, wie es in einer Presse-Information heißt. Dabei sei ihr aufgefallen, dass vielen älteren Menschen das Basiswissen fehle, erklärt Kirstin Shala-Lübben, Leiterin des Sozialdienstes im Seniorenhuus In’t Skuul. Sie wolle daher – ohne detailliert in die Technik einzusteigen – vermitteln, wie sich Smartphone, Tablet oder Laptop bedienen lassen und welche alltagspraktischen Dinge mit diesen Geräten erledigt werden können.
Warum ist diese Unterstützung sinnvoll?
„Weil immer mehr Alltagsaufgaben digital laufen“, sagt Kirstin Shala-Lübben. Dabei seien viele Ältere schnell überfordert. Fielen dann noch Begriffe wie „Screenshot“ oder „QR-Code“, „schaltet man ab oder ist der Überzeugung, ,ich bin 70 Jahre lang ohne klargekommen, was brauche ich das jetzt noch?‘“
Gleichwohl, so Shala-Lübben, merke man, dass im Seniorenhuus immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner ein Smartphone haben, mit einem Tablet oder Laptop einziehen, Computer und Drucker mitbringen. Zuweilen sitze man dann im Zimmer und müsse das Handy entsperren, weil die Pinnummer falsch eingegeben wurde – oder telefoniere den Kindern auf dem Festland hinterher, um die fürs Entsperren nötige PUK zu erfahren. Rentner Paul Goslar jedenfalls, der bei der Projekt-Vorstellung im Seniorenhuus dabei war, sieht bei sich großen Nachholbedarf: „Ich stehe auf der Fußmatte der ersten Stufe.“
Wer soll mit „Klick und Klön“ angesprochen werden?
Seniorinnen und Senioren (explizit auch Ältere von außen wie Paul Goslar, also nicht nur Bewohner des Seniorenhuus), aber auch Menschen mit Seh-, Hör- oder Mobilitätseinschränkungen. Dabei, erklärt Kirstin Shala-Lübben, gebe es bei den Bedürfnissen durchaus Unterschiede. Während etwa die Möglichkeit bestehe, ein Handy direkt auf Hörgeräte zu schalten, brauche nicht jeder mit einer Sehbeeinträchtigung eine große Schrift. Und bei Menschen, die nach einem Schlaganfall nur noch eine Hand bewegen können, müsse dies bei der Bedienung der Geräte berücksichtigt werden. Ein anderes Beispiel: „Displays von Tablets und Smartphones brauchen eine gewisse Feuchtigkeit der Haut, wenn wir etwas mit dem Finger bewegen wollen. Altershaut wird trocken, das führt manchmal zur Verzweiflung, wenn das, was man macht, nicht sofort funktioniert.“
Wie soll das Wissen vermittelt werden?
In kleinen Schritten, betont Kirstin Shala-Lübben. Je Stunde werde es eine Lehreinheit zu einem Thema geben (später auch als Handout), wobei Interessierte jederzeit einsteigen können. „Wir werden schauen, wer wo welchen Bedarf hat, wo die Schwierigkeiten liegen.“ Im Fokus stehe das gemeinschaftliche Lernen. Das Ganze soll in geselliger Atmosphäre ohne Leistungsdruck stattfinden, verbunden mit Zeit für Miteinander und Austausch – daher das „Klön“ in „Klick und Klön“.
Welche Themen könnte es geben?
Viele. Vom Schreiben von Nachrichten in Messengerdiensten; dem Machen, Speichern und Abschicken von Fotos (oder dem Erhalt von Bildern von der Familie und Freunden auf dem Festland); über Hilfe beim Fahrpläne heraussuchen, Bahntickets buchen; bis zu Online-Shopping und nützlichen Apps, etwa für Kochrezepte oder als kreative Inspiration, wenn man den Enkeln einen Pullover stricken will. „Mit Videotelefonie kann man an vielen Entwicklungsschritten der Enkelkinder und am Familienleben teilhaben, wenn man selber nicht mehr so mobil ist und zu Festen hinfahren kann“, verdeutlicht Kirstin Shala-Lübben.
Bei anderen Themen, zum Beispiel Online-Banking, seien zudem externe Hilfen denkbar. Aber auch die Sicherheit und Gefahren im Internet sollen zur Sprache kommen, etwa Fragen wie, warum man bei unbekannten Nachrichten vorsichtig sein und warum man keine Passwörter und Daten herausgeben sollte. Oder wie man E-Mails mit Fake-Nachrichten, Abofallen, falschen Gewinnspielen rechtzeitig erkennt.
Wie wird „Klick und Klön“ praktisch umgesetzt?
Für die ersten Wochen gibt es kostenlose Leih-Tablets mit SIM-Karte von Telefónica/o2, neben der „Stiftung Digitale Chancen“ Kooperationspartner des Projektes. Unterstützer sind ferner das Projekt „Digital mobil im Alter“ und der „Digitalpakt Alter“. Zum Start von „Klick und Klön“, das für die Teilnehmenden freiwillig und kostenlos ist und bei dem auch eigene Geräte mitgebracht werden können, wird der Treffpunkt von Kirstin Shala-Lübben und ihrer Tochter Rena Badners betreut. Es werden aber sowohl noch weitere Teilnehmer als auch ehrenamtliche Helfer jeden Alters gesucht, die Lust haben, das Projekt zu unterstützen und Inhalte zu vermitteln.
Wann geht es los?
Der erste „Klick-und-Klön“-Termin ist am Donnerstag, 18. September 2025, um 15.30 Uhr im Seniorenhuus (Dauer etwa eine Stunde). Weiter geht es am 25. September um 15.30 Uhr und am 11. Oktober (10 Uhr). Ab November (Termine 8. und 22. November) wird der Treff dann vierzehntägig samstags, 10 Uhr, fortgesetzt.
Wo kann man sich bei Fragen melden?
Kirstin Shala-Lübben ist erreichbar unter der Mobilfunknummer 0151/56179106 oder per Mail an klickundkloen@outlook.de.