Boom nach EM-Gold? Aurich-Trainer spielte früher gegen zwei Basketball-Helden
Bringt der EM-Titel der Nationalmannschaft einen Mehrwert für den Breitensport? Zwei Experten erklären die Situation in Ostfriesland. Einer wäre fast mal Trainer von Dennis Schröder geworden.
Ostfriesland - Wenn Alexander Meiborg auf die Geburtsdaten vieler deutscher Nationalspieler schaut, wird ihm als Basketballer ganz warm ums Herz. „Da sind eine Menge Jungs bei, die noch einige Jahre spielen können. Wir könnten noch eine Weile viel Spaß an dieser Mannschaft haben“, sagt der Geschäftsführer und „Basketball-Chef“ von Fortuna Logabirum. Am Sonntag holte sich die deutsche Nationalmannschaft im lettischen Riga den EM-Titel. Die Gold-Jungs sind nun amtierender Welt- (2023) und Europameister.
Die traumhafte EM-Reise mit der Krönung gegen die Türkei begeisterte ganz Deutschland. Auch in einem Lehrerzimmer in Aurich waren die Auftritte zuletzt mit jedem Sieg ein immer größeres Thema, verrät Lehrer und Basketball-Liebhaber Finn Höncher. „Da wurde ich als Basketballer oft angesprochen. Auch, als ich nach dem EM-Sieg mit einem DBB-Trikot in die Schule gekommen bin.“
Spiele gegen Schröder
Finn Höncher ist wie Alexander Meiborg ein Tausendsassa in seiner Sportart. Beim MTV Aurich ist der Wahl-Auricher Basketball-Abteilungsleiter, Trainer, Visionär, Mann für alle Fälle. Darüber hinaus bekleidet er, wie sein Kollege aus Logabirum, noch diverse Ämter im Verband. „Ich habe es tatsächlich geschafft, auch jedes Spiel live zu sehen. Auch mal irgendwie nebenbei beim Training. Am entspanntesten war ich vor dem Finale, weil das Team schon viel erreicht hatte.“
In einem dramatischen Finale setzten sich Dennis Schröder und Co. die Krone auf. Dem Kapitän und NBA-Spieler der Sacramento Kings begegnete er in früheren Jahren ebenso wie dem langjährigen NBA-Spieler Daniel Theis (AS Monaco). „Wir standen uns zu meinen Göttinger Zeiten oft gegenüber. Ich war Trainer in Göttingen, sie Jugend-Spieler in Braunschweig“, so Finn Höncher. „Dennis wollte einmal sogar aus Frust zu meinem Team wechseln, weil er Ärger in Braunschweig hatte.“
Kommt ein kleiner Boom?
Als der Pädagoge vor zehn Jahren nach Aurich kam, war nicht viel los im Basketball in Aurich. Vor neun Jahren begann die Wiederbelebung der Abteilung, in der derzeit rund 120 Kinder Basketball spielen. „Wir haben immer einen gewissen Zulauf, obwohl wir es nicht bewerben, weil wir dafür wieder mehr Trainer bräuchten. Mal sehen, ob durch den EM-Titel nun ein kleiner Boom ausgelöst wird.“
Vor zwei Jahren wurde Deutschland bereits Weltmeister. Auch danach ging es mit den Anmeldezahlen weiter nach oben bei Fortuna Logabirum, der laut Alexander Meiborg größten Basketball-Abteilung in Ostfriesland und bis Oldenburg. 13 Jugendteams sind derzeit am Start. „Es ist schwer zu sagen, ob der Zuwachs vor zwei Jahren mit dem WM-Titel oder der Zeit nach Corona zusammenhängt, wo viele den Weg zurück zu den Sportvereinen gefunden haben“, sagt „Mister Basketball“ aus Leer.
Mehr Vereine, mehr Teams
Grundsätzlich gehe es in Ostfriesland in kleinen Schritten immer weiter voran. Hinter den Hochburgen in Logabirum und Aurich gibt es auch in Pewsum, Borssum oder Holtrop Jugendteams. Mehr als ein halbes Dutzend Vereine bieten den schnellen Sport an. Diese Saison sind mit dem TuS Weene (U12) und TuS Esens (U14) auch zwei Vereine neu hinzugekommen, die Jugendteams für den Spielbetrieb gemeldet haben. Vergangene Saison gab es in der U12 sogar eine rein ostfriesische Staffel. Bei den U10-Junioren richtet die Basketballregion Ostfriesland in dieser Saison alle vier Wochen Turniere aus. „Da kamen zuletzt zehn Mannschaften nach Borssum. Das war klasse“, sagt Meiborg über den Wettbewerb der Anfänger.
Für die älteren Talente werden seit einiger Zeit auch die Kräfte gebündelt: „Wenn jeder sein eigenes Süppchen kochen würde, würde man in der Regionsliga spielen“, sagt Finn Höncher. So treten die Talente aus verschiedenen Vereinen in der U14, U16 und U18 als Team Ostfriesland in der Landesliga an. Es ist die höchste Jugendspielklasse auf Verbandsebene.
Beim Kampf um Talente und Festsetzung als Breitensport in Ostfriesland gibt es für Finn Höncher auch einen unsichtbaren Gegner, der nicht sportartspezifisch ist. „Wir müssen die Drop-out-Rate in der B- und A-Jugend verkleinern.“ In dieser Altersklasse würden einige Spieler mit dem Sport aufhören. Vielleicht helfen Erfolge wie der EM-Titel und mögliche weitere gute Jahre der „Gold-Jungs“ ja, dieses Problem etwas zu lösen.