Ferber am Freitag  Wat is en CD-Player?

|
Eine Kolumne von Florian Ferber
| 12.09.2025 09:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Florian Ferber
Florian Ferber
Artikel teilen:

Wer hört heute noch CDs? Wer schaut noch DVDs? Ich! Aber Anhänger der runden, sich drehenden Scheiben scheinen immer weniger zu werden. Sollte ausgerechnet die Schallplatte Hoffnung geben?

„Also, wat is en Dampfmaschin? Da stelle mehr uns janz dumm.“ Kennen Sie dieses berühmte Filmzitat aus dem deutschen Schwarz-Weiß-Klassiker „Die Feuerzangenbowle“ (1944) mit Heinz Rühmann? Darin versucht der kauzige Gymnasialprofessor Bömmel seinen Schülern im Physikunterricht eben jenes dampfende Wunderwerk zu erklären.

Warum ich das erwähne? Nun, ich stelle mir hin und wieder vor, wie in einigen Jahrzehnten ein KI-gesteuerter Lehrer-Roboter staunenden Jungen und Mädchen näherbringen will, was ein CD-, DVD- oder Blu-ray-Player war. Also jene Technik-Relikte einer dann längst vergangenen Ära, in der Steinzeitmenschen wie ich noch Musik und Filme auf runden, sich drehenden Scheiben sammelten.

Alexa übernimmt die Playlist

Als Anhänger dieser Old-School-Speichermedien komme ich mir heute zeitweise schon sehr einsam und allein vor. Und dazu muss ich nicht in die gängigen Elektronik-Fachmärkte gehen, wo man bei jedem Besuch sehen kann, dass die CD/DVD-Abteilung wieder weiter geschrumpft ist – zu-gunsten des neuesten High-Tech-Schnickschnacks auf dem Smartphone-Sektor, der vollautomatisierten Kaffeeautomaten oder Heißluftfritteusen. Nein, ich muss nur bei meiner Schwester vorbeischauen, in deren schicker Stadtwohnung sich keine einzige CD, DVD oder Blu-ray findet. Warum etwas im Regal horten, verstauben und Platz wegnehmen lassen, wenn ich auf die Fernbedienung drücken kann und mir alles auf den großen Flachbild-Fernseher gestreamt wird? Warum im CD-Ständer kramen, wenn mir Alexa meine Playlist zusammenstellt?

Ja, so kann man argumentieren, und ja, auch ich nutze Netflix und Co. Aber alles – gerade, wenn man in Sachen Filme wie ich einen etwas abseitigen Geschmack hat – bekommt man dort nicht zu sehen. Zudem besteht für mich bei einer CD oder einer DVD/Blu-ray der Reiz auch darin, etwas Schönes in der Hand zu halten, durch das Booklet zu blättern, die Texte nachzulesen, sich an einer kreativen Cover-Gestaltung zu erfreuen. Wobei ich in meiner Sammelwut auch nachgelassen und abgerüstet habe. Früher, Mitte der 1990er Jahre, als der VHS-Videorekorder (noch so ein Apparat a. D.) in Mode war, habe ich Filme aufgenommen, als gäbe es kein Morgen. Das Genre war mir fast egal, so groß war die Angst, irgendeinen wichtigen Streifen zu verpassen. Irgendwann war mein Schrank so voller Kassetten, dass kein Platz mehr war für T-Shirts und Pullover. Als es dann vermehrt Bandsalat gab und die DVDs aufkamen, bin ich umgestiegen.

Bemerkenswertes Comeback hingelegt

Damals, als 15- oder 16-Jähriger, fand ich es übrigens sehr merkwürdig, dass mein Vater neben vielen CDs und Büchern immer noch Schallplatten hatte. Jetzt gibt mir das Hoffnung. Hat doch Vinyl trotz aller technischen Innovationen überlebt, ein bemerkenswertes Comeback hingelegt und boomt wieder, wie man lesen kann. Und Dampfmaschinen gibt es doch heute auch noch, oder?

Ähnliche Artikel