Vor dem Ruhestand Borkum sagt „Danke, Pastor Schulze!“
Auf Borkum ist Jörg Schulze, Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, verabschiedet worden. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, dem 65-Jährigen für sein Wirken zu danken.
Borkum - „Wir haben versucht, es kurz zu machen. Klappt ,leider‘ nicht.“ Wahre Worte von Christian Land, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstands der evangelisch-lutherischen Gemeinde Borkum. Dass die Verabschiedung von Pastor Jörg Schulze am vergangenen Sonntag in der voll besetzten Christuskirche länger dauern würde, verriet bereits ein Blick auf das Programm. Zahlreiche Gäste wollten dem 65-Jährigen für seine Arbeit und sein Wirken in den zurückliegenden 14,5 Jahren danken.
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Zuvor übernahm Pastor Wolfgang Ritter, stellvertretender Superintendent im Kirchenkreis Emden-Leer, unterstützt von Christian Land, die offizielle Verabschiedung und Entpflichtung Schulzes, der mit Wirkung zum 1. Oktober 2025 auf eigenen Wunsch in den Ruhestand geht. Ritter gab dabei einen Vorgeschmack auf den Lobesreigen, der anschließend folgen sollte. Schulze habe die Inselgemeinde geprägt und sich prägen lassen. Er sei Seelsorger, Mitgestalter, Impulsgeber, Freund, Gesprächspartner, politischer Theologe. „Authentisch, mit dem Herz am rechten Fleck und diesen sprechenden Händen.“
„Kirchenmusik-Kracher“ auf die Insel geholt
Bürgermeister Jürgen Akkermann lobte Jörg Schulze als Begleiter, Mutmacher, Mahner, der keine Scheu gehabt habe, sich unangenehmen Themen zu stellen. Etwa den dunklen Kapiteln um den antisemitischen Pastor Ludwig Münchmeyer, „jemanden, für den das Wort Hassprediger wahrscheinlich geschaffen wurde“, so Akkermann. Überdies habe Schulze unter anderem bei der Umsetzung der Urnengemeinschaftsgrabanlage auf dem Friedhof in der Süderstraße entscheidend mitgearbeitet. „Ein Projekt, das weit über deine Amtszeit hinaus wirken wird.“
Axel Held, einer der Geschäftsführer der Nordseeheilbad Borkum GmbH und Stadtwerke-Direktor, hob Jörg Schulzes Faible für Musik hervor. „Kirchenmusik ist eine besondere Form der Verkündigung und deinem Ruf sind einige richtige ,Kirchenmusik-Kracher‘ gefolgt“, sagte Held. Als Beispiele nannte er den Kirchenmusiker und Komponisten Traugott Fünfgeld, Organist Detlef Steffenhagen sowie Pastor und Liedermacher Fritz Baltruweit, die auf Borkum ein und aus gingen.
Vielfalt durch stete Wechsel
Besagter Fritz Baltruweit erinnerte daran, wie Jörg Schulze ihn 2013 zum Neujahrskonzert 2013 einlud. „Und da sagte er bei einem Vorgespräch: ,Dann kannst du doch die 14 Tage Urlaubsseelsorge drumherum auch noch machen.‘“ Seitdem sei er insgesamt über 50 Wochen auf Borkum gewesen. Durch den steten Wechsel von Pastorinnen und Pastoren in der Urlauberseelsorge gebe es „kaum eine andere Gemeinde in Deutschland, wo Kirche so vielfältig, so lebendig präsent ist wie hier. Nicht wenige finden ganz neu den Anschluss zur Kirche und zum Glauben“, erklärte Baltruweit. Für ihn und seine Familie sei Borkum eine zweite Heimat geworden, ergänzte Traugott Fünfgeld, der aus der Badischen Landeskirche kommt.
Vertreter des Sommerteams – bestehend aus Zitat „Jesusbegeisterten Menschen, die ein tolles Programm anbieten und nebenbei etwas Urlaub machen“ – machten auf die vielen Kinder-und Familienangebote wie Rallyes, Bastel-Nachmittage, Gute-Nacht-Geschichten aufmerksam, die in Jörg Schulzes Amtszeit umgesetzt wurden. Pastorin Antje Wachtmann, die ab Oktober seine Nachfolge antritt, sprach diesmal noch als Vertreterin von Kirche im Tourismus – und lobte ihren Vorgänger als guten Netzwerker bei Jahrestagungen, als Verbinder zwischen Gemeinden und Gästen und dankte ihm für die kollegiale Zusammenarbeit.
Dank an Ehefrau – Schulze kämpft mit Tränen
Als Vertreter der Ökumene ließen es sich Pastorin Margrit Tuente und ihr Mann, Pastor i. E. Carsten Wittwer, die Borkums evangelisch-reformierte Kirche nach vielen Jahren vor einigen Monaten Richtung Leer verlassen haben, nicht nehmen, ein paar Worte zu sagen. Ebenso Bildungsreferent Andreas Langkau als Vertreter der katholischen Kirchengemeinde Maria Meeresstern, der eine Woche zuvor verabschiedet wurde – und jetzt seinen 58. Geburtstag feierte. Zugleich verdeutlichten Vertreterinnen und Vertreter aus den drei Gemeinden die Vielfalt der Insel-Ökumene an verschiedenen Beispielen – vom Auftritt des reformierten Posaunenchors am katholischen Feiertag Fronleichnam, über die gemeinsame Sternsingeraktion bis zum Erntedankgottesdienst in Corona-Zeiten.
Die Abschlussgedanken gehörten einem sichtlich bewegten Jörg Schulze. Er könnte angesichts der vielen Dankesworte „ein bisschen versucht sein“ zu sagen, „ich bleib doch noch ein Jahr“, scherzte der 65-Jährige in Richtung seiner Nachfolgerin. Doch der Möbelwagen sei bestellt. Er fühle sich reich beschenkt von den vielen Begegnungen auf Borkum, seiner Meinung nach die „schönste Pfarrstelle der Landeskirche“. Beim Dank an seine Ehefrau Gaby kämpfte Jörg Schulze mit den Tränen. „Du hast mich geerdet, gebremst, warst ein kritisches Korrektiv für mich.“ Sie habe vieles mitgetragen, ausgehalten. Gleiches gelte für seine drei Kinder, die im Pfarrhaus aufgewachsen seien. Die mussten in manch schönem Moment auf ihren Vater verzichten – etwa wenn der Notfallpieper ging, als man sich zum Grillabend zusammengesetzt hatte.