Insel von oben Minister genießt besondere Borkum-Aussicht
Niedersachsens Wissenschafts- und Kulturminister Falko Mohrs (SPD) bekam kürzlich eine Führung durch den Alten Leuchtturm. Dabei wurden Einblicke gewährt, wie es mit der Sanierung vorangeht.
Borkum - Das Privileg eines Ministers ist, dass er mitunter an Orte darf, die für „normale“ Menschen nicht zugänglich sind. Wie Borkums Alter Leuchtturm zum Beispiel. Der 1576 errichtete „Olde Toorn“ am Walfängerfriedhof darf schon seit Jahren wegen Sicherheitsbedenken und mangelhaftem Brandschutz nicht mehr bestiegen werden und ist für den Publikumsverkehr gesperrt. Niedersachsens Wissenschafts- und Kulturminister Falko Mohrs (SPD) indes bekam bei seinem Insel-Besuch kürzlich eine kleine Führung durch Borkums ältestes Gebäude – inklusive Panoramasicht aus 33 Metern Höhe.
Der denkmalgeschützte Alte Leuchtturm soll bekanntlich – ermöglicht vor allem durch zahlreiche Fördermittel – für insgesamt etwa 1,1 Millionen Euro saniert werden; Bauherr ist der Heimatverein Borkum. Dessen Vorsitzender Markus Stanggassinger führte Mohrs und eine kleine Entourage die engen Treppen mit (noch) 172 Stufen bis zur Aussichtsplattform nach oben. Im Turminneren sind viele fleißige, ehrenamtliche Helfer schon seit geraumer Zeit dabei, die notwendigen Vorarbeiten zu leisten, nicht mehr benötigtes Material und Gerümpel zu entsorgen. Dabei musste das Team unter anderem mit einer Fliegenplage und entsprechender Geräuschkulisse klarkommen. „Das klang, als hätte da jemand zehn Rasierapparate reingeworfen“, schilderte Gottfried Sauer vom Heimatverein, der sich als Türmer bestens mit dem Bauwerk auskennt – und auch sonst mit Spezialwissen aufwarten kann: „Die Flagge oben auf dem Turm hält je nach Windstärke zwischen zwei bis drei Wochen und drei Monaten.“
Bauwerk wird komplett eingerüstet
Im September wird das Insel-Wahrzeichen komplett eingerüstet und bekommt an der Nordseite – wo keine Uhr ist – einen am Mauerwerk befestigten Rettungsbalkon. „Die Drehleiter der Feuerwehr braucht drei Minuten um hochzufahren, zwei Personen aufzunehmen und wieder runterzubringen“, wusste Sauer zu berichten. Das Thema Sicherheit spielte bei den jahrelangen Planungen des Vereins stets eine zentrale Rolle. „In 30 Metern Höhe gilt die niedersächsische Hochhausverordnung, da braucht es bei Aufenthaltsräumen zwei Rettungswege – und die sind nicht da“, erklärte Markus Stanggassinger. Die Treppe gelte nicht als Rettungsweg, weil sie nicht entsprechend ausgebaut sei. Heißt: Nach der Sanierung können zwar wieder Gruppen mit bis zu 20 Personen (Auflage vom Landkreis Leer) die Aussichtsplattform besuchen, Teestunden und Trauungen mit längeren Aufenthalten wie zu früheren Zeiten bleiben aber auch künftig verboten. Und der Verein Borkumer Jungens muss seine Vorstandssitzungen weiterhin woanders abhalten.
Bevor es auf den Turm, den der Heimatverein 1982 von der Stadt übernommen hat, ging, bekam Falko Mohrs eine Führung durchs Heimatmuseum. Dort bestaunte der SPD-Politiker unter anderem die kuschelige „Upkamer mit Butze“, die einer Schiffskoje ähnelt und enge Zweisamkeit garantierte. „Da kann man sich vorstellen, wie klein die Menschen früher waren und warum die Familien so groß waren. Die Winter waren lang“, scherzte Markus Stanggassinger, der seinem Gast neben ausgewählten Exponaten wie den „Puffhunden“, dem imposanten Pottwalskelett und der Vogelhalle auch die meterlange Akkermann-Stammtafel zeigte. Davor komme wohl nur noch „Adam und Eva“. Der Vereinsvorsitzende nutzte überdies die Gelegenheit – Stichwort Fördermittel –, seinen prominenten Gast aus Hannover auf fehlenden Lagerplatz hinzuweisen und den Wunsch, das Museum auf Wärmepumpe und PV-Anlage umzurüsten.
Erster Inselbesuch seit 23 Jahren
Für Falko Mohrs, der später noch das Feuerschiff „Borkumriff“ besuchte, war es der erste Inselbesuch nach langer Zeit. „Vor 23 Jahren war mein bester Freund auf Klassenfahrt hier. Wir hatten jemanden im Freundeskreis mit Führerschein, also haben wir uns ein Auto geschnappt und sind hergefahren. Da war es aber ,schweinekalt‘ und nicht so schön wie heute“, verriet der 41-Jährige. Er freue sich darüber, dass der Alte Leuchtturm wieder zugänglich gemacht werden soll – Rückkehr zur Wiedereröffnung nicht ausgeschlossen.