Ferber am Freitag Die zweideutige Gartenhütte
Im Partymusik-Sektor geht es selten tiefsinnig und subtil zu. Das zeigt auch ein Blick auf die Texte der aktuellen Hits der Szene. Da waren wieder wahre Poeten am Werk.
Freunde des gepflegten Schlagers müssen dieser Tage stark sein. Zwei Schwergewichte der Szene, Die Wildecker Herzbuben, gehen laut „Bild“-Zeitung getrennte Wege. Einer der Pfundskerle, Wilfried Gliem, konnte zuletzt offenbar nur noch im Rollstuhl oder mit Rollator auftreten. Ich werde nie vergessen, wie ich 1990 als Neunjähriger auf einer Kinderfreizeit war und wir im Ausflugsbus nach Herne lauthals „Herzilein“ mitgrölten.
Apropos mitgrölen. Als grundsätzlich offener Musikfan, der bei den Beach Days Borkum jüngst feststellen konnte, dass erwachsene Menschen, die in Dino-Kostümen Heavy-Metal-Mucke für Kinder machen, kein PR-Gag sind, wage ich hin und wieder auch einen Blick auf das, was sich künstlerisch im Party-Sektor tut – selbst wenn‘s weh tut. Denn klar: Dort ist Liedgut nicht gleichbedeutend mit Lied gut, das Spiel mit sprachlichen Mitteln und Bildern selten subtil. Stimmung schlägt Tiefgang.
„Ikke, ich bin dein Kater“
Bestes Beispiel (mal wieder): Mickie Krause. Das toupierte Ballermann-Urgestein beglückt uns diese Saison mit seiner „Gartenhütte“. Wer dabei an eine Hymne ans Heimwerken denkt, irrt. Stattdessen geht‘s doppeldeutig zur Sache: „Ich lege deine Alte flach und nagel deine neue Gartenhütte/(...)/Ich habe sie gehämmert, gebohrt und neu saniert/Bin unbemerkt durch die Hintertür marschiert/Die Alte funktioniert, doch die Neue ausprobiert/ Und dann auch gleich von Innen dekoriert.“
Party-Ikone Lorenz Büffel („Der Zug hat keine Bremse“, „Johnny Däpp“) sagt in einem seiner aktuellen Hits „Sorry“ – getextet wohl deutlich oberhalb der Promille-Grenze: „Sorry, wenn ich heute wieder voll bin/Sorry, dass ich Adiletten toll find/Sorry, wenn ich in dein’n Augen Proll bin/Sorry, sorry/Das macht alles nur der Alkohol.“ Dass auch er das Anzügliche beherrscht, zeigt er im Song „Pferdeschwanz“: „Mann mit Pferdeschwanz gesucht/Frisur egal/Mann mit Pferdeschwanz gesucht/Ich glaub, ich meld mich da mal.“ Fast schon kreativ kommt da Ikke Hüftgold mit seiner „Star-Wars“-Parodie „Imperator“ daher: „Ikke, ich bin dein Kater“.
Inspiration im Möbelhaus
Dass selbst der Besuch von Möbelhäusern musikalische Folgen haben kann, zeigt das Beispiel Oimara. Der Liedermacher landete mit „Wackelkontakt“ einen großen Erfolg, der auch bei den Beach Days aus den Boxen dröhnte. In dem Lied, das sicher nicht nur Elektriker unter Vollstrom mitsingen, zieht Oimara erstaunliche Parallelen: „Wär ich ein Möbelstück, dann wär ich eine Lampe aus den 70ern/I glüh gern vor, i geh gern aus, mir haut’s die Sicherungen naus/Wär ich ein Möbelstück, dann wär ich eine Lampe aus den 70ern/I saug die Kernkraftwerke leer, i lauf auf 8.000 Ampere.“ Scheint ziemlich geladen zu sein, der Gute. Wohl bekomm‘s!