Wegen Abriss Letzte Postbank-Filiale in Ostfriesland wird geschlossen
In Leer gibt es noch eine Postbank-Filiale am Bahnhofsring. Das Gebäude soll allerdings abgerissen werden. Jetzt steht fest: Die Postbank verlässt deswegen Leer. Papenburg wird hingegen profitieren.
Leer - Im großen Postgebäude am Bahnhofsring in Leer befindet sich die letzte verbliebene Filiale der Postbank in Ostfriesland. Noch, muss man schreiben. Da das Gebäude aus den 1970er Jahren abgerissen werden soll, um Platz für ein neues Quartier zu schaffen, hat die Postbank ihre Pläne für die Stadt Leer geändert. Das teilt ein Sprecher des Kreditinstituts auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Als diese Zeitung kürzlich über den Abriss des Gebäudes berichtete, meldeten sich besorgte Postbank-Kunden in der Redaktion, um etwas über die Zukunft der Filiale zu erfahren.
Eigentlich hieß es, dass die Leeraner Filiale erhalten bleiben soll. Stattdessen sollte die Filiale in Papenburg aufgegeben werden. Nun heißt es zum Standort Leer: „Ich kann Ihnen bestätigen, dass wir unsere Filiale dort im Laufe des Jahres 2026 schließen werden, voraussichtlich im ersten Halbjahr“, schreibt der Sprecher. „Einen Termin gibt es dafür noch nicht.“ Die Post- und Paketdienstleistungen könnten Kunden auch nach der Schließung der Filiale in Leer „im gewohnten Umfang in der Umgebung nutzen“. Dafür werde die Deutsche Post rechtzeitig eine Partnerfiliale in der Nähe zur Verfügung stellen. „In der Regel in einem Geschäft des lokalen Einzelhandels“, erläutert der Postbank-Sprecher.
Was sind die Hintergründe?
Der Grund für diesen Sinneswandel liegt in den Plänen für das künftige Quartier. „Aufgrund der geplanten Entwicklung für das Gelände und dem Abriss des Gebäudes haben wir unsere ursprünglichen Pläne, die Filiale dort zu erhalten, geändert und werden die Filiale schließen“, teilt der Sprecher mit. Im Gegenzug bleibe die Filiale in Papenburg, Am Stadtpark 5, unverändert erhalten – mit allen Services, einem komplett ausgestatteten SB-Bereich, den Postdienstleistungen und der Ein- und Auszahlung von Bargeld am Schalter.
Wie werden die Kunden informiert?
„Alle Kundinnen und Kunden informieren wir vorab durch Aushänge in der Filiale und Handzettel, wenn der Termin und weitere Details, etwa die Partnerfiliale, die das Angebot an Postdienstleistungen übernimmt, feststehen“, betont der Sprecher. „Die Kunden der Postbank erhalten zusätzlich ein persönliches Schreiben.“ Außerdem würden die Medien informiert.
Der Sprecher betont allerdings auch: „Wenn wir eine Filiale schließen, ziehen wir uns vollständig aus dem jeweiligen Standort zurück, das gilt ebenso für die SB-Geräte.“ Ersatzstandorte dafür seien derzeit nicht geplant.
Wo gibt es sonst noch Filialen?
Der Postbank-Standort im nördlichen Emsland stünde dann auch den Kunden für die persönliche Beratung zur Verfügung. Außerdem verweist der Sprecher auf die Filialübersicht unter www.postbank.de/filialen. Dort ist allerdings in der Region nur noch eine weitere Postbank-Filiale in Oldenburg zu finden. Zudem werden die Filialen der Deutschen Post in Aurich und auf Norderney ausgewiesen. Allerdings gibt es dort nur ein eingeschränktes Angebot.
Was gibt es sonst für Möglichkeiten?
Neben den Filialen stehe den Kundinnen und Kunden das neue Regionale Beratungscenter für die Beratung per Video und Telefon zur Verfügung. Weitere Infos dazu gibt es unter www.postbank.de/beratungscenter. Bargeld würde man weiterhin an den Geldautomaten der Cash Group bekommen, zu der neben der Postbank auch die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank gehören. Außerdem verweist der Sprecher auf die Möglichkeit, bei Einzelhändlern Geld abzuheben. In Leer gibt es acht Standorte. An drei von ihnen kann man per App und den sogenannten Bargeld-Code auch Geld einzahlen. Überweisungsträger könnten Kunden in einen gewöhnlichen Briefumschlag stecken, ausreichend frankieren und an die Postbank schicken: Postbank Hamburg, 22280 Hamburg.
Was ist mit den Beschäftigten?
„Für die Mitarbeitenden haben wir betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen“, betont der Sprecher. Alle Kundenberater werden unverändert beschäftigt, in anderen Filialen oder einem der Regionalen Beratungscenter, die man für die Beratung per Video und Telefon aufbaue. „Mit den anderen Mitarbeitenden suchen wir das Gespräch“, so der Sprecher. Abhängig von der individuellen Situation komme neben der Beschäftigung in anderen Bereichen der Bank eine Reihe von Instrumenten zum Einsatz, wie etwa Altersteilzeit oder Abfindungen. Wie viele Beschäftigte in Leer tätig sind, will der Sprecher aus Sicherheitsgründen (Überfallprävention) nicht sagen.
Ist es ein allgemeiner Trend?
Wie andere Institute auch prüfe die Postbank auf Basis des Kundenverhaltens laufend ihr Vertriebsnetz, so der Sprecher. Man stelle fest, dass die Mobile- und Online-Angebote zunehmend stärker genutzt würden, „und zwar über alle Altersgruppen hinweg“. Diese Veränderungen führten dazu, dass Kundinnen und Kunden die stationären Angebote in den Filialen weniger stark nachfragen. Aufgrund dieser Entwicklung werde sich die Postbank mittelfristig zu einer „Mobile-First“-Bank entwickeln, die ihren Kundinnen und Kunden alle Produkte und Services bequem über Mobiltelefon, Tablet sowie für die persönliche Beratung über ein gestrafftes Filialnetz anbietet.
Die Postbank ist bei diesem Vorgehen nicht alleine. Auch die hiesigen Sparkassen sowie die Genossenschaftsbanken haben einzelne Standorte in der Fläche bereits aufgegeben.