Frust bei Pokalsiegern Ostfriesische Kreispokalsieger können den Titel nie verteidigen
Dieses Jahr der TSV Lammertsfehn, davor der VfB Uplengen: Die Kreistitelträger starten nur im Bezirkspokal, wo oft direkt Endstation ist. Umliegende Fußballkreise haben andere Lösungen.
Ostfriesland - Der SV Atlas Delmenhorst erhält am Sonntag, 17. August, die Belohnung für den Verbandspokalsieg und erwartet im DFB-Pokal den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Der SV Bevern durfte als Bezirkspokalsieger wiederum am Verbandspokal teilnehmen. Und der ostfriesische Kreispokalsieger TSV Lammertsfehn freute sich auf das erste Bezirkspokalspiel der Klubgeschichte. Alle drei Pokalsieger eint die Teilnahme am nächsthöheren Wettbewerb. Doch während Atlas und Bevern die Chance haben, ihre Titel im Verbands- und Bezirkspokal zu verteidigen, schaut der TSV Lammertsfehn in die Röhre.
„Das ist schade, dass wir nicht auch wieder am Kreispokal teilnehmen dürfen. Für uns ist die Pokalsaison damit nach einem Spiel schon beendet“, sagt Lammertsfehn-Coach Steffen Dressler. Seine Mannschaft aus der A-Klasse war in der Erstrunden-Partie gegen den Bezirksliga-Tabellenführer SV Großefehn klarer Außenseiter und schlug sich beim 1:4 wacker. Eine Sensation lag vor wenigen Tagen aber - wenig überraschend - nie in der Luft.
Pech für Uplengen-Trio
So erging es eine Saison zuvor auch dem VfB Uplengen. Der Ostfrieslandligist hatte sich im Juni 2024 noch über den Kreispokalsieg nach einer langen Pokalreise gefreut. In der Saison danach gab es im Bezirkspokal dann nur das eine Spiel gegen Landesligist GW Firrel - denn nur selten setzt sich ein Team aus der Kreisebene durch. „Uns war das ostfriesische Reglement aus den Vorjahren bekannt. Yanneck Wientjes, mein Bruder Christian und ich hatten mit Uplengen dreimal den Kreispokal gewonnen und durften nie versuchen den Titel zu verteidigen“, sagt Carsten Gündel, der inzwischen Trainer des VfB ist. „Ich finde die Regel nicht sinnvoll und kurios. Meist ist ja für Kreisteams im Bezirk schon in der 1. Runde Endstation. Dann sollten die Mannschaften in der 2. Kreispokalrunde einsteigen dürfen, das fände ich eine gute Lösung.“
Genauso wird es auch im Fußballkreis Emsland gehandhabt. „Wir hatten auch bis vor einigen Jahren die Regel wie in Ostfriesland, fanden das aber nicht sehr fair. Meist scheidet der Kreispokalsieger im Bezirk ja in der 1. Runde aus“, sagt Reinhard Schröer, Spielausschussvorsitzender im Kreis Emsland. Diese Saison war es nicht so: Da besiegte Kreisligist SuS Rhede in der ersten Bezirkspokal-Runde den Bezirksligisten SV Langen 2:1. Somit stieg Rhede nicht mehr im Kreispokal ein, hatte aber zumindest noch ein weiteres Bezirkspokalspiel (2:5 gegen SF Schwefingen).
So läuft es woanders
Noch anders verhält es sich in den angrenzenden Fußballkreisen Cloppenburg und Jade-Weser-Hunte. Dort hat der Kreispokalsieger wegen seiner Bezirkspokalteilnahme in der ersten Runde auch immer ein Freilos auf Kreisebene, steigt dann aber noch in den Wettbewerb mit ein. Für den Cloppenburger Titelträger DJK Elsten ist es nach dem Aus auf Bezirksebene (2:4 gegen Thüle) ein nahtloser Übergang zum Kreispokal, in dem der Kreisligist an diesem Mittwoch in Bunnen gefordert ist.
Eine Dreifachbelastung hat dagegen derzeit sogar der SV Gotano. Der Kreisligist hat sich den „Termin-Salat“ selbst „eingebrockt“ - im positiven Sinne. Die Ammerländer an der Grenze zu Ostfriesland verloren zwar vergangene Saison das Kreispokalfinale in der Region Jade-Weser-Hunte gegen den 1. FC Nordenham. Doch weil die Wesermarscher als Bezirksliga-Aufsteiger ohnehin am Wettbewerb auf Bezirksebene teilnehmen durften, rückte der SV Gotano als Vizesieger nach.
Fußballkreis gesprächsbereit
Dort ist der kleine Klub nun der große Überflieger. Auf die große Überraschung in Runde eins mit einem Sieg im Elfmeterschießen gegen Landesligist BW Papenburg folgte in Runde zwei ein sattes 7:3 gegen Bezirksligist Concordia Ihrhove. Im Bezirkspokal wartet man nun auf den Gegner in Runde drei - im Kreispokal müssen die Apener in Runde zwei am 26. August nach Westerstede.
In Ostfriesland ist das anders. „Wir handhaben das schon länger so, dass der Pokalsieger in der darauffolgenden Saison nur einen Wettbewerb höher startet und nicht an zwei Pokalen teilnimmt“, berichtet der ostfriesische Pokalspielleiter Reno Harms. In Ostfriesland gibt es vier Pokalwettbewerbe auf Kreisebene - von Pokal IV (D-Klasse) bis Pokal I (Kreisliga und A-Klasse). „Wir haben es damals so entschieden, weil es für einige Mannschaften sonst sehr viele Spiele werden könnten“, so Harms.
Dass ein Pokalsieger einer Kreisklasse in einem höheren Wettbewerb mal die eine oder andere Runde übersteht, ist wesentlich wahrscheinlicher, als dass dies auch auf Bezirksebene passiert. „Grundsätzlich sind wir immer gesprächsbereit, wenn es so einen Wunsch der Vereine geben sollte. Bei solchen Entscheidungen nehmen wir die Vereine dann auch mit ins Boot“, sagt Harms. Vielleicht besteht auch in Ostfriesland mal die Chance, seinen Pokaltitel zu verteidigen.