Erleichterung nach 3:0-Sieg 23-Jähriger und 100-Jähriger werden bei Kickers gefeiert
Nick Stepantsev war einer von acht Neuen in der Startelf. Vor den Augen seiner Familie und eines besonderen Fans hatte er großen Anteil am Erfolg, nach dem der Trainer deutlich auf Kritik reagierte.
Emden - Nach dem ersten Saisonsieg wollte die aktive Fanszene des Fußball-Regionalligisten BSV Kickers Emden am Samstagabend, 9. August, gar nicht mehr aufhören zu singen. Minutenlang sang der Block 5 nach dem 3:0 gegen den Bremer SV und nahm mit einem Jürgen-Drews-Song indirekt auch den Saisonstart auf die Schippe. „Wieder alles im Griff, Whoa-oh-oh-oh, auf dem sinkenden Schiff, Whoa-oh-oh-oh, keine Panik auf der Titanic“, drang minutenlang aus den Kehlen, bevor die Mannschaft dann noch mit dem Block das übliche „BSV“ skandierte und feierte.
Erleichterung herrschte bei allen Emdern nach dem ersten Erfolgserlebnis nach zwei Ligapleiten und dem deftigen Pokalaus gegen Drochtersen (0:5) - und auch etwas Genugtuung, wie man bei Trainer Stefan Emmerling im VIP-Zelt bei seinem Spielstatement hören konnte: „Es wurde vieles infrage gestellt, als wenn wir die Vollblinden wären“, sagte der Coach. „Es gehört dann auch mal dazu, so eine Phase zu überstehen, ohne dass man durchdreht.“
Nick Stepantsev glänzt
Das Trainerteam setzte nach dem verkorksten Pokalspiel auf fast maximale Veränderung. Nur der wieder souveräne Torwart Norman Quindt, Kapitän Dennis Engel als Innenverteidiger und sein Vertreter Tido Steffens als Stürmer blieben in der Startelf. Alle anderen acht Plätze wurden neu vergeben. Für Nick Stepantsev war es im vierten Spiel sogar der erste Startelfeinsatz - und was für einer. Der Schweriner wurde im positiven Sinne am Samstag zum Kickers-Schlawiner. Das Mittelfeld-Schlitzohr bereitete zwei Treffer sehenswert vor und traf dann selbst nach 50 Minuten herrlich zum 3:0-Endstand. Nach einem schönen Angriff und klugem Zuspiel von Tido Steffens tanzte er noch einen Gegenspieler im Strafraum aus und schob den Ball ins lange Ecke „Das war dann die Sahne auf der Torte für mich“, sagte der 23-Jährige.
Der Offensivspieler wechselte im Sommer von Hannover 96 II nach Emden an die Nordsee, nachdem er viele Jahre an der Ostsee ausgebildet worden war. „Ich habe einige Jahre in der Jugend bei Hansa Rostock gespielt.“ Die neue Heimat in Ostfriesland gefällt ihm, mit seiner Verlobten und dem Hund wohnt er in Leer. Am Samstag waren auch seine Eltern aus Mecklenburg-Vorpommern angereist und erlebten den tollen Auftritt des Sohnes und des Kickers-Teams. „Wir wollten den Fans was zurückgeben und haben das, glaube ich, heute geschafft.“
1:0 nach 23 Sekunden
Gejubelt wurde schon kurz vor dem Anpfiff. Denn als Stadionsprecher Gerd Krauledat einen besonderen Zuschauer begrüßte, klatschten alle 1450 Zuschauer. „Wir begrüßen heute unseren ältesten Kickers-Fan Heinz Mammen, der am 1. August 100 Jahre alt geworden ist.“
Auch der 100-Jährige durfte schon nach 23 Sekunden die Arme hochreißen. Direkt nach dem ersten Emder Angriff lag der Ball im Bremer Tor. Nick Stepantsev steckte clever zu Marten Schmidt durch, der mit einem langen Bein den Ball noch gekonnt zu Tido Steffens weiterleitete. Die erstmals in dieser Saison in der Liga in der Startelf stehende Kickers-Legende schob den Ball cool ins Eck ein. „Das war eine Erlösung“, gestand der 31-Jährige. Für ihn - und für die Mannschaft. „Das frühe 1:0 spielte uns in die Karten.“
„Reset-Knopf gedrückt“
Sechs weitere gute Abschlüsse und klare Chancen zählte der Chronist bis zur Pause. Darunter war ein spektakulärer Fallrückzieher von Nick Stepantsev, den Bremens Torwart Pascal Manitz parierte. Chancenlos war er in der 32. Minute. Stepantsev setzte sich über die Außen durch. Seine Hereingabe rauschte noch an Tido Steffens vorbei. Aber der mitgelaufene Marten Schmidt drückte den Ball mit der Fußspitze aus sieben Metern noch clever über die Linie. Das sah einfacher aus als es war.
Die Bremer kamen erst kurz vor der Pause gefährlich vor das Emder Tor. Das änderte sich im Laufe der zweiten Halbzeit. Zwar gelang Kickers schnell das 3:0 (50.). Doch danach gab Emden nach und nach die Kontrolle ab. Bei manchen Abschlüssen lag immer mal wieder das 3:1 in der Luft. Einmal rettete Dennis Engel auf der Linie (81.). Selbst besaß der BSV durch Tido Steffens und Marten Schmidt noch zwei gute Konterchancen.
Spieldaten
Emden: Quindt; Andresen, Eilerts, Engel, Adou (88. Stöhr), Kaissis (77. Gumpert), Schmidt, Eickschläger, Stepantsev (64. Steffen), Eickhoff (77. Steinwender), Steffens (77. Schiller).
Tore: 1:0 Steffens (1.), 2:0 Schmidt (32.), 3:0 Stepantsev (50.).
Es blieb aber beim 3:0, das für alle Emder eine Wohltat war. Auf und neben dem Platz. „Das waren zwei scheiß Wochen“, sagte Tido Steffens. „Wir haben uns gesagt, dass die Saison für uns heute losgehen muss.“ Oder wie es Stefan Emmerling ausdrückte. „Wir haben heute den Reset-Knopf gedrückt.“