Erben retten Denkmal  In ein altes Packhaus in Leer soll neues Leben einkehren

| | 29.06.2025 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dirk (links) und Henk Strobel schauen sich einen Raum im 200 Jahre alten Packhaus an, der noch nahezu in seinem ursprünglichen Zustand ist. Foto: Klaus Ortgies
Dirk (links) und Henk Strobel schauen sich einen Raum im 200 Jahre alten Packhaus an, der noch nahezu in seinem ursprünglichen Zustand ist. Foto: Klaus Ortgies
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Nach Jahrzehnten als Werkstatt und Lager mit PVC-Böden wollen Dirk und Henk Strobel das 200 Jahre alte Packhaus zu seinem ursprünglichen Zustand zurückbringen. Jetzt wurde es unter die Lupe genommen.

Leer - Mit einer Taschenlampe leuchtet Klaus Otten vom Monumentendienst die alte Wand aus Ziegelsteinen an. Er nimmt einen Schraubenzieher und sticht in die Fugen. Es rieselt nur wenig zu Boden. Auch das Holz in der alten Durchfahrt des Packhauses aus dem Jahr 1807 scheint in einem guten Zustand. Gemeinsam mit seinem Kollegen Henning Tammen nimmt er das Gebäude am Leeraner Ostersteg unter die Lupe.

Klaus Otten (links) und Henning Tammen vom Monumentendienst untersuchen den Zustand des Gebäudes. Hier sind sie in einem Bereich, der nach dem Zweiten Weltkrieg umgebaut wurde. Foto: Klaus Ortgies
Klaus Otten (links) und Henning Tammen vom Monumentendienst untersuchen den Zustand des Gebäudes. Hier sind sie in einem Bereich, der nach dem Zweiten Weltkrieg umgebaut wurde. Foto: Klaus Ortgies

Viele Jahre lang wurde das Packhaus von der Firma Elektro Hoppe als Werkstatt genutzt. „Hier wurden unter anderem alte Röhrenfernseher repariert und Weiße Ware gelagert“, sagt Dirk Strobel, dem das Gebäude zusammen mit seinem Bruder Henk in einer Erbengemeinschaft gehört. Auch das Sanitätshaus Flentje habe einen Teil als Lager genutzt. In den vergangenen sieben Jahren wurden ein paar Räume noch als Lager von Küchen Ruberg und Hoppe genutzt. Die jüngste Nutzung ist vor allem im Hochparterre noch gut zu erkennen.

Diesen Raum nutzte die Firma Elektro Hoppe viele Jahre lang als Werkstatt für Fernseher – PVC-Fußboden inklusive. Foto: Klaus Ortgies
Diesen Raum nutzte die Firma Elektro Hoppe viele Jahre lang als Werkstatt für Fernseher – PVC-Fußboden inklusive. Foto: Klaus Ortgies

Hilfe vom Monumentendienst

Seit den 1920er Jahren ist das Gebäude im Besitz der Familie Hoppe/Strobel. Vermutlich nach dem Zweiten Weltkrieg sei das Gebäude umgebaut worden, um es als Werkstatt und Lager nutzen zu können. Leichtbauwände wurden damals eingezogen, auf die alten Holzdielen wurde PVC-Boden gelegt, Wände wurden verputzt und weiß gestrichen. Doch das soll sich jetzt ändern. Dirk Strobel will gemeinsam mit seinem Bruder Henk das denkmalgeschützte Haus sanieren und in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen. „Wir wollen das Gebäude zu neuem Leben erwecken“, sagt der 49-Jährige. Als ersten Schritt haben die beiden sich Hilfe vom Monumentendienst geholt.

Der Zustand von Holz, Mauerwerk und Co. wurde analysiert. Foto: Klaus Ortgies
Der Zustand von Holz, Mauerwerk und Co. wurde analysiert. Foto: Klaus Ortgies

„Wir schaffen uns erst einmal einen Überblick“, erklärt Otten. Meist gehen sie von oben nach unten vor. „Wir schauen uns die Statik, die Konstruktion an“, sagt der Restaurator. Danach würden die Bauteile untersucht – wie Balken oder das Mauerwerk. „Wir untersuchen das gewerkeübergreifend“, ergänzt Tammen. Auch die Fassade und das Dach werden von außen unter die Lupe genommen. Schließlich werde ein Bericht mit Handlungsempfehlungen erstellt. „Es ist ein reiner Schadensbericht“, sagt Tammen. Dennoch betonen die beiden, dass es zwar Schäden gibt, das mehr als 200 Jahre alte Gebäude aber einen soliden Eindruck mache. Durch den PVC-Boden könnte das darunterliegende Holz nicht atmen, die Feuchtigkeit staue sich. Die Balken könnten dadurch beschädigt worden sein.

Der Monumentendienst nimmt historische Gebäude unter die Lupe, erstellt Gutachten und gibt Handlungsempfehlungen. Foto: Klaus Ortgies
Der Monumentendienst nimmt historische Gebäude unter die Lupe, erstellt Gutachten und gibt Handlungsempfehlungen. Foto: Klaus Ortgies

Familie Vissering baute das Gebäude

Gebaut wurde das Gebäude 1807 von der Familie Vissering. Ihr Symbol, der Fisch mit dem Ring im Maul, ist auch über den großen Torbogen des Packhauses am Ostersteg zu sehen. Anfangs sei es vermutlich als Tabaklager genutzt worden, sagt Dirk Strobel. „Früher konnten die Fuhrwerke durch die Tore durch das Gebäude hindurchfahren“, sagt der 52-jährige Henk Strobel. Das ist derzeit allerdings nicht möglich. Vom Ostersteg aus kann man das Tor gar nicht nutzen. Eine Zwischendecke wurde hier eingezogen, sodass man im Hochparterre von einem Gebäudeteil zum anderen laufen kann.

Henk (links) und Dirk Strobel wollen das Packhaus in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Foto: Klaus Ortgies
Henk (links) und Dirk Strobel wollen das Packhaus in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Foto: Klaus Ortgies

Es sind aber noch sechs Luken vorhanden, die vom Durchgang ins Gebäude führten. „Vier davon gingen in den Keller und zwei ins Hochparterre“, sagt Dirk Strobel, während er im Bereich des Durchgangs steht, der noch nahezu im Ursprungszustand ist. Die Luken seien aber derzeit zugemauert. Beim Blick nach oben kann man bis unters Dach sehen. Früher wurden hier vermutlich die Waren mit einem Lastenzug in die oberen Stockwerke gebracht. Heute ist hier ein Kranzug eingebaut. Der alte, historische Balken für den Lastenzug existiert aber noch. Er liegt auf dem Dachboden.

Henk (links) und Dirk Strobel stehen im Durchgang, der derzeit keiner mehr ist. Die Wand hinter der Treppe wurde irgendwann samt Zwischendecke neu eingezogen. Das soll wieder rückgängig gemacht werden. Foto: Klaus Ortgies
Henk (links) und Dirk Strobel stehen im Durchgang, der derzeit keiner mehr ist. Die Wand hinter der Treppe wurde irgendwann samt Zwischendecke neu eingezogen. Das soll wieder rückgängig gemacht werden. Foto: Klaus Ortgies

Ein paar Bereiche sind noch im Ursprungszustand

„Wir wollen, dass man die großen Tore wieder nutzen kann, um durch das Gebäude zu gehen“, sagt Dirk Strobel, der mittlerweile in Hamburg lebt. Auch die Luken sollen wieder geöffnet werden. „Wir wollen zurück zum Ursprungszustand“, betont der in Hannover lebende Henk Strobel.

Durch dieses Tor konnte man früher in einen Durchgang fahren. Das ist derzeit nicht möglich. Foto: Klaus Ortgies
Durch dieses Tor konnte man früher in einen Durchgang fahren. Das ist derzeit nicht möglich. Foto: Klaus Ortgies

Im Obergeschoss und auch unterm Dach gibt es weitere Bereiche, die noch nahezu im Ursprungszustand sind. Man sieht die dicken Eichenbalken und die großen Dielenbretter. Die roten Ziegel der Außenwand sind nicht verkleidet. Es sieht dem Zollhaus-Café recht ähnlich.

„Wir können uns etwas Kulturelles vorstellen“

Wenn das Gutachten des Monumentendienstes vorliegt, wolle man mit der Denkmalschutzbehörde alles absprechen. „Was wir jetzt schon sagen können, ist, dass hier keine Wohnungen entstehen werden“, betont Dirk Strobel. „Wir können uns etwas Kulturelles vorstellen“, ergänzt sein Bruder Henk. Wer Ideen hat, könne sich gerne bei den beiden melden.

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Altes Packhaus in Leer soll restauriert werden
27.06.2025

Bis neues Leben in das Gebäude einkehrt, wird es aber noch eine Weile dauern. Wer den Fortschritt verfolgen will, kann dies allerdings über Instagram machen. Dort berichten die Eigentümer, wie es mit dem 200 Jahre alten Packhaus weitergeht – und das auf ganz moderne Weise.

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