Kein Starten und Landen Ostfriesischer Flugdienst streicht Inselflüge
Borkum, Juist und Helgoland werden zurzeit nicht von der Ostfriesischen Flug-Dienst GmbH angeflogen. Das hat mehrere Gründe, die zusammenkommen.
Borkum - Stell dir vor du willst fliegen und keine Maschine hebt ab: So geht es derzeit Passagieren, die mit dem Flugzeug von Emden aus nach Borkum, Juist oder zur Hochseeinsel Helgoland möchten. Die Ostfriesische Flug-Dienst GmbH (OFD), die zur Unternehmensgruppe AG Ems gehört, hat vorübergehend alle Flüge – inklusive Rundflüge – zu den genannten Destinationen eingestellt.
Was sind die Gründe für die Flugausfälle?
„Aufgrund einer technischen Herausforderung an unserer Gippsland Airvan GA 8 musste die OFD kurzzeitig den Flugbetrieb und den Kiosk-Betrieb auf Borkum einstellen“, berichtet Sprecherin Corina Habben auf Anfrage. Man hoffe aber, die benötigten Ersatzteile schnellstmöglich zu erhalten und den Dienst wieder aufnehmen zu können.
Eine Ersatzmaschine sei aktuell nicht verfügbar, da die Flugzeuge des Typs Britten Norman wie geplant ausgemustert wurden und die drei Neuzugänge des Typs Tecnam zwar auf dem Flugplatz in Emden, aber noch im Zulassungsverfahren für den gewerblichen Einsatz seien. Test- und Schulungsflüge sind längst absolviert, was fehlt, ist die Genehmigung des Luftfahrtbundesamtes für die Mitnahme von Inselbewohnern oder Touristen.
Wann wird mit der ausstehenden Genehmigung für die Tecnam-Flotte gerechnet und warum dauert das so lange?
Man hoffe, Ende Juli die finale Genehmigung zu erhalten, sagt die OFD- und AG-Ems-Sprecherin. Hintergrund der Verzögerung seien Herausforderungen im Genehmigungsverfahren, „da die Tecnam das gleiche Verfahren wie eine Boeing 737 durchlaufen muss“.
Warum sind die Ersatzteile für die Gippsland Airvan GA 8 so schwer zu beschaffen?
„Die GA 8 ist die einzige Maschine in Europa und das ursprünglich in Australien angesiedelte Unternehmen wurde inzwischen nach Indien verkauft“, erklärt Corina Habben. Bei den Britten Normans habe man zweitweise neun Monate lang auf ein Teil gewartet. OFD-Geschäftsführer Timo Trapp hatte in einer Pressemitteilung im Februar ein Beispiel genannt: „Wenn die OFD einen Dichtungsring für ein Flugzeug benötigt, dann muss dieser Ring ein entsprechendes Zertifikat aufweisen, welches in der Regel nur über den Hersteller zertifiziert ist – das ist Vorschrift in der Luftfahrt. Man kann sich vorstellen, was das für uns bedeutet hat.“ Überdies biete die als Alternative angeschaffte Gippsland Airvan GA 8 lediglich für die Borkum-Linie eine Alternative, da die einmotorige Maschine für den gewerblichen Helgoland-Flugverkehr nicht zugelassen sei.
Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der vorübergehende Ausfall des Flugbetriebs auf die Inseln für den OFD?
Corina Habben nennt keine konkreten Zahlen, macht aber deutlich: „Für die OFD ist dies eine echte Herausforderung, da die Kosten für die Investitionen, Standorte und Mitarbeitende weiterlaufen und keine Einnahmen dagegengestellt werden können.“
Welche Reaktionen gab es bisher von Kunden? Verärgerung? Verständnis?
„Wir erleben das sowohl als auch“, sagt die Sprecherin.
Warum wurde die Flotte vom Typ Britten Norman zum Typ Tecnam umgestellt?
Hintergrund seien wie erwähnt erhebliche Einschränkungen bei der Lieferung von Ersatzteilen und dem technischen Support, erklärt Corina Habben. In der OFD-Pressemitteilung aus dem Februar hieß es: „Lange Jahre war die robuste Britten-Normen Islander das Fluggerät im Inselflugverkehr. Das zweimotorige Flugzeug verfügt über bis zu zehn Sitzplätze. Es wurde in den 1960er-Jahren als Mehrzweckflugzeug insbesondere für die Anbindung schlecht erschlossener Regionen mit unbefestigten Flugplätzen konzipiert (Inselverkehr, tropischer Regenwald, Outback).“
Mit einem Produktionszeitraum von mehr als 50 Jahren und über 1200 produzierten Einheiten gehöre die Maschine zu den erfolgreichsten europäischen Flugzeugentwicklungen. Der Beiname „Islander“ verweise auf die Auslegung für Seeklima und Inselverkehr mit Einsatz bei Böen und Seitenwind. „Jedoch ging es mit dem Flugzeughersteller seit Jahren bergab. Bereits 2014 gab es Engpässe, so dass die OFD statt auf Neubestellungen schließlich auf Gebraucht-Maschinen aus Neuseeland setzte“, teilte die OFD im Februar mit. Um den genannten Einschränkungen nicht länger ausgeliefert zu sein, hatte man sich dann auf ein komplett neues Flugzeugmuster eingelassen.
Was hat es mit der Tecnam auf sich?
Die Flugzeuge des Typs Tecnam P2006T sind laut OFD seit 2007 auf dem Markt; Hersteller ist die Firma Tecnam aus Capua/Neapel in Italien. Das Flugzeug ist nach OFD-Angaben mit zwei Rotax-912-Motoren ausgestattet, bringt bei 70 Prozent Leistung 145 Knoten auf die Strecke und ist deutlich schneller und leiser als die bisherigen Flugzeugmuster. Es verfügt über vier Sitzplätze und bietet Platz für bis zu drei Passagiere. Mit den drei Tecnam-Maschinen sollen zunächst die zwei Helgoland-Fluglinien ab Nordholz/Spieka und Heide/Büsum bedient werden.