Norden, Wiesmoor und Ihrhove zittern Wer muss in die Relegation? Ein Wiesmoorer kommt aus München
Unsere Zeitung wird den Bezirksliga-Showdown mit einem Liveticker begleiten. Die Trainer greifen in den Statements in die mentalen Trickkisten. Und ein Spieler vollbringt fast Unmögliches, um zu helfen.
Ostfriesland - Der TuS Esens ist Meister und der TuS Holtriem sowie TuS Strudden sind die beiden direkten Absteiger in der Fußball-Bezirksliga. Doch eine wichtige Entscheidung steht noch aus: Wer muss in die Relegation und dort im „Nachsitzen“ gegen den Ostfrieslandliga-Dritten um den Klassenerhalt kämpfen? Am letzten Spieltag liefern sich der FC Norden (14.), Germania Wiesmoor (13.) und Concordia Ihrhove (12.) ein Fernduell.
Die Ausgangslage ist wie folgt: Wenn Wiesmoor (beim TuS Middels) und Ihrhove (beim SV Hage) mindestens remis spielen, sind die beiden Teams gerettet. Die derzeit zwei Punkte dahinter liegenden Norder haben nämlich das viel, viel schlechtere Torverhältnis. Für den FC Norden ist die Marschroute klar: Er muss den SV Wallinghausen im Heimspiel besiegen. Tut er das, und Wiesmoor oder Ihrhove verlieren, ist der FCN gerettet. Vor den Sonntagsspielen (1. Juni 2025), die alle um 14 Uhr angepfiffen werden, beleuchten wir die Stimmungslage bei den Teams. Die Ostfriesen-Zeitung wird bei allen drei entscheidenden Spielen auch live dabei sein und die Leser und Leserinnen mitnehmen. Unter www.oz-online.de wird ein Liveticker angeboten.
„Totgesagte leben länger“
Der FCN hat tabellarisch die schlechteste Ausgangslage und ist auf Patzer der Konkurrenten angewiesen. Aber psychologisch sieht Trainer Thomas Jakobs sein Team im Vorteil. „Wir müssen erstmal nur auf uns schauen und gewinnen. Unsere Aufgabe ist klar“, sagt der erfahrene Coach. Sein Team hatte vor zwei Wochen ein erstes „Endspiel“ gegen TuRa 07 Westrhauderfehn 0:2 verloren, lag bei noch zwei Spielen fünf Punkte hinter Wiesmoor und Ihrhove. „Da hatte uns doch jeder schon abgeschrieben. Aber der Mannschaft habe ich gesagt: Totgesagte leben länger.“
So kam es dann auch: Norden gewann das Druckspiel in Larrelt 4:0 und Wiesmoor und Ihrhove blieben am vergangenen Spieltag punktlos. Auf dem Papier hat der FCN auch die „leichteste“ Aufgabe, wenn man die Formkurven anschaut. Der SV Wallinghausen (7.) hat in diesem Jahr nur ein Spiel gewonnen (1:0 gegen Strudden), der FCN nun ein Heimspiel. „Und wir haben zwei Teams, auf die wir dann nach dem Spiel schauen könnten, ob eines verloren hat.“ Sollte Norden gewinnen und die direkte Rettung trotzdem ausbleiben, gehe er trotzdem positiv in die Relegation: „Wir haben vor dem Larrelt-Spiel gesagt, dass wir beide Spiele gewinnen müssen. Schaffen wir das, hätten wir auch Rückenwind für die Relegation“, so Thomas Jakobs, der hinterherschiebt: „Ich hoffe aber, dass wir sie nicht spielen müssen.“
Die Zimmermann-Forderung
Mit einem Last-Minute-Sieg gegen den SV Wallinghausen Anfang Mai baute Germania seine Serie auf 13 Punkte in fünf Spielen aus und schien der Rettung ganz, ganz nah. Doch aus den verbleibenden drei Spielen in Aurich (2:5), in Bunde (3:5) und gegen Großefehn (1:4) gab es nicht den einen noch nötigen Punkt - und der FC Norden punktete auch nochmal.
Dabei verspielte Wiesmoor zweimal eine 2:0-Führung. Doch Zurückschauen will der im Sommer scheidende Trainer Jürgen Zimmermann nicht. „Wir müssen wieder die paar Prozente oben drauf packen, die wir brauchen, um zu punkten. Dann traue ich es uns auch zu“, so der erfahrene Coach.
Homes kommt aus München
Am Vatertag gab er seinem Team, das sich mit vielen eigenen Leuten in der Liga behauptet, die Party-Erlaubnis: „Die sollten mal den Kopf frei kriegen.“ Im Abschlusstraining am Freitag wollte man sich dann für das erste und aus Wiesmoor-Sicht hoffentlich letzte Endspiel einschwören. „Wenn wir es nicht schaffen, haben wir ja noch eine Chance. Wir wollen diese aber nun nutzen.“ Dabei setzt man auch auf den großen Zusammenhalt im Verein, geht von mehr als 100 Wiesmoorern aus, die zum Unterstützen mit nach Middels (6.) fahren werden.
Auch die Mannschaft gibt im Vorfeld alles, besonders Erik Homes. Der junge Mittelfeldspieler arbeitet derzeit bei BMW in München. Er kommt extra für das Spiel und reist nach der Partie am Sonntag mit dem Zug zurück und kommt nachts an, damit er Montag wieder bei der Arbeit sein kann. Läuft alles nach Plan, erreicht um 0.45 Uhr den Hauptbahnhof in München. „Ganz großen Respekt vor dem Jungen. Seine Zusage hat mir ein ganz großes Lächeln ins Gesicht gezaubert“, sagt Trainer Jürgen Zimmermann, der selbst für den Fußball viel opfert und trocken hinzufügt: „Der Junge könnte glatt Zimmermann heißen.“
Klare Worte von Ihrhove
Ihrhoves Trainer Christian van Hoorn war mit den vergangenen Wochen und Auftritten - bis auf die zweite Halbzeit gegen Borssum (1:2) - nicht zufrieden. „Wir haben einiges dafür getan, dass wir jetzt da stehen, wo wir stehen.“ In den Kellerduellen gegen Strudden (1:1) und Norden (2:2) habe man sogar glücklich einen Punkt geholt. Insofern hätte die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag noch schlechter sein können, bei besserer Leistung wäre man aber auch schon gerettet.
„Wir machen uns jetzt aber nicht in die Hose. Bis auf den gesperrten Benjamin Lünemann sind alle Mann dabei. Und unsere Statistik macht uns auch Mut“, so van Hoorn. Als er mit seinem Co-Trainer Detlef Brinkmann Ende Oktober das Traineramt übernahm, hatte das Team auswärts noch keinen Punkt geholt. „Seither haben wir auswärts nur das Spiel im November in Esens verloren. Und der TuS hat alle 15 Heimspiele gewonnen.“
Abschlusstraining am Mittwoch
Eine weitere Statistik gibt ebenfalls Auftrieb: Von den 15 Spielen unter dem neuen Trainerduo wurden nur die Partien gegen die Spitzenteams Esens und Großefehn sowie gegen Larrelt verloren. Nun will man auch im schweren Auswärtsspiel in Hage (5.) bestehen.
Dabei trainierte Ihrhove schon Montag und Mittwoch. „Die Jungs sollten danach nochmal einige Tage den Kopf frei bekommen“, so Christian van Hoorn, der zuversichtlich ist, dass die starke Auswärtsserie fortgesetzt wird und der Klassenerhalt damit am Sonntag gefeiert werden kann.