Neue Kita Wie gut ist die Situation bei der Kinderbetreuung in Leer?
Bei der Heimatcheck-Umfrage ostfriesischer Verlage schnitt die Stadt Leer in der Kategorie Familie & Kinder schlecht ab. Jetzt wurde eine neue Kita eröffnet. Wie ist die Situation in der Stadt?
Leer - Seit Jahren wird schon über die Situation bei der Kinderbetreuung in der Stadt Leer diskutiert. Lange Zeit ging es darum, wie stark sich der Landkreis Leer an den Kosten beteiligt. Schließlich gab die Stadt Leer die Verantwortung für die Kinderbetreuung an den Landkreis Leer zurück.
Bei der großen Heimatcheck-Umfrage ostfriesischer Verlage landete die Stadt Leer in der Kategorie Familie & Kinder nur auf dem 30. Platz – von 33 Kommunen, die im Ranking berücksichtigt wurden. Dabei ging es unter anderem um das Angebot an Kita- und Kindergartenplätzen, aber auch allgemein um das Angebot für Jugendliche in der Kommune. „Die Suche nach einem Kinderbetreuungsplatz lässt einen jedes Mal aufs Neue wieder zittern“, schreibt beispielsweise eine Teilnehmerin. Jetzt hat die Ostfriesische Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (OBW) eine neue Kita in Heisfelde eröffnet. Wie ist daher die aktuelle Situation in der Stadt? Wir haben nachgefragt.
Was bietet die OBW in Heisfelde jetzt an?
Am Sonnabend, 17. Mai 2025, wurde das Kinnerhuus middenmang Heisfelde an der Ulbtlandstraße 7 in Leer mit zahlreichen Gästen eröffnet. „Hier ist ein vorzeigbares Gebäude entstanden. Viele Details wie die runden Fenster stehen für den maritimen Flair“, sagte OBW-Geschäftsführer Jörn Malanowski. „Auf 2933 Quadratmetern Grundfläche sind 813 Quadratmeter Nutzfläche entstanden. Zwei Kindergartengruppen und zwei Gruppen mit Krippenplätzen sind hier entstanden.“
In der Einrichtung sollen bis zu 66 Kinder einen Platz bekommen. „Und aktuell sind noch Krippenplätze frei, die wir vergeben können“, betonte Malanowski. Das 15-köpfige Betreuerteam um Sandra Boelsen (Leitung) und Lena de Boer (stellvertretende Leitung) stellte zunächst sich selbst und im Anschluss das Gebäude vor. Die 66 Plätze sind aufgeteilt in vier Betreuungsgruppen. In der Matjesgruppe und der Krabbjesgruppe sind jeweils 18 Kinder. Die Krippenplätze sind aufgeteilt auf die Seepeerdjes und die Seesteerntjes mit je 15 Kindern.
Wie viele Plätze stehen im Kita-Bereich in der Stadt Leer zur Verfügung?
Mit der Inbetriebnahme des Kinnerhuus middenmang Heisfelde stehen laut Landkreis-Sprecher Philipp Koenen folgende Platzkapazitäten zur Verfügung: Bei den Unter-Dreijährigen (Krippe) sind es 361 Plätze, davon sechs Integrationsplätze. Bei den Kindergartenplätzen (Ab drei Jahre) sind es 1020 Plätze, davon 40 Integrationsplätze.
Was ist der berechnete Bedarf in der Stadt Leer?
Der Landkreis Leer ist verpflichtet, als Träger der Jugendhilfe für alle Kommunen, unter anderem den Bestand an Einrichtungen der Kinderbetreuung festzustellen und den künftigen Bedarf auch anhand der Geburten zu ermitteln. Für die Stadt Leer werden dort für das kommende Kita-Jahr 2025/2026 92 fehlende Plätze prognostiziert. Für die folgenden Jahre sind es 66, 75 und 74. Bei den Kindergartenkindern liegt die Zahl fehlender Plätze im kommenden Kita-Jahr sogar bei 110. In den folgenden Jahren fällt dieser Wert aber zunächst auf 99 und dann auf 35. Im Kitajahr 2028/29 wird ein Überschuss von 16 Plätzen prognostiziert.
Sind weitere Kitas in der Stadt geplant?
Die Verhandlungen mit dem Investor der geplanten Kita auf dem ehemaligen MZO-Gelände sind laut Koenen noch nicht abgeschlossen. Gleichzeitig prüfe man laufend weitere Optionen.
Wie viele Plätze werden nach den Anmeldungen in diesem Jahr benötigt?
Nach den aktuellen Daten aus dem Anmeldeverfahren (Stand 19.05.2025, 10:15 Uhr) besteht laut Koenen zum Beginn des neuen Kitajahres im August im Bereich der Unter-Dreijährigen ein leichter Platzüberhang von etwa 20 Plätzen. Im Kindergartenbereich gebe es aber einen Fehlbedarf von etwa 30 Plätzen. „Es ist zu beachten, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt“, betont der Sprecher.
Wie beurteilt der Landkreis Leer die Entwicklung bei der Kinderbetreuung in der Stadt?
Landkreis-Sprecher Koenen betont, dass seit Übernahme von der Stadt folgende langfristig angelegten Kapazitäten geschaffen werden konnten: Die Kita „Lüttje Toornswaalvkes“ der reformierten Kirchengemeinde Loga wurde um eine Kindergartengruppe mit 25 Plätzen erweitert, das Lern- und Förderzentrum am Deich hat eine integrative Kindergartengruppe mit 18 Plätzen geschaffen und die OBW hat das Kinnerhuus middenmang Heisfelde eröffnet.
„Insgesamt konnten also 79 Kindergarten- und 30 Krippenplätze geschaffen werden“, so Koenen. Zusätzlich seien zwei Kindergroßtagespflegestellen mit insgesamt 16 Plätzen für Kinder bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres in der Edzardstraße in Betrieb genommen worden. „Die Anzahl der Plätze für Kindergartenkinder mit festgestelltem heilpädagogischen Bedarf konnte verhältnismäßig stark von vorher 33 auf 40 erhöht werden, was auch der Bedarfslage entspricht“, so Koenen.
Die Zahl der offenen Betreuungswünsche sei rückläufig. Zudem habe man sich mit den Trägern im Stadtgebiet auf einheitliche Vergabekriterien einigen können. Damit sei unter anderem auch ein Vorrang für Kinder geschaffen, die sich im Vorschulalter befinden. „Verbesserungsbedarf besteht vor allem dahingehend, dass noch nicht alle anfragenden Kinder mit einem Kindergartenplatz im Stadtgebiet versorgt werden können“, so Koenen.
Wo wird Familien geholfen, die keinen Kita-Platz bekommen haben?
Familien mit Wohnort in der Stadt Leer können sich laut Koenen an die Kreisverwaltung wenden: per Mail an kita@lkleer.de oder unter Tel. 0491/926-1485, -1456, -1452. Es würden dann mögliche Optionen erörtert wie Plätze in anderen Einrichtungen oder gegebenenfalls auch in einer Nachbarkommune oder in der Kindertagespflege.
Möglicherweise werden bald einige Eltern spontan Hilfe bei der Suche nach neuen Plätzen brauchen: Dem Vernehmen nach schließt die altersgemischte Einrichtung eines Unternehmens im Landkreis Leer zu Juli. Ein ausführlicher Bericht folgt.