Lange Party nach Sieg gegen Kickers Pewsums Supercup-Held Nils Ludwig geht in Fußball-Rente
Nils Ludwig erlebte vor 800 Fans einen magischen Fußball-Abend. Für den ehemaligen Emder Keeper war es nochmal ein Adrenalin-Kick vor dem nahenden Abschied. Ein bisschen geht es noch weiter.
Pewsum - Die Nacht in Pewsum war für manche kurz – oder lang: je nach Betrachtungswinkel. Nach dem Coup am Mittwochabend, 14. Mai, im Supercup des Ostfriesland-Cups und Sieg gegen Regionalligist BSV Kickers Emden wurde die Sportanlage des Bezirksligisten TuS Pewsum zur Party-Zone. „Als ein Mitspieler plötzlich mit einem Karton Veterano in die Kabine kam, wusste ich, in welche Richtung das gleich geht“, erzählt Nils Ludwig am Tag nach dem Triumph mit einem Lächeln. Der 34-Jährige war eines der Gesichter des 8:7-Sieges des Außenseiters nach Elfmeterschießen.
Der Torwart-Held selbst hielt sich zurück, verließ gegen 23.30 Uhr die Sportanlage und erschien am nächsten Morgen ganz normal zur Arbeit. „Der eine oder andere von uns wird sicherlich kurzfristig nach einem Urlaubstag gefragt haben.“ Als Ludwig am nächsten Morgen auf sein Handy schaute, sah er, dass in Pewsum trotz des Wochentags manche Supercup-Sieger noch etwas länger machten. „Die letzten Nachrichten aus der Whats-App-Gruppe waren von 3 Uhr.“
Der entfesselte Jubel-Sprint
Die Pewsumer gewannen nach dem Ostfriesland-Cup-Sieg im Sommer nun nicht nur noch 1500 Euro weiteres Preisgeld und reichlich Prestige – sie sammelten auch unfassbar schöne Erinnerungen für die Ewigkeit. Auch Nils Ludwig genoss kurz vor seinem Karriereende den Adrenalinkick, nachdem er im Elfmeterschießen den Versuch von Joshua Dudock pariert und Pewsum zum Sieger gemacht hatte. Wie entfesselt rannte er über den Platz, verfolgt von seinen jubelnden Mitspielern. „Unser Co-Trainer sagte mir, dass er nicht wusste, dass ich so schnell sprinten kann“, erzählt Ludwig mit einem Augenzwinkern.
Seine lange Laufbahn von der Bezirks- bis zur Oberliga beim TuS Pewsum und Kickers Emden endet nun im Sommer, wenn er 35 Jahre alt wird. „Es fällt einem in diesem Alter körperlich auch alles nicht mehr so leicht. Für mich ist es nun auch an der Zeit, meiner Frau etwas zurückzugeben. Man hat für Fußball auch auf viel verzichtet.“
Rückkehr nach Kreuzbandriss
Nach seinem Abschied bei Kickers Emden als Ersatzkeeper im Sommer 2023 und der Rückkehr zum TuS Pewsum meinte es das Schicksal nicht gut mit ihm. Im September 2023 riss sein hinteres Kreuzband im linken Knie. Die Ärzte verzichteten auf eine Operation. Die Heilung trat auch wie erhofft ein. Aber elf Monate lang war der robuste Keeper außer Gefecht. „Ich wollte auch nicht mit einer Verletzung aufhören.“ Also hing er noch die Saison dran, kämpfte sich zurück und kam hinter Stammkeeper Joachim Groenewold auch noch auf den einen oder anderen Einsatz. Der letzte folgt dann am 1. Juni am letzten Spieltag gegen den TuS Holtriem.
Im Supercup nun teilten sich Groenewold und Ludwig die 90 Minuten. Dabei begann die Partie für Ludwig nach der Pausen-Einwechslung nicht gerade märchenhaft. Nach einem Emder Doppelschlag hieß es 1:3 statt zuvor 1:1. „Da dachte ich: Mist, jetzt kommt der Zug ins Rollen.“
Ab und an für Hage IV
Die Pewsumer wollten die Partie eigentlich lange eng halten und Kickers etwas ärgern. Nun drohte doch eine höhere Niederlage. Aber es kam anders, ganz anders. „Wahnsinn, was die Mannschaft geleistet hat. Jeder hat alles rausgehauen, wir wollten unbedingt. Da war eine enorme Energie, auf und neben dem Platz.“ Und tatsächlich: Die Pewsumer kamen zum 3:3. Und Nils Ludwig vereitelte in der Schlussphase noch zwei große Chancen von Tido Steffens und Tobias Steffen, ehe ihm im Elfmeterschießen vor 800 Zuschauern die finale Parade vor der Jubel-Explosion vorbehalten war.
Ganz die Torwarthandschuhe an den Nagel hängen wird Nils Ludwig im Sommer übrigens nicht. Ein kleines Spaß-Hintertürchen lässt er sich noch offen. „Ich will erstmal die freigewordene Zeit mit meiner Frau genießen. Und wenn es die Zeit mal zulässt, helfe ich mal beim SV Hage IV aus. Das ist mein Heimatverein und da will ich nochmal mit meinem Schwager und meinem besten Kumpel kicken – ganz ohne große Verpflichtungen.“