Verteidiger geht Bei Partylaune sagt ein Kickers-Spieler leise Tschüss
Beim 3:1-Sieg über Norderstedt überragte am Samstag BSV-Doppeltorschütze Tido Steffens. Er muss noch Kleinigkeiten bezüglich des neuen Vertrags besprechen. Ein Mitspieler aber verlässt Kickers.
Emden - 2350 Zuschauer feierten beim BSV Kickers Emden am Samstag bei Bilderbuchwetter lautstark drei herrliche Treffer, einen 3:1-Sieg im Spiel der Fußball-Regionalliga über Eintracht Norderstedt und den nächsten Schritt Richtung Vizemeisterschaft. Im allgemeinen Freudentaumel über die famose Saison ging der Abschied eines herausragenden Spielers fast unter. Als Abwehrrecke Tim Dietrich in der 59. unter dem braven Applaus der Fans das Feld verließ, wussten wohl die wenigsten, dass es ein Abgang für immer sein würde.
Weil die Vertragsverhandlungen mehrerer Akteure nicht abgeschlossen sind, gab es vor der Partie nämlich keinerlei Abschiedsblumen – auch nicht für Dietrich. Doch der 22-Jährige aus Sachsen-Anhalt, der in der Jugend über Magdeburg in Bremen landete und im Vorjahr für den Halleschen FC spielte, bestätigte im Gespräch mit unserer Zeitung seinen Abschied. „Es war ein tolles Jahr in Emden, aber ich werde mein Glück woanders versuchen.“
Dietrichs neuer Klub unklar
Und wohin zieht es den Emder „Musterschüler“ der Saison?. „Das steht wirklich noch nicht fest.“ Mehrere Anfragen liegen ihm offenbar vor – auch aus der 3. Liga, wie er bestätigte. Aber einen Vertrag gäbe es noch nicht. „Das wird alles in den nächsten Wochen passieren.“ Dietrich ragte in dieser Saison oftmals beim BSV als Säule in der Abwehr heraus. Gegen Norderstedt machte er seine Sache als Außenverteidiger ebenfalls gut.
Unumstrittener Kickers-Mann des Tages war aber ein anderer. Kapitän Tido Steffens rackerte in der Offensive, verteilte die Bälle, konnte mehrfach nur durch Fouls gestoppt werden und erzielte zwei wunderschöne Kopfballtore. „Das wurde auch mal Zeit. Ich hatte zu Hause schon lange nicht getroffen“, sagte er lächelnd. Nach seiner Gala-Vorstellung und den Saisontreffern Nummer elf und zwölf dürfen sich die Fans auf ein weiteres Jahr mit dem Großheider Stürmer freuen, weil beim neuen Vertrag nur noch „Kleinigkeiten“ mit dem Chef zu klären seien. „Ich werde in den nächsten Tagen mit Henning Rießelmann darüber sprechen.“
Kopfballtore von Steffens
Am Samstag musste Steffens erstmals in dieser Saison vor dem Anpfiff eine kleine Schlappe hinnehmen. Der Gast gewann nicht nur die Seitenwahl, sondern entschied sich auch noch, zunächst Richtung Nordseehalle zu spielen. Während Kickers in jedem Heimspiel dieser Serie nach der Pause auf das Heimtor mit den Fans an der Seite stürmte, war es diesmal andersherum. Steffens traf früh ins Emder Lieblingsnetz. Weil Einwurf-König David Schiller zunächst nur auf der Bank saß, warf Tobias Steffen bis in den Torraum. Den einmal aufprallenden Ball köpfte Steffens überlegt ins Netz (8.).
Nur fünf Minuten später traf auf der anderen Seite Nick Selutin ebenfalls per Kopf zum 1:1. Danach waren die Emder zumeist am Drücker. Die Riesenchance zum 2:1 vergab Mika Eickhoff, der alleine aufs Tor zulief und dann einen missglückten Querpass zu Steffen spielte. Nach dem Wechsel wurde die BSV-Übermacht immer stärker. Zunächst traf zwar Gäste-Akteur Jonas Behounek aus spitzem Winkel nur den Pfosten, danach verbrachte aber BSV-Keeper Isaak Djokovic einen geruhsamen Nachmittag. Auf der anderen Seite sorgte Tido Steffens nach einer Maßflanke von Julian Stöhr mit dem Kopfballtor zum 2:1 für Partystimmung im Stadion. Weitere Großchancen ließ Kickers ungenutzt, ehe Kai Kaissis in der 91. Minute nach einem abgewehrten Eckball aus 16 Metern sehenswert das 3:1 erzielte. Es war ein prächtiger Heim-Schlusspunkt einer starken Kickers-Saison 2024/2025.
Spaß an dem Fußballspektakel bei praller Sonne hatten übrigens auch der souveräne Schiedsrichter Marco Scharf (Cuxhaven) und seine Assistenten. Denn er kannt ganz andere Kickers-Verhältnisse. Zuletzt leitete Scharf in Emden das legendäre Matschspiel im Herbst 2023 auf verkleinertem Spielfeld gegen TuS Bersenbrück (4:3 für Kickers). „Darauf bin ich noch häufig angesprochen worden“, sagte er Samstag nach dem Abpfiff. „Fast alle Reaktionen waren positiv.“
Irgendwie gefällt es ihm in Emden. Weil Cuxhaven ein paar Kilometer zu nahe an Emden liegt, bekam das Gespann vom Verband aber kein Hotelzimmer gestellt. „Vielleicht suchen wir uns trotzdem spontan ein Zimmer“, sagte er. „Der Verein, die Stadt und die Menschen hier sind so nett.“ Und weil der BSV Kickers auch noch gewonnen hatte, herrschte überall beste Stimmung auf dem Stadiongelände.
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