2. Etappe im Zeichen der Liebe Morgens Hochzeit – abends Ossiloop
Die Zweisamkeit stand im Mittelpunkt der 2. Etappe. Es startete ein frisch vermähltes Paar und Organisator Edzard Wirtjes mit Ehefrau Heike Dirks am 27. Hochzeitstag. Für Wirtjes war es ein Comeback.
Hesel - Der Ossiloop stand am Freitag bei der 2. Etappe von Holtland nach Gut Stikelkamp ganz im Zeichen der Zweisamkeit. Dabei spielten zwei Pärchen die Hauptrolle. Organisator Edzard Wirtjes ging erstmals seit 19 Jahren selber wieder an den Start, weil er am 27. Hochzeitstag seine Frau Heike Dirks auf der Strecke begleiten wollte. Ein anders Paar lief sogar ganz frisch via Ossiloop in den Hafen der Ehe ein. Maximiliane und Heye Erchinger hatten sich am Vormittag in Bunde das Jawort gegeben und stellten ihre Ehe am Abend sogleich auf eine läuferische Probe.
„Ich konnte doch meine Frau beim Ossiloop heute nicht alleine lassen“, sagte Heye Erchinger lächelnd. Seine Gattin ist passionierte Läuferin und will alle sechs Etappen meistern. Der Ehemann gesellte sich am Freitag als Tagesläufer zu ihr und begleitete sie über die 8,6 Kilometer lange Strecke, auf der das frisch vermählte Paar von den Zuschauern am Rande gefeiert wurden.
Oldigs siegte nur knapp
Ein bisschen Paarlauf gab es auch an der Spitze. Favorit Tammo Oldigs (Ihrhove) rang in 27:45 Minuten Tim Veith (MTV Aurich, 27:47) nur um zwei Sekunden nieder. Dritter wurde Johannes Wiltfang (OBW Emden), der in 28:04 Minuten auch nicht weit zurück lag.
Schnellste Frau war in 32:59 Minuten erneut Verena Coordes (TuS Weene), die erst im November Mutter einer Tochter geworden war. Sie gewann vor Daniela Ruth (Altenoythe, 35:52) und Frauke Bunter (Bunde, 36:04).
Liebe des Brautpaars begann in Göttingen
Doch am glücklichsten und natürlich weitaus später erreichte das Brautpaar das Ziel. Während Heye Erchinger (27) ein echter Ostfriese ist, stammt „seine“ Maximiliane (29) aus Leipzig. Beide studierten in Göttingen – sie Medizin, er Agrarwissenschaften – und lernten sich dort kennen und lieben. Nun folgte die Krönung der Liebe und am Tag nach dem Laufabend gibt es die große Hochzeitsfeier.
Schon weit länger währt die Liebe von Edzard Wirtjes und Heike Dirks. Chef-Organisator Edzard Wirtjes gönnte es sich, erstmals seit 2006 selber wieder zu starten – seiner Frau Heike zuliebe. „Ich hoffe, ich schaffe es“, unkte Wirtjes. Seite an Seite legte das Paar ganz locker die Strecke zurück und wurde im Ziel frenetisch gefeiert.
Weite Anreise für den Ossiloop
Ein rühriges Paar war beim Ossiloop auch schon bei der ersten Etappe dabei: Wolfgang und Hans-Jürgen Sattler. Hans-Jürgen (Jahrgang 1953) war dafür extra aus der Gemeinde Bosau in Schleswig-Holstein angereist. „Ich wollte mit meinem Bruder Wolfgang noch einmal zusammenlaufen – egal welchen Lauf. Da habe ich dann auch an Ostfriesland gedacht“, hatte der Tagesläufer am Dienstag seinen Start und seinen Kurzbesuch in Leer erklärt.
Sein 78-jähriger Bruder, der zu den insgesamt sechs Teilnehmern gehört, die in den 40ern geboren wurden, ist schon seit Jahren passionierter Ossilooper (166 Etappen). Vielleicht machte am Dienstag diese Routine den Unterschied. „Obwohl ich älter bin, war ich etwas schneller als mein Bruder“, erzählt er am Freitag vor dem Start. Die zweite Etappe nach Gut Stikelkamp legte Sattler ohne familiäre Begleitung zurück.
Begeisterung für den Sport ungebrochen
Auch außerhalb des Kultlaufs sind die Sattlers sportlich sehr aktiv – und engagiert. Wolfgang Sattler gehörte 1967 den Gründern von Eintracht Nüttermoor und ist seitdem ununterbrochen Schriftführer des Sportvereins. Vermutlich ist das ein Ostfriesland-Rekord. Wer bekleidet ein und denselben Posten im Sportverein sonst schon seit 58 Jahren?
Sattler organisierte auch den früheren Nüttermoorer „Bölkpahllauf“. Seit über zehn Jahren hilft er zudem im „Freundeskreis Sukuta-Moormerland“ mit, ein Verein, der sich für bessere Bildungschancen in Sukuta (Gambia) einsetzt. Für dieses breite Engagement bekam er im Jahr 2023 den „Blinkfüür“-Ehrenamtspreis des Landkreises Leer verliehen. Auch Bruder Hans-Jürgen ist in seiner schleswig-holsteinischen Heimat umtriebig. Er absolviert beim Bosauer Verein regelmäßig seine Sportabzeichen und sitzt im Ehrenrat.
In Gewerkschaft und Politik aktiv
Doch nicht nur für den Sport schlagen die Herzen der Sattlers. Die beiden sind auch politisch aktiv. Wolfgang, der mittlerweile in Leer-Loga wohnt, ist seit über 15 Jahren Mitglied der SPD. Darüber hinaus war er viele Jahrzehnte im Kreisvorstand der Deutschen Postgewerkschaft, später Verdi, aktiv. Bruder Hans-Jürgen – ehemaliger Gewerkschaftssekretär – engagiert sich als Schiedsperson, sitzt im Seniorenbeirat seines Wohnorts Kleinneudorf (Gemeinde Bosau) und ließ sich im Jahr 2023 sogar von der SPD als parteiloser Kandidat für die Gemeindewahl aufstellen.
Die Schiedspersonen sind Deutschlands älteste Institution der vorgerichtlichen Streitschlichtung. Dabei handelt es sich um gewählte Frauen und Männer, die ehrenamtlich für bürgerliche Rechtsstreitigkeiten zuständig sind. Sie sind da, wenn sich Nachbarn über herüberragende Äste und Zweige streiten oder wenn jemand beleidigt wird.Was sind Schiedspersonen?
Wolfgang Sattler, der beim Ossiloop für Fortuna Logabirum an den Start geht, legte die weiteren Wege zurück – zumindest im Sport. Er absolvierte 65 Marathons. Die Hamburger Ausgabe im Jahr 2002 lief der Leeraner in 4:06 Stunden. Ist der Ossiloop dann nicht Kinderkram? „Früher haben wir gedacht, das ist ein bisschen was zum Auslaufen. Aber heute muss ich das ernst nehmen, um vernünftig durchzukommen“, räumt der 78-Jährige ein. Natürlich schaffte er es auch am Freitag und gehörte genauso zu den Siegern wie die schillernden Pärchen. Die Frage, ob er seine Laufschuhe für alle sechs Etappen schnürt, beantwortet er lachend: „Davon gehe ich aus. Sonst hätte ich mich nicht angemeldet.“
Zweite Ossiloop-Etappe – der Liveblog zum Nachlesen