Coordes und Oldigs vorne Gerade Mama – und schon wieder Ossiloop-Siegerin
Die erste Etappe des Ossiloops führte von Logabirum nach Holtland. Erstmals in vier Jahrzehnten war nur ein Läufer der Familie Steinke am Start.
Leer/Holtland - Das hat es in 43 Jahren Ossiloop auch noch nicht gegeben: Gut fünf Monate nach der Geburt ihres ersten Kindes lief die Mama zum Auftakt des Sechs-Etappen-Laufs als strahlende Siegerin ins Ziel. Vorjahressiegerin Verena Coordes (TuS Weene) brachte im November Töchterchen Lisan zur Welt. „Vier Wochen später habe ich schon wieder mit dem Laufen angefangen.“ Und anscheinend befindet sie sich schon nahe der Bestform, denn sie hatte nach 10,6 Kilometern von Logabirum nach Holtland in 40:59 Minuten riesigen Vorsprung vor Daniela Ruth (Altenoythe, 44:13). Enger war es bei den Männern. Es siegte Favorit Tammo Oldigs (Concordia Ihrhove, 34:14 Minuten) 16 Sekunden Vorsprung vor Johannes Wiltfang (OBW Emden) und Tim Veith (MTV Aurich, 34:59).
Trotz Mutterglücks und Ossiloop-Siegs fiel Verena Coordes die erste Etappe gar nicht so leicht. „Ich bin die ganze Zeit alleine gelaufen und habe mich ganz schön gequält.“ Vor dem Rennen mussten die Eltern der kleinen Lisan erst einmal die Betreuung der Tochter organisieren. „Der Vater ist Fußballer und hat zum Glück trainingsfrei bekommen.“ So konzentrierte sich Kicker Helge Janssen (SV Großefehn) am Abend aufs Baby statt auf den Ball. Und Verena Coordes übte ihr sportliches Hobby wieder mal mit Erfolg aus.
Tammo Oldigs hat einen starken Gegner
Wie Coordes war auch Männersieger Tammo Oldigs mit seinem Auftritt nicht restlos zufrieden. „Ich hatte richtig schwere Beine“ räumte der 24-Jährige ein. So ließ sich der Pewsumer Johannes Wiltfang nicht weit distanzieren. „Ich bin in einer Superform“, sagte Wiltfang. Auf Platz drei überraschte Nachwuchsläufer Tim Veith (MTV Aurich). „Vor zwei Jahren war ich schon mal Sechster und steigere mich nun immer weiter.“
Insgesamt gingen am Dienstag 1669 Läufer ins Rennen (davon waren 116 Tagesläufer und 61 Athleten ohne Zeitmessung). Darunter war erstmals in der Geschichte des Kultlaufs von Leer ans Meer nur einziger Athlet namens Steinke. Die Familie prägte bis heute den Ossiloop. Am Dienstag ging aber Peter Steinke als Einziger an den Start. Der Bruder war auf Reisen. Die Eltern hatten kürzlich ihren Abschied vom Ossiloop erklärt.
Steinkes weiterhin vertreten
Gemeinsam bringt es die vierköpfige Familie auf über 870 Etappen. Immer mit dabei seit dem Start des damaligen Ostfrieslandlaufs 1982 im Leeraner Julianenpark waren Mutter Hilde Steinke und Vater Dietrich. Hilde, die von vielen liebevoll „Königin des Ossiloops“ genannt wird, lief fünfmal als Gesamtsiegerin der Frauen über die Ziellinie.
Nachdem das „Königspaar“ nun die Ossiloop-Laufbahn beendete und Bruder Rolf nicht vor Ort war, geht es 2025 für Prinz Peter nun allein ins Getümmel. Auch er ist ein alter Hase im Ossiloop-Geschäft. Bereits ein Jahr nach Gründung des Laufs absolvierte der damals 13-Jährige die Laufstrecke zwischen Leer und Bensersiel und denkt noch lange nicht ans Aufhören. „Solange ich gesund und fit bin, steht dem nichts im Weg“, erklärt der Mann vom SV Warsingsfehn.
Der schnellste Schornsteinfeger Ostfrieslands
Der Moormerländer ist ein Lauf-Multitalent. Er gewann auch Medaillen bei den Europa- und Weltmeisterschaften im Berglaufen. Ungewöhnlich für einen Ostfriesen. Höhe habe ihn aber schon immer gereizt. Ein Reiz, der sich auch in Steinkes Berufswahl widerspiegelt: Seit über 35 Jahren arbeitet er als Schornsteinfeger und betreut den Bezirk von Neermoor bis Petkum/Widdelswehr, sowie die Hälfte von Borkum, wo er gerne in den Dünen laufen geht.
Extra-Vorbereitungszeit für den Ossiloop braucht der trainierte Sportler demnach nicht. „Ich bin im Grunde fast jeden Tag unterwegs, auch an Wochenenden und Feiertagen. Da gehen im Jahr schon mal fünf bis sechs Laufschuhe drauf“, berichtet Steinke, der auch am ersten Ossiloop-Tag als Schornsteinfeger die Stellung hielt. „Heute Vormittag war ich noch unterwegs, nachmittags gibt’s ein bisschen Bürokram.“
„Das wird ganz gemütlich“
Insgesamt neun Siege konnte Peter Steinke beim Ossiloop bereits davontragen, viermal in der Jugendklasse und fünfmal bei den Männern. 1993 und 1996 gewann er zusammen mit Mutter Hilde. Der letzte Sieg liegt jetzt aber bereits 25 Jahre zurück. Trotzdem blickt Steinke auf den diesjährigen Ossiloop mit großer Vorfreude. „Ich habe richtig Lust! Wenn man dann noch so ein Wetter hat, was will man mehr?!“
Angefeuert wird Prinz Peter selbstverständlich vom „Königspaar“ höchstpersönlich. Diese kommen für den Sohnemann außerdem als Fahrdienst zum Einsatz. Vor Ort sind die Lauf-Legenden Hilde und Dietrich Steinke bekannt wie bunte Hunde. „Der Ossiloop hat immer ein ganz besonderes familiäres Flair, da kommt man einfach gut ins Schnacken“, beschreibt Sohn Peter die Atmosphäre vor Ort. Und so schnackten denn im Ziel nicht nur die Sieger und die Steinkes, sondern die ganze Ossiloop-Familie, die am Dienstag aus fast 1700 Sportlern bestand.
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