Unruhe am Ellernfeld Claudio Casto geht jetzt definitiv – zerfällt Aurichs Team nun?
Nach der verkündeten Trennung sah es zwischenzeitlich so aus, als könnte der Coach doch vielleicht bleiben. Doch nun sind Fakten geschaffen. Einige Spieler stehen vor dem Absprung.
Aurich - Die aufregenden Tage bei der SpVg Aurich gehen weiter. Nachdem es zuletzt Signale gab, dass es beim verkündeten Sommer-Abschied von Claudio Casto nochmal eine „Rolle rückwärts“ geben könnte, hat der starke Mann der Bezirksliga-Mannschaft nun Fakten geschaffen. „Ich will dieses Hin und Her nicht mehr. Ich werde Aurich im Sommer definitiv verlassen“, erklärte er am Donnerstagvormittag im Gespräch mit unserer Zeitung.
Am späten Mittwochabend, 16. April, hatte er die Entscheidung für sich getroffen, den Vorsitzenden Ralf Dreiling per Handy-Nachricht informiert und der Mannschaft um Mitternacht eine lange und emotionale Botschaft in die Whats-App-Gruppe gesendet. „Heute fällt es mir unglaublich schwer, diese Zeilen zu schreiben – denn sie markieren das Ende eines Weges, der mir mehr bedeutet hat als Worte je ausdrücken können. Ich werde der SpVg Aurich nicht mehr als Trainer zur neuen Saison zur Verfügung stehen“, schrieb der Trainer der 1. Herren, der sich auch um die Kaderplanung und einige Sponsoren gekümmert hat.
Aufschwung in wenigen Monaten
Es sei die schmerzhafteste Niederlage, die er im Fußball je erlebt habe. „Ich habe bis zuletzt gehofft, dass es weitergehen kann. Dass wir einen Weg finden. Doch was kaputt ist, lässt sich nicht immer reparieren.“
Am Mittwoch, 9. April, hatte es eine Sitzung mit dem Vorstand, dem inzwischen auch zurückgetretenen Sportlichen Leiter Steffen Reifschneider und Casto gegeben. Nach dem Treffen verkündete der Verein überraschend die einvernehmliche Trennung zum Sommer. Dabei hatte sich Aurich in anderthalb Jahren unter Casto und dank neuer Finanzkraft mit vielen neuen Spielern vom Abstiegskandidaten zum Titelkandidaten entwickelt.
Ärger um Trainingszeiten
„Unterschiedliche Auffassung der strategischen Ausrichtung“ wurde vom Verein als ein Grund genannt – laut Casto hing es für ihn an einer Sache, die für den impulsiven Coach das Fass zum Überlaufen brachte. „Wenn man nicht bereit ist, die Trainingszeit einer Herren-Mannschaft von 19.30 Uhr auf 19 Uhr vorzulegen, ist das sehr schade und wenig wertschätzend. Für manche Leute mögen 30 Minuten wenig sein – für mich als jemand mit drei Restaurants, zwei kleinen Kindern und dem Weg zurück nach Emden ist das viel.“
Dass das Innenverhältnis zwischen der starken Frauen-Abteilung mit großem Jugend-Apparat und den aufstrebenden Männern nicht das Beste war oder noch ist, wurde schon Anfang der Saison bei der Jahreshauptversammlung deutlich. Die fand wegen des großen Zulaufes im Stadion statt im „Hattrick“ statt. Die Männer konnten ihren Kandidaten für den Vereinsvorsitz nicht durchsetzen. Auf offener Bühne wurde der Machtkampf ausgetragen.
Trennung - oder doch nicht?
Zurück in den „wilden April“: Die Trennung von Trainer Casto wurde dann am 10. April öffentlich kommuniziert – „durch“ war das Thema damit noch nicht. Eine Petition von Casto-Befürwortern aus dem Verein sorgte für den Rücktritt von Reifschneider und weitere Unruhe. Casto wiederum hatte Hoffnungen, vielleicht doch noch zu bleiben und teilte dies auch den Spielern mit. Auch der Verein sendete Signale, dass man vielleicht wieder zueinander finden würde. Sogar noch am Mittwoch – doch einen Tag später ist das Thema nun erledigt. „Die Spieler brauchen auch Klarheit. Ich wollte nun für mich und die Jungs dafür sorgen“, so Casto.
Am Mittwoch, 16. April, hatte der TuS Pewsum Dirk Frerichs – eine Säule im SpVg-Spiel – als Neuzugang für den Sommer verkündet. Ursprünglich wollte er bleiben. Zudem zerschlug sich nach Informationen unserer Zeitung auch die Verpflichtung eines Sportlichen Leiters für die 1. Herren und Casto-Vertrauten.
Viele Abgänge drohen
Am späten Abend traf der Gastronom dann die Entscheidung, die den Vorsitzenden Ralf Dreiling im Urlaub erreichte. Sein Telefon stand seit 7.15 Uhr am Donnerstag nicht mehr still. „Das ist kein Urlaub mehr“, schnaufte der Vereinschef, der nach Ostern sich der nun drängenden Themen annehmen will. Wer wird Trainer? Wer wird Sportlicher Leiter? Und was passiert mit dem Kader?
Der könnte nun auseinanderbrechen. Viele Spieler hatte Casto selber nach Aurich geholt, sie mit einer sportlichen Perspektive und anderen Dingen gelockt. Ein Klaas Folkerts, ein Keno Buß oder auch ein Nico Möhle sind allesamt umworben – und im Sommer vermutlich weg. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es aber auch Spieler, die mit der impulsiven Art von Trainer Casto nicht klar kamen. Aber selbst diese Fraktion „grübelt“ nach dem Theater der vergangenen Tage nun, ob ihre Zukunft noch am Ellernfeld ist.