Rekorde purzelten Janssen mischt bei irrer Weltrekord-Show in USA vorne mit
Im US-Städtchen Ramona bläst der Wind permanent. Auf einer Wiese ohne Stadiontribünen segeln die Diskusscheiben so weit wie sonst nirgendwo. Das nutzte auch Ostfriese Henrik Janssen zu einem Rekord.
Oklahoma/Magdeburg - Das kleine Städtchen Ramona im US-Bundesstaat Oklahoma entwickelt sich zur Lieblingsstätte der besten Diskuswerfer der Welt. Dort weht der Wind so heftig, dass Kopfbedeckungen kaum zu halten sind und Diskusscheiben einfach nicht mehr landen wollen. Und dort gibt es eine Brachland-Wiese ohne jegliches Tribünengerüst, das den tragenden Wind abhalten könnte. Am Sonntag schrieben an diesem skurrilen Ort die Diskuswerfer ein Stück Sportgeschichte. Im besten Wettkampf aller Zeiten gab es nicht nur einen neuen Fabelweltrekord, sondern auch Bestmarken fast aller Athleten. Auch der Ostfriese Henrik Janssen (SC Magdeburg) steigerte seinen persönlichen Rekord (67,43 Meter) um zweieinhalb Meter. 69,94 Meter lautet seit Sonntag die Bestmarke des Ostfriesen.
Damit erfüllte der 2,04 große Muskelprotz früh im Jahr die Norm für die Weltmeisterschaft in Tokio im September. „Ein bisschen traurig bin ich schon, dass ich die 70 Meter nicht geknackt habe, aber über eine Steigerung um zweieinhalb Meter kann ich mich nicht beklagen.“
Erster Athlet über 75 Meter
Insgesamt sechs Athleten übertrafen die magische 70-Meter-Grenze. Der Litauer Mykolas Alekna übertraf mit dem neuen Weltrekord von 75,56 Metern sogar als erster Athlet der Geschichte die 75-Meter-Marke. Nicht weit dahinter auf Rang zwei landete der Australier Matthew Danny (74,78 Meter). Hinter dem US-Amerikaner Sam Mattis (71,27) auf Platz drei landete mit 71,01 Metern Janssens Trainingskumpel Clemens Prüfer (OSC Potsdam).
Nach seiner Landung am Dienstagmorgen in Frankfurt war Henrik Janssen noch geplättet von der Weitenjagd in Ramona. „Die Bedingungen waren völlig irre“, sagte er. „Wir hatten super Wind. Die Dinger sind völlig abgegangen“, erklärte er auch seinen gigantischen Wurf auf 69,94 Meter. Damit belegte er in der A-Gruppe den sechsten Platz lag aber noch sieben Zentimeter hinter dem deutschen B-Gruppen-Sieger Mika Sosna (Bergedorf, 70,01). Die überragende Leistung der deutschen Athleten komplettierte Steven Richter (LV Erzgebirge) mit 69,61 Metern und der insgesamt neuntbesten Weite.
WM-Norm erfüllt
Henrik Janssen wusste aber hinterher die sensationellen Würfe realistisch einzuschätzen. „Die 70 Meter wird man in Deutschland erstmal so nicht werfen. Solche Bedingungen hatten wir alle noch nie.“
Der 26-jährige Norder ist auf jeden Fall froh, dass er die vom Verband geforderte Weite für einen WM-Start in Tokio schon übertroffen hat. „Anfang April die Norm abgehakt – das war der Plan.“
Nun beginnt für ihn und seine Mitstreiter schon so allmählich die Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften Anfang August in Dresden. Nach den Resultaten von Ramona könnte es ein hochklassiger Wettkampf werden, aber vermutlich kein 70-Meter-Festival. Denn in Sachsen weht ein anderer Wind als in Oklahoma.