Mit 80 noch kein E-Bike  Ossiloop-Ära endet – Steinkes sagen Tschüss

| | 08.04.2025 16:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das „Königspaar“ des Ossiloops verlässt gut gelaunt den Thron. Hilde und Dietrich Steinke prägten den Lauf seit 1982. Fotos: Ortgies
Das „Königspaar“ des Ossiloops verlässt gut gelaunt den Thron. Hilde und Dietrich Steinke prägten den Lauf seit 1982. Fotos: Ortgies
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Die beiden Ossiloop-Rekordläufer waren seit der Premiere 1982 mit dabei. Sie bleiben sportlich aktiv: als Läufer, bei Tischtennis-Punktspielen und als fleißige Radfahrer – ohne E-Bike.

Warsingsfehn - Der Ossiloop bewegt seit 43 Jahren die Region. 44.112 Sportler haben ihn gemeistert. Der Lauf produzierte zahllose Sieger und Helden. Aber es gab nur ein wirkliches „Königspaar“. Hilde und Dietrich Steinke aus Warsingsfehn prägten den Sechs-Etappen-Lauf durch Ostfriesland vom ersten Startschuss 1982 im Leeraner Julianenpark bis heute. Nun endet die Ossiloop-Ära des wohl populärsten Laufpaares aus Ostfriesland. Die Steinkes sagen Tschüss.

Die vier Steinkes (hier 2014) schnürten mit Freude die Laufschuhe beim Ossiloop. Das Foto zeigt (von links) Hilde, Peter, Rolf und Dietrich Steinke.
Die vier Steinkes (hier 2014) schnürten mit Freude die Laufschuhe beim Ossiloop. Das Foto zeigt (von links) Hilde, Peter, Rolf und Dietrich Steinke.

Hilde Steinke absolvierte als einzige bis 2023 sämtliche 252 Etappen und feierte bis 1996 fünf Gesamtsiege. Ehemann Dietrich lag jahrzehntelang in der Etappenstatistik um einen Abschnitt hinter der Gattin zurück, überholte sie aber im Vorjahr bei der Zwangspause der Ehefrau und hat nun 257 Etappen gemeistert. Jetzt aber steigt das Ossiloop-Königspaar vom Thron.

Abschied ohne Trauer

„Es ist vorbei“, sagt Hilde Steinke. „Ich wollte nie mit 80 noch durch Ostfriesland laufen. Diese Altersgrenze habe ich nun erreicht.“ Im Vorjahr hinderte sie eine Leistenverletzung am Start, nun ist es die 80 und die Vernunft. „Ich mache endgültig Schluss und bin überhaupt nicht traurig.“ Ehemann Dietrich beendet mit 83 ebenfalls das schönste Lauf-Kapitel seines Lebens. „Ich bin einfach zu langsam geworden und will nicht am Ende des Feldes hinterherlaufen.“ Eine Blutanomalie lässt eine höhere Leistung und höheres Tempo nicht mehr zu. Doch damit verschwindet der Name Steinke noch lange nicht aus den Ergebnislisten. Die Söhne Peter und Rolf sind längst in die Fußstapfen der Eltern getreten.

Die Eltern sind höchst dankbar für mehr als vier Ossiloop-Jahrzehnte und einzigartige Erlebnisse. „Eigentlich war der erste Lauf 1982 der allerschönste“, sagt Dietrich Steinke. „Da war es gemütlich.“ Am 1. Juni 1982 starteten in Leer gerade einmal 28 Läufer. Der mittlerweile verstorbene Klaus Beyer (Holtland) hatte die Idee zu diesem Etappenlauf über rund 70 Kilometer von Leer bis ans Meer (Bensersiel). „Klaus hat im Julianenpark den Startschuss abgegeben und ist dann selber mitgelaufen“, erinnert sich Hilde Steinke ans erste Mal.

Kuchenpause 1982 kurz vor Dunum

Sie und ihr Mann gehörten 1982 zu einer Jheringsfehner Sechs-Personen-Clique. Zeiten und Ergebnisse waren nebensächlich. Bei der 5. Etappe legte das Fehntjer Sextett sogar eine Pause ein und setzte sich kurz vor Dunum ganz einfach an den Straßenrand. „Ich hatte Tee mitgenommen und andere hatten Kuchen dabei“, erinnert sich Hilde Steinke. Trotz der Teepause belegte die „Königin“ am Ende Rang zwei.

Hilde Steinke (hier 2018) erreichte immer als Erste neue Etappen-Rekorde.
Hilde Steinke (hier 2018) erreichte immer als Erste neue Etappen-Rekorde.

1983 ging der dritte Steinke an den Start. „Im Jahr zuvor hatten es meine Eltern noch verboten, weil ich erst zwölf alt war“, sagt der heute 55-jährige Peter Steinke. Mit 13 erhielt er dann die Starterlaubnis. Wie seine Mutter brachte er es auf fünf Gesamtsiege. 1993 und 1996 triumphierten Mutter und Sohn sogar gemeinsam. Peter (210 Etappen) und Rolf (151) bringen es gemeinsam mit den Eltern auf 870 Steinke-Etappen beim Ossiloop.

Fahrradunfall mit Folgen

Vater Dietrich verpasste nur einen einzigen Teilabschnitt. 1991 hatte er einen Fahrradunfall, dessen Folgen ihn ein Ossiloop-Leben lang begleiteten. „Ich war am Samstag noch im Krankenhaus und bin am Dienstag nicht gestartet“, erzählt er. „Damals wusste ich ja nicht, dass der Ossiloop mal so etwas Großes wird.“ So entstand der Ein-Etappen-Rückstand auf seine Frau. „Darauf wurde ich immer wieder angesprochen – jahrzehntelang.“

Die Etappenzählerei war nicht so sehr die Sache der Steinkes. Das haben andere in den Mittelpunkt gerückt. Das Ehepaar genoss vielmehr die vielen Kontakte in der Ossiloop-Familie und den Spaß an der Bewegung. Sportlich aktiv bleiben die Steinkes weiterhin. Beide bestreiten für Concordia Neermoor noch Punktspiele im Tischtennis. Beide sind zudem montags und freitags im Stikelkamper Wald mit Freunden noch im gemütlichen Laufschritt unterwegs. Und obendrein gehören Radtouren von 10 bis 30 Kilometern zu ihrer Freizeitbeschäftigung. „Ich fahre 300 Kilometer im Monat“, betont Dietrich Steinke – ohne Antriebshilfe wohl gemerkt. „Bei uns gibt es kein E-Bike“, sagt die Ehefrau lächelnd.

Den Lauf durch Ostfriesland werden die beiden künftig am Straßenrand oder im Ziel verfolgen und zudem als Fahrdienst für die Söhne zur Verfügung stehen. Das „Königspaar“ gehört also weiter zur Ossiloop-Familie. Nachfolger kann es ohnehin nicht geben. Hilde und Peter Steinke sind und bleiben die einzigen, die die komplette Ossiloop-Geschichte von der Premiere 1982 bis in die heutige Neuzeit mitgemacht haben.

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