Brandschutz in der Stadt So sind die Feuerwehren in Leer aufgestellt
217 Einsatzkräfte haben die Feuerwehren in Leer. Ist das für die Aufgaben ausreichend? Wann sind sie verfügbar und wie sind die Feuerwehrhäuser ausgestattet? Diese Fragen wurden nun beantwortet.
Leer - Wenn es in der Stadt Leer brennt oder beispielsweise technische Hilfe nach einem Verkehrsunfall benötigt wird, sind die Mitglieder der Feuerwehren schnell vor Ort. Damit sie auch weiterhin ihren Aufgaben nachkommen können, wird regelmäßig überprüft, was gut läuft und was noch verbessert werden könnte. Die Stadt Leer hatte jetzt wieder eine sogenannte Feuerwehrbedarfsplanung in Auftrag gegeben. Ein knappes Jahr lang hat die Firma „Lülf+ Sicherheitsberatung GmbH“ aus Viersen daran gearbeitet. Jetzt wurden die Ergebnisse im Feuerwehr- und Marktausschuss vorgestellt. Wir fassen die wichtigsten Erkenntnisse der Planung und der dortigen Diskussion zusammen.
Wie viele Feuerwehren gibt es im Stadtgebiet und wie viele Mitglieder sind dort aktiv?
Es gibt die Ortswehren Bingum, Heisfelde, Leer, Loga und Nüttermoor. Insgesamt sind dort 217 Einsatzkräfte aktiv, sagte Stadtbrandmeister Jan Doosje bei der Vorstellung seines Jahresberichts. Hinzu kommen 83 Mitglieder der fünf Jugend- und 76 Mitglieder der beiden Kinderfeuerwehren. Außerdem sind 67 Personen in den Altersabteilungen. In allen Bereich gab es einen Anstieg.
Wie viele Einsätze gab es 2024?
Die Feuerwehren rückten zu 496 Einsätzen aus, darunter 98 Bränden und 131 Hilfeleistungen. In 112 Fällen handelte es sich um Fehlalarme.
Welche Daten sind für die Feuerwehrbedarfsplanung relevant?
Unter anderem wurde sich das Gefahrenpotenzial angeschaut und das Stadtgebiet in verschiedene Planungsklassen eingeteilt. Diese gingen von Klasse 1, in der es überwiegend offene Bauweisen gab und Gebäude mit geringer Höhe (beispielsweise in Heisfelde, Bingum und Loga) bis hin zu Klasse 3, in der es eine größere Anzahl hoher Gebäude und eine teilweise geschlossene Bauweise gibt (Nesse, Altstadt, Bereich ums Klinikum).
Auch die Verkehrswege, Gewässer sowie besondere Objekte wie Pflegeheime, Krankenhäuser, Hotels oder kritische Infrastruktur, sowie Gebäude, die eine Drehleiter erforderlich machen, wurden berücksichtigt. Darüber hinaus wurde auch das Einsatzgeschehen in der Vergangenheit sowie die Verfügbarkeit von aktiven Mitgliedern betrachtet. „Das Aufgabenspektrum der Einsatzkräfte ist sehr vielfältig“, machte Frank Schmitz von der Firma „Lülf+“ deutlich. Es sei nicht mehr nur eine Feuerwehr, sondern eine Hilfswehr oder eine „Mädchen für alles“-Wehr.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?
An zwei Standorten sind Neubauten erforderlich. Während in Nüttermoor der Bau eines neuen Gebäudes für die Feuerwehr am Ortseingang bereits begonnen hat, ist man für die Leeraner Ortswehr noch auf der Suche nach einem Standort. Öffentlich wollte sich Bürgermeister Claus-Peter Horst im Ausschuss dazu nicht weiter äußern, da es sich um Grundstücksangelegenheiten handele. Neben dem Gebäude der Leeraner Ortswehr befindet sich auf der Nesse auch die Feuerwehrtechnische Zentrale des Landkreises. Diese wird nach Brinkum verlegt. Dort wird derzeit ein Schulgebäude abgerissen, um Platz für den Neubau zu machen. Die Fertigstellung ist allerdings erst 2028 geplant.
Für die weiteren Standorte werden kleinere Arbeiten oder Umbauten vorgeschlagen. Diese haben aber nicht die höchste Priorität.
Bei der Verfügbarkeit der Einsatzkräfte betonte Schmitz, dass Maßnahmen zur Mitgliedergewinnung und -förderung notwendig seien. Wegen der unterschiedlichen Wohn- und Arbeitsorte sind vor allem bei der Ortswehr in Heisfelde die Ausrückezeiten länger. Das Planungsbüro schlägt daher vor, temporär andere Ortswehren bei Einsätzen in diesem Stadtteil mit einzubinden, um die fehlenden Einsatzkräfte zu kompensieren.
Auch bei den Fahrzeugen werden insgesamt zehn Neuanschaffungen vorgeschlagen. Sieben davon werden allerdings bereits umgesetzt oder sind zumindest geplant. Nur drei Mannschaftstransportwagen fehlen noch.
Wie bewertet der Experte die Situation in Leer?
Bürgermeister Claus-Peter Horst wollte von Frank Schmitz wissen, wie die Stadt Leer im Vergleich zu anderen Städten dastehe. Das könne er so konkret nicht beantworten, sagte er. „Das Problem liegt in der Vergleichbarkeit.“ Andere Kommunen derselben Größe hätten vielleicht weniger oder mehr Ortsfeuerwehren, je nach Fläche. Es habe auch etwas mit dem Gefahrenpotenzial zu tun. Wenn es um die Ausrückezeiten geht, liege Leer zwar nicht unter den Top 10, sie sei aber auch nicht ganz unten. „Wenn ich hier übernachten würde, würde ich mich aber sicher fühlen“, sagte Schmitz. Da gebe es ganz andere Kommunen.
Wie bewertet die Feuerwehr ihre Situation?
Stadtbrandmeister Jan Doosje wies in seinem Jahresbericht darauf hin, dass die Feuerwehr eine kommunale Pflichtaufgabe sei. Die Zuständigkeit des Rettungsdienstes liege beim Landkreis, die Zuständigkeit für das THW beim Bund. „Die Stadt Leer sollte ihre ganze Kraft und Aufmerksamkeit ihrer Freiwilligen Feuerwehr widmen“, sagte er. Die Stadt sei auch nicht dazu verpflichtet Sportvereine zu unterstützen. „Wir kümmern uns um die Gewinnung von Mitgliedern, sorgen Sie dafür, dass sie auch bleiben“, sagte Doosje. Er forderte Anreize durch die Stadt zum Halten der Mitglieder. Wertschätzung und Anerkennung spiele bei der Feuerwehr eine wichtige Rolle. Dies sollte die Stadt gegenüber den Mitgliedern durch Veranstaltungen, Auszeichnungen und anderen Maßnahmen unterstreichen.
Die Vertreter der Politik betonten, dass sie durchaus immer wieder Wertschätzung gegenüber den Feuerwehren zeigen. Dass beispielsweise Vertreter der Politik zu Jahreshauptversammlungen kämen. Das sei bei Sportvereinen nicht so, sagte Heinz Dieter Schmidt (SPD). Ulf-Fabian Heinrichsdorff führte den Blaulichttag als ein Beispiel auf und wies auf den hohen finanziellen Anteil für die Wehren im Haushalt hin.
„Ich finde es nicht zielführend, wenn die Feuerwehr hier erneut eine Wertschätzung einfordert, stattdessen sollte sie anerkennen, dass es sie gibt“, sagte Bürgermeister Claus-Peter Horst. „Das ist sonst so wie ein Kind, dass die Mutter fragt: ,Hast du mich nicht mehr lieb?‘“. Man habe viele Dinge aus dem alten Feuerwehrbedarfsplan bereits abgearbeitet.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Feuerwehrbedarfsplan wurde zunächst im Ausschuss und am Donnerstag, 27. März 2025, von der Politik formell beschlossen. Er dient jetzt als Grundlage für weitere Maßnahmen.