Wie reagiert das Kickers-Team? Nach großer Unruhe im Umfeld wartet auf Emden das Topspiel
Hinter Kickers liegt eine turbulente Woche mit einem Ultimatum von Henning Rießelmann. Am Freitag steht wieder der Fußball im Fokus. Für Julian Stöhr ist die Partie beim Zweiten Drochtersen besonders.
Emden - Mit einer 4:0-Gala gegen Weiche Flensburg begeisterte der BSV Kickers Emden vor einer Woche. Doch die vergangenen Tage stand öffentlich nicht das folgende Topspiel beim SV Drochtersen/Assel an diesem Freitag (19.30 Uhr), 28. März 2025, im Fokus, sondern das Ultimatum vom strategischen Partner Henning Rießelmann. Der starke Mann im Vorder- und Hintergrund hat Dienstag nach innen und nach außen seinen Rückzug im Sommer angedroht, sollte der BSV Kickers die schon lange geplante Ausgliederung der Regionalliga-Mannschaft in eine GmbH bis Ende Mai nicht über die Bühne bekommen. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass alles geregelt wird und können das als Spieler auch ausblenden. Wir freuen uns auf das Topspiel“, sagt Defensivspieler Julian Stöhr.
Für ihn ist das Spiel beim SV Drochtersen/Assel eine Reise in die Vergangenheit. Der 27-Jährige hatte von Januar 2018 bis Sommer 2019 beim Klub im Landkreis Stade gespielt. Seine Zukunft sieht er weiter in Emden. „Ich bin mit Henning Rießelmann in guten Gesprächen bezüglich einer Vertragsverlängerung.“ In der Mannschaft gehen alle davon aus, dass die bereits in die Wege geleitete und für Henning Rießelmann zur Bedingung ausgerufene Ausgliederung bald vollzogen ist. Kickers-Vorsitzender Hendrik Poppinga hatte sich dahingehend dieser Tage auch positiv geäußert.
Stöhr und der SVA
So liegt der Fokus vom Tabellendritten klar auf dem Spiel beim Tabellenzweiten. „Ein absolutes Topspiel“, sagt Trainer Stefan Emmerling, der sich ungern an das Hinspiel im Ostfrieslandstadion erinnert. „Da haben wir ein gutes Spiel gemacht und leider ein schlechtes Ergebnis erzielt.“ Die kampfstarken Gäste zeigten sich im September effizient und siegten „mit der fast einzigen Chance“ (Emmerling) 1:0.
Dass der vormals „kleine“ SVA diese Saison soweit oben steht und sogar eine Drittliga-Lizenz beantragt hat, überrascht Ex-Drochtersen-Spieler Julian Stöhr nicht. „Sie haben einen guten Trainer, eine gute Mannschaft und sich auch im Sommer entsprechend verstärkt.“ Mit dem erst 35-jährigen Trainer Oliver Ioannou hat Stöhr damals noch zusammengespielt, ebenso mit dem Sportlichen Leiter Sören Behrmann. Die Chancen des SVA, den TSV Havelse noch von Platz eins zu verdrängen, sind minimal. Nach dem 0:0 im direkten Duell Anfang März gab es für Drochtersen in drei Spielen drei Punkte. Der Rückstand auf die Garbsener beträgt bei einem weniger ausgetragenen Spiel 14 Punkte.
„Gebe immer Gas“
Doch Mini-Hoffnungen bestehen nun nochmal. „Wir erwarten ein sehr intensives Spiel gegen die statistisch beste Defensive der Liga“, sagt Emdens Trainer Stefan Emmerling. Die Gastgeber haben erst 21 Tore kassiert, aber eben auch erst 30 geschossen. Der 1:0-Sieg im Hinspiel lässt grüßen.
Dort saß Stöhr 90 Minuten auf der Bank. Der Stammspieler aus der Oberliga-Meistersaison kam im ersten Regionalliga-Halbjahr meist von der Bank, stand nur viermal in der Startelf. Doch die Wintervorbereitung samt Testspiele nutzte der zweikampfstarke Defensiv-Allrounder für weitere Werbung in eigener Sache. Wobei er einschränkt: „Ich gebe immer Gas, im Training und im Spiel.“
Ein Emder fehlt
Während seine Flexibilität in der Hinserie mehr Fluch war, wurde sie nun zum Segen. Er stand in allen fünf Spielen in diesem Kalenderjahr in der Startelf, spielte viermal durch. Dabei agierte er als Linksverteidiger in der Viererkette und Dreierkette und auch einmal beim 2:1-Sieg in Kiel als Innenverteidiger. Danach folgte die Kickers-Gala gegen Flensburg.
Drochtersen/Assel - Kickers Emden 1:2. Die Emder wollen sich für die unglückliche Heimspielpleite revanchieren. Die Aussicht auf Platz zwei ist zudem eine weitere Motivation, den dritten Sieg in Serie einzufahren. Die Unruhe im Umfeld dürfte Kickers nicht beeinträchtigen.Tipp
Der gebürtige Ostfriese hatte seine Heimat als Jugendlicher Richtung Werder Bremen verlassen und war nach Regionalliga-Stationen in Rehden, Drochtersen, Flensburg, Oberneuland und Delmenhorst im Sommer 2023 in seine Heimat nach Emden zurückgekehrt, obwohl er weiter in Bremen lebt. „Ich wollte unbedingt nochmal in der Region spielen, auch wenn der Aufwand groß ist. Ich habe den Schritt nicht bereut.“
Nun freut er sich wie das gesamte Team auf das Spitzenspiel in Drochtersen, für das bei Emden nur David Kébé (Knochenstauung) ausfallen wird. Bei Rückkehrer Fabian Herbst und beim angeschlagenen Janek Siderkiewicz wurde im Training auch auf die Belastungssteuerung geachtet. „Beide sind aber spielfähig und im Kader“, so Stefan Emmerling vor dem Duell des Zweiten gegen den Dritten. Wobei beide Teams nach dem Willen von Julian Stöhr nach der Partie die Plätze getauscht haben. „Das ist unser Ziel, wir wollen dort gewinnen.“