Fehlende Ausgliederung  Henning Rießelmann droht bei Kickers Emden mit Rückzug

| | 25.03.2025 18:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Henning Rießelmann knüpft eine weitere Zusammenarbeit mit Kickers Emden an eine erfolgreiche Ausgliederung noch vor dem Sommer. Foto: Doden/Emden
Henning Rießelmann knüpft eine weitere Zusammenarbeit mit Kickers Emden an eine erfolgreiche Ausgliederung noch vor dem Sommer. Foto: Doden/Emden
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Große Unruhe bei Kickers Emden: Henning Rießelmann erklärte, dass er nicht noch eine Saison ohne Ausgliederung mitmachen werde. Er bezieht Stellung im ausführlichen Video-Interview.

Emden - Sportlich läuft es rund beim Regionalliga-Aufsteiger Kickers Emden, aber hinter den Kulissen droht der Mega-Knall. Henning Rießelmann, strategischer Partner der Emder und gleichzeitig Sportlicher Leiter, ließ am Dienstag eine Bombe platzen. „Sollte die Ausgliederung der Spielbetriebs GmbH bis zum Sommer nicht endgültig durch sein, werde ich mein Engagement bei Kickers Emden nach dieser Saison beenden“, erklärte der Unternehmer aus Dinklage. Die Ausgliederung zieht sich immer noch hin, die neue GmbH ist noch nicht eingetragen.

„Ich mache keinen unnötigen Stress. Aber nach zwei Jahren Wartezeit muss die Ausgliederung jetzt unbedingt kommen. Noch eine Saison ohne Ausgliederung wird mit mir nicht funktionieren“, setzt Rießelmann den Kickers-Vorstand unter Druck. Bis zum Mai wolle er noch warten.

So ist der Stand in Sachen Ausgliederung

Kickers-Vorsitzender Hendrik Poppinga kümmert sich derzeit persönlich um die Ausgliederung. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Kuh vom Eis kriegen. Es geht eigentlich nur um Kleinigkeiten“, so Poppinga, der zugleich Mitinhaber der Steuerberatungsgesellschaft Poppinga, Stomberg & Kollegen ist. Laut Poppinga gibt es folgenden Knackpunkt: Die Emder haben das letzte Geschäftsjahr nach der Sanierung buchhalterisch mit einem negativen Ergebnis (-80.000 Euro) abgeschlossen. Für die Gründung einer GmbH werden 25.000 Euro benötigt. Um die GmbH gründen zu können, geht es somit um stille Reserven in Höhe von 105.000 Euro.

Daher hat der Verein ein Gutachten erstellen lassen. Aus diesem geht hervor, dass die Tribüne einen Wert in Höhe von 300.000 Euro darstellt. „Diese Daten sind aus meiner Sicht auch alle plausibel“, so Poppinga. Allerdings sah das Registergericht Aurich den Sachverhalt anders und lehnte den Antrag im November ab. Poppinga wandte sich an die nächst höhere Instanz, an das Oberlandesgericht Oldenburg (OLG), und hatte bereits einen positiven Austausch mit dem Richter. „Der sieht die Punkte wie wir, hat jetzt aber noch Rückfragen zu anderen Themen“, so Poppinga.

Kickers-Vorsitzender Hendrik Poppinga kümmert sich um die Ausgliederung. Foto: Doden/Emden
Kickers-Vorsitzender Hendrik Poppinga kümmert sich um die Ausgliederung. Foto: Doden/Emden

Wann gibt es eine Entscheidung?

Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, wollte Poppinga nicht spekulieren. Auch gebe es noch die Möglichkeit, über einen Plan B nachzudenken. Dann müsste wohl jemand aus dem Emder Umfeld noch einmal 105.000 Euro zur Verfügung stellen. Vor dem Training am Dienstagabend informierte Rießelmann auch die Mannschaft über den Stand der Dinge. Welche gravierenden Auswirkungen ein Ausstieg von Rießelmann hätte, ist derzeit kaum abzusehen. Neben dem kompletten sportlichen Betrieb kümmert er sich mit seinem Team auch um die Vermarktung, holte aus seinem Umfeld auch zahlreiche Sponsoren nach Emden und organisiert praktisch den kompletten Spielbetrieb der Regionalliga-Mannschaft.

„Wir sind guter Dinge, dass die Ausgliederung noch irgendwann klappen wird. Aber irgendwann bringt halt nichts. Wir brauchen sie dringend, bevor wir die neue Saison starten“, verdeutlichte Rießelmann mehrfach. Spieler, Sponsoren und natürlich auch er selber bräuchten Planungssicherheit. „Ich möchte einen Fußballverein planen wie ein Wirtschaftsunternehmen. Wir haben die Mitgliederversammlung schon vor geraumer Zeit gehabt, nahezu 100 Prozent der Mitglieder haben sich dafür ausgesprochen. Deswegen wäre es schön, wenn wir jetzt im Mai Gewissheit hätten.“

„Möchte nicht auf die Euphoriebremse treten“

Und wenn es nicht klappe, dann müsse man sehen, welche Schritte im Worst Case folgen würden. „Ich möchte jetzt hier nicht auf die Euphoriebremse treten. Aber am Ende stehen wir auch für Verlässlichkeit. Wenn wir jetzt mal sehen, was hier in den letzten zwei Jahren passiert ist, dann glaube ich schon, haben wir nicht nur ein sportliches Know how eingebracht, wir haben auch infrastrukturell viel bewegt und der Verein hat sich in allen Bereichen zu hundert Prozent zum Positiven entwickelt. Selbst wenn wir aussteigen würden, im Konjunktiv jetzt gesprochen, wäre alles besser als vorher.“

Henning Rießelmann fordert Planungssicherheit.
Henning Rießelmann fordert Planungssicherheit.

Als Voraussetzung für seinen Einstieg hatte Rießelmann immer wieder die Ausgliederung der ersten Mannschaft in eine GmbH genannt. An dieser wollte er dann mit seiner Firma Onside 49 Prozent übernehmen und möglicherweise auch noch weitere strategische Partner mit in den Verein holen. Seit April 2023 engagiert sich Rießelmann bei Kickers Emden. Nach dem Abstieg in die Oberliga verpflichtete er einen starken Kader, das Team mischte direkt oben mit und stieg am Ende der Saison souverän wieder in die Regionalliga auf. Eine weitere Voraussetzung von Rießelmann war, dass der Verein schuldenfrei die GmbH gründet. Dafür wurde dann im November 2023 eine Retteraktion gestartet, mit zahlreichen Aktionen (Gläubiger-Verzicht, Spenden) konnte ein sechsstelliger Betrag an Schulden abgebaut werden.

Ungewisse Zukunft

Auch an der Infrastruktur wurde massiv gearbeitet. Die lange geplante Platzsanierung wurde im Sommer durchgeführt, zudem wurden auch im Stadion (Überdachung Stehplätze, weitere Sitzplätze) viele positive Maßnahmen umgesetzt. Ende Mai 2024 stimmten die Mitglieder dann auf einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung für die Ausgliederung der ersten Mannschaft in eine Spielbetriebs GmbH. Diese fordert Rießelmann bis zum Mai - sonst droht eine völlig ungewisse Zukunft.

Rießelmann macht Druck – Kickers am Scheideweg

Ein Kommentar von Matthias Herzog

Auf dem Sponsorenabend vor wenigen Wochen ging es bei Kickers Emden in erster Linie darum, welche Voraussetzungen der Verein noch erfüllen muss, um möglicherweise mal wieder über einen Lizenzantrag für die 3. Liga nachdenken zu können. Nach den Aussagen von Macher Henning Rießelmann am Dienstagnachmittag steht die komplette Zukunft auf dem Spiel, zumindest was den professionellen Spielbetrieb angeht.

Nach dem Aufschwung der letzten Jahre wäre ein Rückzug von Rießelmann verheerend. Der Verein hat in den letzten Jahren riesige Kraftanstrengungen unternommen, um sich zu entschulden. Die Fans rennen dem Verein die Bude ein, viele engagieren sich im Verein, sportlich konnte der Aufsteiger die Zuschauer häufig begeistern. Jetzt soll alles an fehlenden 105.000 Euro für die Gründung einer GmbH scheitern? Das kann es doch wohl nicht sein. Es muss doch möglich sein, mit diesen Voraussetzungen eine Lösung zu finden. Alles andere wäre für den Fußballstandort Ostfriesland tragisch.

Den Autor erreichen Sie unter m.herzog@zgo.de

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