Gewalt in der Stadt Mitglieder der Leeraner Jugendbande verurteilt
Jugendliche attackierten und verletzten im Frühjahr 2024 in der Innenstadt von Leer diverse Personen. Jetzt endete am Amtsgericht in Leer ein weiterer Prozess gegen die Täter.
Leer - Mehrere Jugendbanden sorgten in der Leeraner Innenstadt vor gut einem Jahr für Ärger. Menschen wurden sowohl gezielt als auch zufällig attackiert und verletzt. Polizei und Ordnungsamt reagierten und erhöhten die Kontrollen. Auch eine Waffenverbotszone war im Gespräch. Schließlich wurde es aber ruhiger. Gegen die Mitglieder der Banden wurde juristisch vorgegangen.
Verhandlungen vor Gericht
Nachdem es bereits Ende vergangenen Jahres eine Verurteilung am Leeraner Amtsgericht gab, ist nun auch ein weiterer Prozess gegen Mitglieder der Jugendbanden zu Ende gegangen. Das teilte der Sprecher des Leeraner Amtsgerichts, Heiko Brahms, auf Anfrage mit. Der 16-jährige Hauptakteur der Gruppe wurde wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Er saß bereits in Untersuchungshaft.
Währenddessen habe er auch an der Maßnahme „Stop and Go“ teilgenommen. Diese soll männlichen Jugendlichen in Untersuchungshaft eine intensive sozialpädagogische Betreuung als Alternative zur U-Haft bieten. „Dabei hat er sich aber äußerst schlecht verhalten“, so Brahms. Der Jugendliche musste daher wieder in U-Haft. Da es diverse Straftaten gewesen seien und die Sozialprognose negativ ausgefallen sei, sei diese Strafe in dieser Höhe ausgefallen.
Ebenfalls angeklagt waren ein 17-Jähriger und ein 18-Jähriger. Sie wurden beide wegen Raubes sowie einer von ihnen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und einer wegen vollendeter gefährlicher Körperverletzung zu einer Strafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Da die Sozialprognose laut Brahms positiv ausfiel, einer der beiden beispielsweise einen Ausbildungsplatz hat, sei diese auf Bewährung ausgesprochen worden.
Die drei Jugendlichen seien teilweise geständig gewesen. Nicht alle angeklagten Taten hätten ihnen nachgewiesen werden können, so der Amtsgerichtssprecher. So sei der 16-Jährige in zwei Fällen von gefährlicher Körperverletzung und die anderen beiden in jeweils einem Fall von gefährlicher Körperverletzung freigesprochen worden. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.
Fünf Jugendliche der Jugendbanden waren bereits durch ein Urteil vom 9. Dezember 2024 verurteilt worden, hatte Brahms mitgeteilt. Teilweise handele es sich um dieselben Personen wie im jetzt abgeschlossenen Fall. Die Strafen seien sowohl zur Bewährung als auch ohne Bewährung ausgesprochen worden. Es seien diverse Straftaten angeklagt gewesen – maßgeblich aber gefährliche Körperverletzung.
„In wechselnder Besetzung wurden Menschen angegriffen und verprügelt“, so Brahms. Die meisten dieser angeklagten Taten hätten sich im Frühjahr 2024 ereignet. Auch dieses Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig. Sowohl die Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft hätten Rechtsmittel eingelegt. „Der Fall liegt jetzt beim Landgericht Aurich“, so Brahms. Wann dort die Berufungsverhandlung beginnt, sei aber noch offen.
Die Vorgeschichte
Mehrere Jugendbanden seien Ende 2023 und Anfang 2024 in der Stadt Leer unterwegs gewesen, sagte der Leiter der Polizeiinspektion (PI) Leer/Emden, Thomas Memering, bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2024 am Mittwoch, 26. März 2025. Es habe drei bis vier Rädelsführer gegeben, darunter auch einen 13-Jährigen. „Die Gruppen haben sich teilweise untereinander bekriegt“, so Memering. „Sie hatten so viel Spaß und Freude daran, dass sie auch wahllos andere Personen angegriffen haben.“
Im vergangenen Jahr hieß es, dass es sich und 15 Mitglieder zwischen 13 und 20 Jahren handelte. Diese hätten diverse Straftaten begangen „Durch massive polizeiliche Maßnahmen konnten wir das zusammen mit der Stadt Leer eindämmen“, sagte Memering jetzt. Es habe unter anderem Betretungsverbote für die Innenstadt gegeben. Auch ein privater Sicherheitsdienst wurde eingestellt und kontrollierte zusätzlich.
Neben den Gewalttaten habe es auch Ladendiebstähle und der Besitz von Drogen gegeben. Teilweise seien die Jugendlichen bei den Taten auch betrunken gewesen. Es seien Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund beteiligt, so Memering. Schließlich beruhigte sich die Situation, da die Rädelsführer teilweise in U-Haft kamen oder wegzogen. So auch ein 13-Jähriger, der bei Festnahmen teils erheblichen Widerstand gegenüber den Beamten leistete. Dieser sei mittlerweile mit seiner Mutter innerhalb von Niedersachsen weggezogen. Der Vater wohne woanders. „Momentan begeht er keine Straftaten mehr“, sagte der Inspektionsleiter.
Das sagen heute Polizei und Stadtverwaltung
Die Situation habe sich beruhigt, teilte Stadtsprecherin Karen Radtke kürzlich auf Anfrage mit. „Nachdem sich die Lage in der Innenstadt durch die polizeilichen und ordnungsrechtlichen Maßnahmen entspannt hatte, gab es im April 2024 kurzzeitig Probleme mit Jugendlichen auf dem Schulhof/Spielplatz der Hoheellernschule.“ Nach der zeitweiligen Schließung des Schulhofes und einer verstärkten Bestreifung durch die Polizei habe sich dies aber schnell beruhigt.
Aktuell ist der Polizei in Leer nicht bekannt, dass es in der Innenstadt zu Problemen mit Jugendlichen kommt, teilte Sprecherin Vanessa Lepper kürzlich auf Anfrage mit. Die Beamten hätten seinerzeit mit einer erhöhten Polizeipräsenz in der Innenstadt sowie dem Aufenthaltsverbot für die Jugendlichen reagiert, so Lepper. Durch die Maßnahmen und durch die Verfolgung der Straftaten habe sich die Lage entspannt.