Kleiner Klub trumpft groß auf Leerhafes Fußball-Überflieger klopfen an die Tür zur Bezirksliga
Wittmund ist für sein Richthofen-Geschwader bekannt. Im Ortsteil Leerhafe hebt der TuS derzeit ab und ist Kreisliga-Spitzenreiter. Anlass genug, sich das Team samt Europameister mal näher anzuschauen.
Leerhafe - Auf dem Weg von der Kern-Stadt Wittmund zum fünf Kilometer entfernten Ortsteil Leerhafe kommt man auch an der Ampel-Kreuzung beim Richthofen-Geschwader vorbei. Ein ausrangierter Kampfjet des Typs F-4F Phantom II steht auf einem großen Sockel und macht dort gehörig Eindruck – so wie die Fußballer des TuS Leerhafe-Hovel derzeit in Ostfriesland. In gefühlter Überschallgeschwindigkeit geht es sportlich seit einigen Jahren voran: B-Klasse, A-Klasse, Ostfrieslandliga – und bald Bezirksliga?
Mit 16 Punkten aus den vergangenen sechs Spielen und 13 davon direkt nach der Winterpause sind die Ostfrieslandliga-Fußballer in den orangenen und weißen Trikots bis auf Platz eins durchgestartet. „Eine schöne Momentaufnahme“, sagt Langzeit-Trainer Andreas Friedrichs. Im Gespräch über einen möglichen Aufstieg in die Bezirksliga holt der 45-Jährige zum argumentativen „Gegenschlag“ aus. „Warum sollten wir uns da jetzt mit beschäftigen? Die Tabelle ist so eng, so viele Mannschaften sind dicht beieinander. Wir spielen unsere Spiele, haben Spaß und freuen uns, dass es so gut läuft.“
Aufstieg ja oder nein?
In der Tat hat noch ein halbes Dutzend Mannschaften berechtigte Hoffnungen, am Ende der Saison einen der beiden direkten Aufstiegsplätze oder aber den Relegationsplatz (3.) zu belegen. „Wir würden uns mit dem Thema erst richtig beschäftigen und mit der Mannschaft zusammensetzen, wenn etwas definitiv feststehen würde. Im Zweifel auch eben erst nach dem letzten Spieltag.“ Die Bezirksliga ist nun mal noch eine andere Nummer als die Ostfrieslandliga. Das wird Jahr für Jahr beim Blick auf die Aufsteiger in den Bezirk deutlich.
Der TuS Leerhafe-Hovel wuchs die vergangenen Jahre immer weiter mit seinen Aufgaben. Der SV Wittmund und auch viele Jahre der BSC Burhafe waren eigentlich immer die „Nummer eins“ der Wittmunder Stadtvereine. Doch diese Zeiten sind seit kurzem vorerst vorbei. Während Blau-Gelb und Blau-Weiß in der B-Klasse angekommen sind, spielt Orange-Weiß zwei Ligen höher in der Kreisliga Ostfriesland, die vom Einzugsgebiet mit der früheren Bezirksklasse gleichzusetzen ist – so hoch hat der TuS noch nie gespielt.
Vier Brüderpaare
Einer der Erfolgsgaranten ist Trainer Andreas Friedrichs, der den Verein als Spieler, Jugendtrainer, Funktionär und Mann für alles aus dem Effeff kennt. „Das müsste jetzt meine elfte Saison als Trainer der 1. Herren sein“, sagt der 45-Jährige, der viele der Spieler auch schon in der Jugend trainiert und ihnen vieles beigebracht hat. Auch der Enkel vom Leerhafer Ortsvorsteher Günther Theesfeld zählt dazu: Deeke Simon Eilts.
Auch ansonsten gibt es eine gehörige lokale Note im Kader mit sogar vier Brüder-Paaren: Jochen und Steffen Schmidt, Sören und Mattis Post, Arne und Renke Göken sowie Daniel und Lars Janßen. Die Schmidts sind die Brüder von Marten Schmidt vom Regionalligisten BSV Kickers Emden.
Fanartikel beim Grillstand
Die Wohlfühloase in Leerhafe mit sportlichem Erfolg ist inzwischen auch Lockruf für Zugezogene wie Torwart Nils Winkler, der für den TV Bunde, SV Großefehn und TuS Strudden schon in der Bezirksliga gespielt hat. Der Sohn vom Bunder Trainer Frank Winkler wohnt inzwischen in Friedeburg. Er ist einer von drei Torhütern.
Beim Heimspiel gegen den FC Loquard am vergangenen Sonntag hütete Sebastian Alex das Tor. Wer Heimspiele des TuS Leerhafe/Hovel besucht, ist auf einem ganz kleinen Sportplatz zu Gast, auf dem eine herzliche Heimspielatmosphäre herrscht. Spieler der 2. Herren sorgen für die Verköstigung, grillen Bratwürste, verkaufen Kaffee und Kaltgetränke – und für den TuS-Fan auch Fanartikel. „Wir haben ein paar Wimpel, Kaffeetassen, Fischerhüte und sogar einen Regenschirm“, sagt Andreas Friedrichs und lacht.
33 Menken-Tore
An diesem Sonntag, 16. März 2025, sah er beim 2:2 gegen den FC Loquard den ersten Punktverlust nach der Winterpause. Kein Beinbruch für eine Mannschaft, die nach Platz zehn in der ersten Saison erneut mit dem Ziel Klassenerhalt in die Spielzeit gestartet ist. „Dass wir nun schon so viele Punkte haben würden, damit war im Vorfeld der Saison natürlich nicht zu rechnen. Die Vorbereitung im Sommer haben wir mit ganz wenigen Leuten absolviert, alles begann sehr schleppend.“
Längst läuft es aber in Leerhafe. Das liegt natürlich auch an Ausnahmestürmer Pascal Menken, der schon in der Landesliga für Kickers Emden und TuRa 07 Westrhauderfehn und Bezirksliga für Frisia Loga gespielt hatte und sich vor wenigen Jahren entschied, wieder mit „alten Kumpels“ zu kicken. Mit 33 Toren führt er die Torjägerliste der Liga mit Abstand an. Mit 74 Treffern sind die Leerhafer die „Ballerkönige“ der Liga. Menken ist auch einer von vier Friesensportlern, die sonntags auch noch auf der Boßel-Strecke unterwegs sind. Er wirft für „Free herut“ Ardorf. „Wenn beides parallel ist, kommt er aber zum Fußball.“
Der Europameister im Team
Ein weiteres Trio boßelt für KBV „Einigkeit“ Leerhafe. Darunter ist auch Mike Plähn, den die Liebe zu einer Ostfriesin nach Leerhafe führte. Das Kraftpaket aus Schleswig-Holstein ist einer der bekanntesten Friesensportler und amtierender Europameister im Klootschießen. „Darüber hinaus ist er auch ein guter Fußballer“, sagt Andreas Friedrichs, der das „B-Wort“ in Leerhafe nicht verboten hat.
Über die Bezirksliga wurde bei einem Bierchen in lockerer Runde natürlich schon mal gesprochen, oft mit einem Augenzwinkern. „Der beste Spruch von einem Spieler war: Wenn wir in die Bezirksliga aufsteigen, hätten wir das Saisonziel für die darauffolgende Saison schon erreicht: Klassenerhalt in der Ostfrieslandliga.“