Aufschwung bei Kickers Rießelmann – „Dann beantragen wir die Drittliga-Lizenz“
Kickers Emden spielt als Aufsteiger eine starke Saison, auch wirtschaftlich zeigen die Zahlen nach oben. Zur 3. Liga fehlt einiges. Henning Rießelmann würde es unter bestimmten Dingen aber wagen.
Emden - In dieser Spielzeit hat Aufsteiger Kickers Emden trotz einer starken Platzierung (derzeit mit 42 Punkten Tabellenvierter) auf einen Lizenzantrag für die 3. Liga verzichtet. Schon vor Weihnachten erklärte Manager Henning Rießelmann, dass der Verein in vielen Bereichen einfach noch nicht so weit sei. Der große Traum, in der Zukunft vielleicht noch einmal den Sprung in den Profifußball zu wagen, bleibt aber natürlich bestehen. „Ich bin Sportler und maximal ambitioniert“, wird der Kickers-Boss nicht müde zu erwähnen, allerdings müssen dafür natürlich auch die Voraussetzungen stimmen.
Auf einem Sponsorenabend stellten die Emder Verantwortlichen am vergangenen Dienstag zahlreichen Partnern die aktuellen Zahlen vor. In dieser Spielzeit beläuft sich der gesamte Etat für den Regionalliga-Spielbetrieb auf 1,22 Millionen Euro (1. Mannschaft, Infrastruktur, Fixkosten, Marketing, Livestreaming).
920.000 Euro an Einnahmen
Auf der Einnahmen-Seite werden in dieser Spielzeit 920.000 Euro generiert, davon entfallen 340.000 Euro auf die Zuschauereinnahmen, hinzu kommen 580.000 Euro an Sponsoreneinnahmen. „Wir sind dabei, weitere Partner von einem Engagement für Kickers zu überzeugen, einige potenzielle Neuzugänge waren auch auf dem Sponsoren-Abend dabei. Für die Differenz in dieser Saison werden wir mit unserem Onside-Netzwerk am Ende der Saison Lösungen parat haben“, erklärte Marketing-Leiter Nils Janzen, der designierte Geschäftsführer der in Gründung befindlichen Kickers GmbH.
Den Verantwortlichen ist klar, dass ein Sprung in die 3. Liga gewaltig wäre. Die Anforderungen für die Lizenz wären eine ganz neue Dimension. Alleine für die Infrastruktur müssten die Ostfriesen zwischen 2,1 und 3,2 Millionen Euro in die Hand nehmen, so die Rechnungen.
Hohe Investitionen für die 3. Liga
Die Investitionen beziehen sich auf drei Hauptbereiche, nämlich Flutlichtanlage, Rasenheizung und weitere Sitzplätze. Das Ostfrieslandstadion verfügt derzeit über 750 Sitzplätze, in der 3. Liga werden insgesamt 2.000 verlangt. Dabei haben die Emder folgende Posten veranschlagt: Flutlicht: 300.000 - 1,2 Millionen Euro (abhängig davon, ob der Bestand ausgebaut werden kann oder nicht); Rasenheizung: 1,2 - 1,5 Millionen Euro (Übergangsphase von einem Jahr möglich), 1.250 Sitzplätze 150.000 - 200.000 Euro; Sonstiges (Parkplätze, VIP-Plätze, Presseplätze usw.): 300.000 - 500.000 Euro.
Und auch beim Team um die Mannschaft herum müsste deutlich aufgestockt werden, denn in der 3. Liga sind festangestellte Mitarbeiter (Geschäftsführer, Finanzchef, Marketingleiter, Pressesprecher, Fanbeauftragter) obligatorisch. So gehen die Emder, ohne eine Erhöhung des Etats für den Kader, von weiteren Personalkosten in Höhe von rund 250.000 Euro aus, hinzu würden noch deutlich höhere Reisekosten (250.000 Euro) zu Buche schlagen. Der größte Posten wäre aber natürlich, dass in der Dritten Liga nicht mehr auf ein semiprofessionelles Modell gesetzt werden könnte, es müsste auf Profitum bei der Mannschaft umgestellt werden.
So entwickelte sich der Zuschauerschnitt
Der Weg bis in den Profifußball ist noch ein langer, allerdings hat sich in wirtschaftlicher Hinsicht in dieser Spielzeit schon Gewaltiges getan. Der Zuschauerschnitt erhöhte sich von 1.672 in der Oberliga-Aufstiegssaison auf derzeit 2.879. Bei nur noch drei ausstehenden Heimspielen dürfte sich mit einem Highlight-Spiel gegen den Traditionsverein VfB Lübeck daran nicht mehr viel ändern.
Eine deutliche Steigerung gab es auch auf der Sponsoren-Seite. So konnten die Emder die substanziellen Partner von 40 auf nun 69 steigern, die Sponsoren-Einnahmen auf 580.000 Euro in etwa verdoppeln, wie Janzen durchrechnete. Und auch für die nächste Spielzeit ist der Finanzfachmann zuversichtlich, dass der Großteil der Partner an Bord bleiben wird. Klar ist aber auch, dass der Gesamtetat nicht großartig steigen wird.
Bei starker Saison, wird Lizenzantrag gestellt
„Wenn wir noch einige Partner hinzugewinnen und keine Infrastrukturmaßnahmen wie in der letzten Pause getätigt werden, hätten wir schon etwas mehr zur Verfügung. Klar ist aber auch, dass wir keine verrückten Sachen machen werden“, so Janzen. Bei der großen Konkurrenz in der nächsten Spielzeit bleibt abzuwarten, wo sich der BSV dann einordnen kann.
Der sportliche Ehrgeiz vom Sportlichen Leiter Henning Rießelmann ist jedenfalls ungebrochen. „Wir möchten uns Schritt für Schritt weiterentwickeln. Aber wenn wir in der neuen Saison in Schlagdistanz zum Spitzenplatz sein sollten, werden wir die Lizenz beantragen. Ob wir sie dann auch bekommen würden, steht auf einem anderen Blatt. Das kann ich ja sonst auch keinem erklären. Das hätte ich auch schon in dieser Saison gemacht, wenn wir drei Punkte hinter Havelse gewesen wären.“