Pläne für Insel-Wahrzeichen  Was gibt‘s Neues zu Borkums Altem Leuchtturm?

| | 15.03.2025 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Borkums Alter Leuchtturm soll perspektivisch wieder für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Foto: Ferber
Borkums Alter Leuchtturm soll perspektivisch wieder für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Foto: Ferber
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Der „Olde Toorn“, Borkums ältestes Gebäude und Wahrzeichen der Insel, soll saniert werden. Nach langen Planungen geht es in diesem Jahr los. Der Vorsitzende des Heimatvereins verrät Näheres.

Borkum - Borkums „Olde Toorn“ wird 2026 450 Jahre alt wird. Dann soll nicht nur Jubiläum gefeiert werden, sondern, so das Ziel des Heimatvereins, auch die Sanierung des Alten Leuchtturms fertig und damit eine Nutzung des ältesten Gebäudes der Insel wieder möglich sein. Kürzlich waren das Großprojekt und der weitere Ablauf Thema bei der Jahreshauptversammlung; der beteiligte Architekt informierte.

Wie Markus Stanggassinger, Vorsitzender des Heimatvereins, im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet, ist als Nächstes geplant, die Ausschreibungen für die zahlreichen Gewerke fertigzumachen. Sodass Mitte/Ende September, „wenn die Lärmschutzverordnung nicht mehr so streng ist, mit den Außenbautätigkeiten, also mit den lauten Arbeiten, begonnen werden kann“. Was keinen Krach verursacht, etwa Ausbauten im Turm, soll möglichst vorher erledigt werden. Später schließen sich Maßnahmen wie die Fugensanierung, der Abbau der Außentreppe sowie die Erneuerung von Stürzen und Ausstieg an, skizziert Markus Stanggassinger das weitere Vorgehen.

Teestunden und Trauungen weiterhin nicht möglich

Damit das auch bei Touristen beliebte Insel-Wahrzeichen als Aussichtsplattform für Gruppen mit bis zu 20 Leuten (Auflage vom Landkreis Leer) nutzbar ist, muss zudem oben ein Rettungsbalkon installiert werden. Teestunden und Trauungen im Inneren wie zu früheren Zeiten indes sind auch nach der Sanierung nicht möglich, erinnert der Heimatvereinsvorsitzende. Hintergrund sei, dass der Turm – anders als bei Gebäuden ab einer gewissen Höhe vorgeschrieben – keinen weiteren Rettungsweg habe. „Die Treppe gilt nicht als Rettungsweg, weil sie nicht den Vorschriften entspricht“, erklärt Stanggassinger.

Hatten im Juli 2022 bei einem Pressegespräch die Sanierungspläne vorgestellt: Brandschutzexpertin Christiane Kubon (von links), der stellvertretende Schatzmeister Peter Müller, die damalige stellvertretende Vorsitzende Henrika Aggen und Markus Stanggassinger. Foto: Ferber/Archiv
Hatten im Juli 2022 bei einem Pressegespräch die Sanierungspläne vorgestellt: Brandschutzexpertin Christiane Kubon (von links), der stellvertretende Schatzmeister Peter Müller, die damalige stellvertretende Vorsitzende Henrika Aggen und Markus Stanggassinger. Foto: Ferber/Archiv

Um den „Olde Toorn“ überhaupt wieder nutzen zu können, war ein aufwendiges Brandschutzkonzept nötig, zu dem neben dem Balkon, wo die Feuerwehr anleitern kann, auch Brandschutzdecke(n) und Brandmeldeanlage gehören. Hierbei spielt ebenfalls die Besonderheit des Gebäudes eine Rolle, hatte Christiane Kubon, staatlich anerkannte Brandschutzprüferin aus Duisburg, die mit ihrer Expertise bereits an der Sanierung des Watertoorn beteiligt war, im Sommer 2022 bei einem Pressegespräch bestätigt: „Die Herausforderung ist die Höhe. Da kann man nicht so leicht anleitern.“ Gleichwohl, so die Einschätzung seinerzeit, bleibe die Feuerwahrscheinlichkeit im Turm eher gering. Größer sei „das Risiko, dass jemand ein gesundheitliches Problem im Turm hat“.

Eigenanteil aus Rücklagen finanziert

Die gute Nachricht, dass die Finanzierung des Vorhabens, für das knapp 1,1 Millionen Euro veranschlagt sind, steht, hatte Markus Stanggassinger bereits beim Neujahrsempfang im Januar im Heimatmuseum verkündet. Neben Geldern aus diversen Stiftungen gibt es den größten Batzen – über 542.000 Euro – aus beantragten Bundesmitteln (Programm „KulturInvest“). Und der Bescheid sei unabhängig davon, wie die nächste Regierung aussieht, so Stanggassinger. Die Mittel würden zur Verfügung gestellt, seien reserviert. Der Eigenanteil des Vereins – immerhin fast 260.000 Euro – würden durch 2024 beschlossene Rücklagen in Höhe von 330.000 Euro abgedeckt. Neben Spenden speisten sich die Einnahmen aus Straßenfesten und dem Eintritt fürs Dykhus.

Über den Stand der Finanzierung hatte Markus Stanggassinger Anfang des Jahres beim Neujahrsempfang im Heimatmuseum informiert. Foto: Ferber
Über den Stand der Finanzierung hatte Markus Stanggassinger Anfang des Jahres beim Neujahrsempfang im Heimatmuseum informiert. Foto: Ferber

Nach Auskunft von Markus Stanggassinger steht der Verein hinter dem Projekt. Bei der jüngsten Zusammenkunft habe es Fragen zum Ablauf gegeben, aber kein negatives Feedback nach dem Motto „Das wollen wir nicht.“ Der Vorsitzende macht aber auch klar: „Wenn die Ausschreibungen ergeben sollten, dass die Ausgaben wesentlich steigen, müssten wir nochmal eine Versammlung einberufen, erklären und die Mehrmittel beschließen lassen.“ Davon, dass die Sanierung und damit ein Zugang für die Öffentlichkeit auch bei Touristen gut ankommen wird, ist Markus Stanggassinger überzeugt. „Viele Gäste fragen, ,wann können wir den Turm endlich wieder hoch?‘.“

Landkreis genehmigte Baumaßnahmen im Sommer 2022

Seit Dezember 2013 darf „de Olde Toorn“ am Walfängerfriedhof, errichtet 1576, wegen Sicherheitsbedenken und mangelhaftem Brandschutz nicht mehr bestiegen werden und ist für den Publikumsverkehr gesperrt. Der Borkumer Heimatverein hatte das prägnante Insel-Gebäude 1982 von der Stadt übernommen. Im Sommer 2022 hatte der Landkreis Leer die geplanten Baumaßnahmen genehmigt.

Zur Entstehung des Alten Leuchtturms heißt es auf der Homepage des Heimatvereins: „Der ursprünglich kleine Turm der Borkumer Inselkirche diente den von See kommenden und Ems aufwärts fahrenden Schiffen im 15. und 16. Jahrhundert am Tage als Navigationshilfe. Die Emder Kaufleute besaßen um 1570 rund 400 seefahrende Schiffe. Dem damals steigenden Schiffsverkehr genügte dieser Turm bald nicht mehr.“ Senat und Bürgerschaft der Stadt Emden hätten daher 1576 auf dem Standort des alten Kirchturms einen 41 Meter hohen Turm mit Spitzdach errichtet.

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