Wenn Bello stirbt  Eine letzte Ruhestätte für Borkums Haustiere

| | 12.03.2025 18:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auf Borkum wurde lange nach einem geeigneten Platz für einen Tierfriedhof gesucht. Der ist jetzt gefunden. Foto: Grubitzsch/dpa/Archiv
Auf Borkum wurde lange nach einem geeigneten Platz für einen Tierfriedhof gesucht. Der ist jetzt gefunden. Foto: Grubitzsch/dpa/Archiv
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Der Tierschutzverein hat nach langer Suche eine Fläche für einen Kleintierfriedhof auf der Insel gefunden. Das sind die Pläne zusammen mit der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde.

Borkum - Lange Zeit schien es so, als wären die Bemühungen des Tierschutzverein Borkum, vor Ort einen Tierfriedhof einzurichten, allesamt für die Katz gewesen und müssten beerdigt werden. Doch nun vermeldet der Verein in den sozialen Medien und auf seiner Homepage, dass auf Borkum ein Kleintierfriedhof entsteht, „der Tierhaltern eine würdige Bestattungsmöglichkeit für ihre Kleintiere bietet“.

Wo soll der Kleintierfriedhof entstehen?

In unmittelbarer Nähe der Friedhofskapelle an der Deichstraße soll ein rund 120 Quadratmeter großes, durch eine Hecke geschütztes Areal hergerichtet werden, teilt der Verein mit. Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde stelle das Gelände zur Verfügung, der Tierschutzverein übernehme die Verwaltung. Gemeinsam schaffe man so „erstmals eine legale und pietätvolle Alternative für verstorbene Haustiere auf der Insel“.

Ein Tierfriedhof bietet einen festen Ort des Trauerns und Erinnerns. Foto: Rumpenhorst/dpa/Archiv
Ein Tierfriedhof bietet einen festen Ort des Trauerns und Erinnerns. Foto: Rumpenhorst/dpa/Archiv

Bei einer Friedhofsbegehung habe man sich das Gelände noch einmal angeschaut und mit dem Kirchenrat zusammen die jetzige Lösung gefunden, ergänzt Pastor (i. E.) Carsten Wittwer. Das anvisierte hintere Randgrundstück sei bisher friedhofstechnisch nie benutzt worden. In der Vergangenheit waren für einen Tierfriedhof unter anderem Standorte auf dem Gelände der Jugendherberge in Betracht gezogen worden – hatten aber wegen zu hoher Unsicherheiten ob möglicher Risiken im Boden eine Absage erhalten.

Warum ist ein Tierfriedhof wichtig?

Tierfriedhöfe bieten Tierhaltern laut Verein einen zentralen Ort der Trauer, des Abschieds und Gedenkens und verstorbenen Haustieren wie Hund oder Katze eine legale und würdevolle letzte Ruhestätte. „Viele Tierbesitzer standen nach dem Tod ihres geliebten Haustiers bisher vor dem Problem, wo sie es bestatten können – eine Beisetzung in den Dünen war bislang oft der Ausweg, ist aber illegal und bietet keinen Ort des Erinnerns“, schreibt der Verein. „Wir sind von verschiedenen Seiten immer wieder angefragt worden“, bestätigt Carsten Wittwer das Interesse an einer legalen Alternative. Der neue Kleintierfriedhof schaffe nun Abhilfe, nach Fertigstellung könnten Kleintiere dort in biologisch abbaubaren Urnen beigesetzt werden.

Wie soll bestattet werden?

Nach Vereinsangaben können Tierhalter künftig zwischen verschiedenen Bestattungsformen auswählen. Neben einem anonymen Grab (ohne Kennzeichnung oder individuelle Markierung) und einem Heckengrab (mit einer kleinen Pflanze als natürlichem Markierer) kann man sich demnach für ein Vollgrab mit Grabplatte oder Kreuz als Kennzeichen entscheiden. Hingewiesen wird darauf, dass die Pflege der gesamten Anlage in Zukunft zwar von der Kirchengemeinde übernommen wird, die Vollgräber aber in der Verantwortung der Tierbesitzer liegen.

Die Kleintiere werden nur in Urnen bestattet. Symbolfoto: Stache/dpa
Die Kleintiere werden nur in Urnen bestattet. Symbolfoto: Stache/dpa

Die Bestattung findet dabei nur in Urnen statt, bekräftigt Carsten Wittwer. Beigesetzt werden können also nur verbrannte und eingeäscherte Tiere, keine verwesenden Tierkörper. „Es gibt Stellen auf dem Festland, mit denen wir im Gespräch sind, um von deren Erfahrungen zu lernen. Die arbeiten mit entsprechenden Krematorien zusammen, wo die Tiere verbrannt werden.“ Die Einäscherung wird, wie bei Menschen, nicht auf Borkum stattfinden – und bleibt damit ein relativ hoher Aufwand, wie der Pastor einräumt.

Was ist jetzt geplant?

Wie der Tierschutzverein weiter mitteilt, sind umfangreiche Vorbereitungsarbeiten erforderlich, um das brachliegende Gelände als Friedhof nutzbar zu machen. Aufgelistet werden die Rodung der Fläche (Entfernen von Bewuchs und Sträuchern), die Bodenaufbereitung und das Herrichten des Untergrunds, der Abtransport von Grünabfall und Material, die Neupflanzung von Hecken und Begrünung sowie weitere Maßnahmen zur Gestaltung. „Die Kosten für diese Arbeiten belaufen sich auf rund 9.500 Euro. Der Tierschutzverein ist daher auf Spenden angewiesen, damit dieses wichtige Projekt realisiert werden kann. Jeder Beitrag – ob groß oder klein – hilft mit, den Kleintierfriedhof zu einem würdevollen Ort des Abschieds und der Erinnerung zu machen.“ Die Angaben zum Spendenkonto stehen unter anderem auf der Vereinshomepage.

Dort ist ebenfalls zu entnehmen, dass eine enge Zusammenarbeit mit einem bestehenden Kleintierfriedhof in Südbrookmerland geplant ist. „Durch diesen Austausch von Erfahrungen soll eine bestmögliche Betreuung der Anlage auf Borkum sichergestellt werden. Über die genauen Verfahren und Kosten einer Tierbeisetzung auf Borkum wird der Tierschutzverein zu einem späteren Zeitpunkt informieren, sobald die Inbetriebnahme des Friedhofes in naher Aussicht steht“, teilt der Verein mit, der mit der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde schon jetzt allen Unterstützern dankt.

Darf ich mein Haustier auch im eigenen Garten begraben?

Ja, wie der Bundesverband Deutscher Bestatter auf seiner Internetseite informiert – nur nicht im Bundesland Bremen (Grund ist der hohe Grundwasserstand, mit dem ein erhöhtes Risiko für Verunreinigungen einhergeht). Begraben werden dürfen allerdings nur Kleintiere (zum Beispiel Hunde, Katzen, Hamster, Kaninchen, Meerschweinchen), „die nicht an einer meldepflichtigen Krankheit gestorben sind“. Nutztiere wie Pferde dürfen grundsätzlich nicht im eigenen Garten bestattet werden. Und: „Wer ein verstorbenes Haustier im Garten begraben möchte, muss Eigentümer des entsprechenden Grundstücks sein. Mieter müssen für eine Tierbestattung im Garten die Erlaubnis des Eigentümers einholen.“ Überdies darf das Grundstück nicht in einem Wasser- oder Naturschutzgebiet liegen und das Haustier sollte in kompostierbares Material gehüllt werden, bevor es begraben wird.

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