Zusage in der Disco Großefehntjer wird vom Urlauber auf Norderney zum Insel-Kicker
Mit 37 Jahren hat Denis Cassens sich im Sommer für einen besonderen Wechsel entschieden. Der Familienvater spielt als Mann vom Festland für Norderney. So bewältigt er die Saison als Inselfußballer.
Großefehn/Norderney - Ein ungewöhnlicher Wechsel wurde im November 2023 in einer Norderneyer Diskothek finalisiert. „Denis hat um 4 Uhr nachts auf einem Bierdeckel unterschrieben, dass er im Sommer 2024 zu uns wechseln wird. Und Respekt: Er hat Wort gehalten“, erzählt Jens Harms. Der Insulaner ist seit 20 Jahren bei den Fußballern des TuS Norderney aktiv. Erst als Spieler, seit einigen Jahren nun als Spielertrainer. „Aber dass jemand vom Festland zu uns auf die Insel gewechselt ist, gab es in dieser Zeit noch nie. Das ist ein Novum.“
Denis Cassens heißt der Fußballer, der weder auf Norderney geboren noch aufgewachsen ist. Und dennoch hat ihn das Insel-Fußballfieber gepackt. Der 37-Jährige lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern (11 und 9 Jahre) seit vielen Jahren in Großefehn und spielt seit Sommer 2024 für den Ostfrieslandliga-Aufsteiger und größten Inselverein Ostfrieslands. „Ich habe den Schritt nicht bereut. Ganz im Gegenteil: Wenn ich gewusst hätte, wie viel Spaß es bereitet, wäre ich vielleicht schon einige Jahre früher auf die Insel gewechselt.“
Urlaub auf dem Campingplatz
Auch wenn Denis Cassens anders als die anderen TuS-Spieler keine Wurzeln auf der Insel hat, verbindet ihn etwas mit Norderney. Seit Jahren schon verbringt er mit seiner Frau Romina, Tochter Caja (11) und Sohn Paul (9) den Sommer-Urlaub und Kurztrips auf Norderney. Denn seine Schwiegereltern haben von Ostern bis Oktober mit dem Wohnwagen einen Dauerstellplatz auf dem Campingplatz. „Wir sind alle total inselbegeistert.“
Denis Cassens, der vor seiner Hochzeit Denis Schatton hieß, zog als Neunjähriger mit seiner Familie von Leverkusen nach Aurich, wo er beim TuS Sandhorst, der SpVg Aurich und Eintracht Plaggenburg in der Jugend spielte. Seine längste Herrenzeit verbrachte er beim SV Wallinghausen, ehe er nach zehn Jahren eine familiäre Pause einlegte. Nach dem Comeback und fünf Jahren bei Germania Wiesmoor ging es zum TuS Weene – und von dort im Sommer auf die Insel.
Auch Fahrdienste auf dem Festland
Dort hatte er vor wenigen Jahren auch Kontakt zu den TuS-Fußballern geknüpft, aus praktischen Gründen. „Wenn wir in den Sommerferien drei Wochen auf der Insel sind, ist ja auch immer schon die Sommervorbereitung in vollem Gange. Statt bei meinem Verein auf dem Festland habe ich die dann beim TuS mitgemacht. Ich wurde da als Gast super aufgenommen, so als hätte ich schon zehn Jahre mit den Jungs gespielt. Das war ein super Gefühl.“ Er wurde dann sogar zur Weihnachtsfeier eingeladen. Dem angeheiterten „Ja“ im November 2023 folgte einige Monate später tatsächlich die nüchterne Umsetzung. Auch, weil der Wechsel für den zweifachen Familienvater und engagierten Jugendtrainer JSG Ostfriesland-Mitte (E-Jugend) im gehobenen Fußballer-Alter einen praktischen Vorteil hatte. Ein Verein, bei dem er eben gar nicht zum Training kommen kann und so den Rücken frei hat.
Immerhin zwölf Partien absolvierte Denis Cassens in der Hinserie für die Insulaner, zerrte dabei von der Sommer-Vorbereitung und seiner Grund-Fitness. Neun Ligaspiele und drei Pokalpartien absolvierte er. „Die Auswärtsspiele sind dann meine Heimspiele“, erzählt der Offensivspieler mit einem Lächeln. Dort übernimmt der Festland-Kicker im Inseltrikot-Dress noch eine andere wichtige Aufgabe und holt Spieler auch mal, die von ihren Studienorten mit dem Zug anreisen, von Bahnhöfen aus der Region ab. „Das ist neben dem Fußballerischen von ihm auch noch eine große Hilfe für uns“, sagt Spielertrainer Jens Harms.
Dreimal mit aufs Festland
Heimspiele absolviert Denis Cassens nur sporadisch. Immer dann, wenn er mit der Familie sowieso auf der Insel ist oder ganz große Personalnot herrscht. Dreimal war das diese Saison bisher der Fall. „Zum Ende der Saison werde ich das sicherlich auch nochmal machen.“
Er schlüpfte zu Saisonbeginn auch dreimal komplett in die Rolle des Inselkickers, reiste von der Insel mit zu drei Festland-Spielen. „Da merkt man erst ganz persönlich, was für einen größeren Aufwand die Jungs von der Insel bei der Hälfte der Saisonspiele haben.“ Treffen am Fährableger, Fährfahrt, Busfahrt, Spiel – und alles nochmal zurück. Da ist man auch mal zehn Stunden unterwegs. „Nach dem Spiel kann man auch nicht mehr viel quatschen – da muss man schnell unter die Dusche, um nicht die Fähre zurück zu verpassen. Ich habe es aber geliebt, auch die Zeit mit den Jungs nach dem Spiel.“
Noch eine Saison als Inselkicker?
Beim Rückrundenstart in Jheringsfehn (1:1) Ende Februar war Dennis Cassens nicht dabei, da er mit seiner Familie die Verwandtschaft in Leverkusen besucht hatte. Bei den anderen beiden Spielen in Holtland (0:1) und Marienhafe (1:0) wirbelte der Festland-Kicker im Inseltrikot mit.
Die persönliche Winter-Vorbereitung absolvierte er zuvor bei ihm bekannten Teams. Bei seinem Ex-Klub TuS Weene war er ebenso willkommen wie in der Halle bei der SG Jheringsgfehn/Stikelkamp/Timmel II und der SG Egels-Popens.
„Meine Familie steht zum Glück total dahinter, sonst wäre das auch nicht möglich“, sagt Denis Cassens, der sein Laufbahnende in einer ersten Mannschaft nun vermutlich nochmal verschieben wird. „Mir macht es so viel Spaß mit den Jungs und dem Verein, dass ich mir vorstellen kann, auch nächste Saison noch für den TuS Norderney zu spielen.“