Umsetzung möglich Neun Bereiche in Leer kommen für zentrale Wärmenetze in Frage
Die Wärmeversorgung in der Stadt Leer wurde unter die Lupe genommen. Jetzt liegen Vorschläge vor, in welchen Gebieten Wärmenetze funktionieren könnten. Das sind sie und so geht es jetzt weiter.
Leer - In der Stadt Leer kommen neun Bereiche für eine zentrale Wärmeversorgung durch entsprechende Netze in Frage. Das ist das Ergebnis der kommunalen Wärmeplanung, die jetzt im Ausschuss für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr (EKUV) vorgestellt wurde. Gemeinsam mit dem Energienetzbetreiber EWE Netz sind nach den ersten beiden Phasen (Bestands- und Potenzialanalyse) nun auch die Entwicklung eines klimaneutralen Zielszenarios für 2030 und 2040 sowie die Erarbeitung eines Maßnahmenkataloges als Teil der Umsetzungsstrategie abgeschlossen. „Der Wärmeplan bildet eine umfassende Grundlage für eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung bis 2040 und zeigt konkrete Wege für eine nachhaltige und sichere Energiezukunft der Stadt auf“, teilt die Verwaltung mit.
Die Grundlage
Städte und Gemeinden in Deutschland mit weniger als 100.000 Einwohnern sollen die Fragen, wie künftig Privathaushalte und Unternehmen geheizt und klimatisiert werden, mit einer kommunalen Wärmeplanung bis Ende 2028 beantworten. In Niedersachsen hatten zu Jahresbeginn rund 47 Prozent aller Kommunen damit begonnen. „Mit der kommunalen Wärmeplanung haben wir eine fundierte Entscheidungsgrundlage geschaffen, um die Wärmewende in Leer gezielt zu gestalten“, erklärt Bürgermeister Claus-Peter Horst. „Unser Ziel ist es, den Übergang zu einer klimafreundlichen Wärmeversorgung aktiv zu unterstützen und den Bürgerinnen und Bürgern klare Orientierungshilfen für ihre zukünftige Heizlösung zu bieten.“
Der Bestand
Gut 70 Prozent der Gebäude in Leer wurden vor dem Jahr 1979 erbaut, „was auf einen hohen Modernisierungsbedarf hinweist“, hatte die Stadt nach den ersten beiden Phasen mitgeteilt. Weniger als zehn Prozent der Gebäude wurden nach dem Jahr 2001 errichtet. Zudem seien etwa 28 Prozent der Heizungsanlagen älter als 20 Jahre, was ein erhebliches Modernisierungspotenzial biete. „Gleichzeitig wurden Potenziale für erneuerbare Energien und Abwärmenutzung identifiziert, die in die strategische Planung eingeflossen sind“, teilen EWE Netz und Stadt gemeinsam mit.
Zentrale und dezentrale Wärmeversorgung
Die Vertreter von EWE Netz machten im Ausschuss deutlich, dass man keine Luftschlösser vorstellen werde. „Diese Gebiete kommen wirklich für zentrale Wärmeversorgung durch Wärmenetze in Frage“, sagte Gerrit Pruss, Kommunalbetreuer bei EWE Netz. „Bei den anderen Gebieten kann man sich sicher sein, dass in den nächsten Jahren keine Nahwärmegebiete entstehen werden.“
Die vorgeschlagenen Gebiete zeichneten sich dadurch aus, dass es eine Konzentration des Energiebedarfs gebe. „Idealerweise ist dort auch eine Energiequelle beispielsweise durch Abwärme vorhanden und außerdem ein sogenannter Ankerkunde“, so Pruss.
Folgende Gebiete kommen in Frage: Maiburger Straße, Zentrum für Arbeit (Bavinkstraße), Evenburgallee, Sägemühlenstraße, Seehafen/Nesse, Kernstadt Nord, Kernstadt Süd inkl. Altstadt, Blinke und Friesenschule. Die Bereiche sind dabei nicht auf die Bezeichnung beschränkt. So gehört bei der Evenburg-Allee auch die Greta-Schoon-Schule als „Ankerkunde“ dazu. In der Maiburger Straße gebe es beispielsweise Potenziale durch industrielle Abwärme, die wiederum von anderen Gewerbebetrieben genutzt werden könne. Dort könnten insgesamt 316 Gebäude versorgt werden. „Diese Gebiete sind nicht in Stein gemeißelt“, machte Manuel Bründl, Projektleiter für kommunale Wärmeplanung bei EWE Netz, deutlich. Sie seien lediglich Vorschläge. Bevor über die Umsetzung einzelner Wärmenetze entschieden wird, sollen zunächst Prioritäten festgelegt werden. Erst danach können gezielte Machbarkeitsstudien folgen.
Da zentrale Wärmenetze nur etwa sieben Prozent der Wärmeversorgung in Leer abdecken würden, bleibe für den Großteil der Gebäude eine dezentrale Lösung erforderlich. Hierbei stünden insbesondere Wärmepumpen, Biomassesysteme und Hybridheizungen im Fokus. „Gebäude, die nach 1996 errichtet wurden, sind oft ohne größere Sanierungsmaßnahmen für eine Wärmepumpe geeignet“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung. „Für ältere Gebäude müssen individuelle Sanierungsmaßnahmen geprüft werden, um die Effizienz dezentraler Lösungen zu maximieren.“
Nächste Schritte
Die Ergebnisse der Wärmeplanung werden nun in den politischen Gremien weiter beraten. Sofern entsprechende politische Beschlüsse gefasst werden, könnten die ersten Machbarkeitsstudien durchgeführt werden. Dabei liege der Fokus auf der optimalen Nutzung lokaler erneuerbarer Energiequellen, um eine tragfähige Basis für eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu schaffen, heißt es. Geplant seien auch erste Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern für die Umsetzung zentraler und dezentraler Wärmelösungen. „Natürlich stehen wir vor Herausforderungen – insbesondere bei der Finanzierung und der praktischen Umsetzung potenzieller Wärmenetze“, wird Bürgermeister Claus-Peter Horst zitiert. „Aber wir sehen auch große Chancen, durch gezielte Förderprogramme des Bundes und des Landes Niedersachsen finanzielle Unterstützung für unsere Vorhaben zu erhalten. Unser Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger aktiv einzubinden und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.“