Millionen-Vorhaben auf der Insel Borkumer Schulprojekt: Was ist Kür, was ist Pflicht?
Nach dem Borkumer Schulausschuss hat sich auch der Fachausschuss des Kreises mit dem angedachten Bildungszentrum auf der Insel befasst. Hier wie dort sorgten die aufgerufenen Kosten für Aufsehen.
Borkum/Rhauderfehn - Nachdem sich Ende Januar der Borkumer Schulausschuss mit dem angedachten Bildungszentrum auf der Insel befasst hatte, zog nun der Kreisausschuss für allgemein- und berufsbildende Schulen und ÖPNV in seiner Sitzung in der Mensa des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums in Rhauderfehn nach. Hier wie dort online zugeschaltet war Fee Kyriakopoulos vom projektbegleitenden Berliner Architekturbüro Baupiloten – und hier wie dort sorgten die von ihr aufgerufenen Kosten beim ein oder anderen Teilnehmer für Schnappatmung.
Das Projekt
Zur Erinnerung: Der im Raum stehende Bildungscampus an der Weidenstraße würde neben der bestehenden (in Teilen dann sanierten bzw. umgebauten) Inselschule einen Neubau der Berufsbildenden Schulen (BBS) Borkum umfassen sowie eine offene Ganztagsgrundschule. Die ersten beiden sind in Trägerschaft des Landkreises Leer, Letztere in der der Stadt Borkum. Ebenfalls sieht der Entwurf der Baupiloten – die Präsentation ist im Ratsinformationssystem der Stadt Borkum der Schulausschuss-Tagesordnung angehängt – je nach Variante eine verbindende oder mäandernde Arena vor. Die beinhaltet verschiedene Bereiche, etwa für Essen, Musik, Küche, Bewegung oder eine Mediathek.
Die Kosten
Die veranschlagten Ausgaben, bei denen laut Fee Kyriakopoulos sowohl der Baukostenindex als auch der Standortfaktor Insel berücksichtigt wurden, belaufen sich für die Inselschule auf knapp 12,3 Millionen Euro. Dazu kämen für die BBS etwa 7,9 Millionen Euro, für die Ganztagsgrundschule zwischen 15,5 und rund 20 Millionen Euro und für die Arena je nach Variante aufgerundet zwischen 6,4 und 8,8 Millionen Euro. Ergänzend fügte Kyriakopoulos hinzu, dass man im Sinne der Wirtschaftlichkeit empfehle, weiter ins Gespräch zu gehen mit möglichen dritten Mietern wie etwa Vereinen, die die Arena am Nachmittag mit nutzen könnten.
Die Reaktionen
Johanne Modder (SPD/Grüne/Junker) sprach sich im Kreisausschuss dafür aus, alles nochmal zu prüfen – und die „Kirschen von der Torte zu nehmen“, also die Pläne abzuspecken. Landrat Matthias Groote (SPD) erklärte: „Es muss auf Borkum was gemacht werden. Wir müssen gucken, ob wir die Gelegenheit nutzen oder nicht und ob es überhaupt eine Gelegenheit ist. Und man muss schauen: Was ist Kür, was ist Pflicht?“. Carl Friedrich Brüggemann (FDP) regte an, dass auch eine BBS-Festlandbeschulung überlegt und die Kosten dafür ermittelt und gegenübergestellt werden sollten.
Jens Wallenstein, Lehrer und beratendes Ausschussmitglied, lehnte dies ab. Eine Schule vor Ort sei wichtig und müsse erhalten werden. Das sah auch die Ausschuss-Vorsitzende Gitta Connemann (CDU) so: Um eine lebensfähige Insel zu erhalten, sei eine Beschulung vor Ort notwendig, weil dort die Fachkräfte ausgebildet würden. Die Erfahrung zeige: Wenn junge Menschen erst einmal runter seien von der Insel, kämen sie meist nicht wieder. Niels Plaisir (CDU) verwies darauf, dass sich bei Vorhaben in Rhauderfehn gezeigt habe, dass es für Sanierungen Fördermittel gebe, für Neubauten nicht. Für Rhauderfehn habe sich das gelohnt. Am Ende war man sich einig, dass der Kreis nun erstmal mit der Stadt Borkum spreche solle, was die sich vorstelle – vor allem mit Blick auf die Kostenverteilung.
Die Insel
Auf Borkum war und ist das Schulprojekt schon lange Thema. Wobei sich zuletzt Stimmen mehrten, die geplante offene Ganztagsgrundschule – für eine Ganztagsbetreuung, beginnend mit der ersten Klasse, besteht ab dem Schuljahr 2026/27 Rechtsanspruch – losgelöst von den Plänen des Landkreises zu betrachten. So forderte der SPD-Vorstand kürzlich in einer Pressemitteilung die Verwaltung auf, „mit dem vorliegenden Raumkonzept möglichst schnell die tatsächlichen Kosten zu ermitteln, damit das Projekt endlich vorangetrieben wird“.
Die CDU-Fraktion kündigte derweil an, im nächsten Schulausschuss die zeitnahe Prozessbegleitung durch (externe) Sachverständige zu beantragen. Neben der Ausschreibung werde die Verwaltung aufgefordert, sich Unterstützung beim Land Niedersachsen zu holen, beim Fachteam Schulbauberatung und/oder bei der Fachberatung Ganztagsschule. Überdies wird auf die zu erfüllenden Anforderungen verwiesen – etwa eine werktägliche ganzjährige Acht-Stunden-Betreuung sowie in sechs Wochen verbleibender Ferienzeit, Räumlichkeiten fürs Mittagsessen, ein Raumnutzungskonzept mit Ruhe- und Bewegungszonen. „Da wir auf keine neue Grundschule zugreifen können, müssen wir für mindestens zwei Jahre die offene Ganztagsschule in den vorhandenen Räumlichkeiten denken und umsetzen“, heißt es in dem CDU-Antrag.
Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) hatte im Schulausschuss darum gebeten, sich Gedanken zu machen, ob man nicht ein „Streichkonzert“ ansetzt. Also zu überlegen, was man sich angesichts der exorbitant hohen Beträge als Verzicht vorstellen könne. „Am besten spart man durch Weglassen.“ Die aufgerufenen Summen seien nicht gegenfinanziert, betonte der Verwaltungschef.