Nach der Bundestagswahl 2025 So bewertet Borkums Politik das Wahlergebnis
Deutschland und der Wahlkreis 25 Unterems, inklusive Borkum, haben gewählt. Wie kommt das Ergebnis auf der Insel an? Wir haben bei Vertretern der Politik und beim Bürgermeister nachgefragt.
Borkum - Der Wahlkreis 25 Unterems, zu dem Borkum gehört, ist im neuen Bundestag wieder mit drei Personen vertreten. Hatte es zunächst so ausgesehen, als würde nur Siegerin Gitta Connemann (CDU) ein Mandat bekommen, steht inzwischen fest: Auch Anja Troff-Schaffarzyk (SPD) zieht über die Landesliste ein. Hinzu kommt die Nordhornerin Martina Uhr, die für die AfD antrat. Was sagt Borkums Politik zum Ausgang der Bundestagswahl 2025? Wir haben nachgefragt.
CDU
Björn Leidheiser blickt als Fraktionssprecher der CDU mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Ergebnis. Grund zur Freude sei das Abschneiden der direkt gewählten Gitta Connemann, die sowohl auf Borkum (38,2 Prozent) als auch im gesamten Wahlkreis (40,5 Prozent) das beste Erststimmen-Resultat einfuhr. Wenngleich, schränkt Leidheiser ein, er es schade finde, dass Connemann auf Borkum etwas weniger Stimmen als im Wahlkreis bekommen habe, da sie sich viel für die Insel eingesetzt habe.
Sein weinendes Auge beziehe sich auf das Abschneiden von AfD (13,2 Prozent der Erststimmen) und Linke (sechs Prozent) auf Borkum – „Parteien mit extremen Positionen und dass auf einer Insel, wo wir mit Migrationsproblemen oder richtiger Armut nicht zu kämpfen haben“. Für ihn, erklärt Leidheiser, sei dies eher eine Protestwahl gegen die Bundespolitik, in der man sich Änderungen wünsche. Ihm fehle jedoch das Verständnis dafür, dass man als Borkumer Abgeordnete von AfD und Linke wählt, „die noch nie ihren Fuß auf Borkum gesetzt haben, die nicht in Erscheinung getreten sind für die Insel“.
Stichwort Bundespolitik: Er spreche sich nicht für eine Regierungsbildung mit der AfD aus. Aber, so Leidheiser, es habe keinen Zweck, jemanden auszugrenzen. „Man muss mit jedem klarkommen und versuchen, Kompromisse zu schließen“. Es gehe darum, unrealistische Ideen und Vorstellungen zu entzaubern. Der CDU-Fraktionssprecher verteilt zugleich Lob an die SPD. Dass deren Kandidatin Anja Troff-Schaffarzyk auf der Insel (25,1 Prozent der Erststimmen) besser abgeschnitten habe als im Wahlkreis insgesamt (22,5 Prozent), sei kein Zufall. Es zeige, „dass sich die SPD-Verantwortlichen auf Borkum reinhängen, viel Präsenz zeigen“.
SPD
Das Lob nimmt Markus Stanggassinger, Vorsitzender des SPD Ortsvereins, sicher gerne an – wenngleich er mit Blick auf das Gesamtergebnis von einer „klaren Niederlage“ spricht. Man sei froh, dass Anja Troff-Schaffarzyk doch noch in den Bundestags einziehe, aber insgesamt könne man aus SPD-Sicht nicht zufrieden sein. Es mache sich bemerkbar, dass Noch-Bundeskanzler Olaf Scholz Führung zwar versprochen, aber nicht gezeigt habe. Er habe versucht, die Ampel zusammenzuhalten, „aber die Außenwirkung war dementsprechend“, resümiert Stanggassinger, der Gitta Connemann und der CDU zum Erfolg gratuliert.
Der Ortsvereinsvorsitzende bewertet indes die Tatsache, dass die SPD auf der Insel besser abschnitt als beim Landes- oder Bundesergebnis, so, dass „wir anscheinend auf der Insel doch einiges richtig machen“. Dennoch sei der Wahlkampf hart gewesen. „Ich habe noch nie erlebt, dass wir so oft Plakate wechseln mussten, weil sie zerrissen waren.“ Während sich Markus Stanggassinger ebenfalls besorgt über das Abschneiden der AfD zeigt, die keine Lösungen für die Probleme anbiete, tut ihm das Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde „nicht so leid“. Die Partei sei im Wesentlichen verantwortlich für das schlechte Bild der Ampel.
Bündnis 90/Die Grünen
Für Hermann Gansel, Sprecher der Borkumer Grünen, zeigte die Bundestagswahl „mit unbarmherziger Klarheit, wie verunsichert und gespalten Deutschland ist. Somit zeigt die Wahl auch ein zuverlässiges Bild der politischen Landschaften in Deutschland“. Der Wahlkampf sei aus Sicht der Grünen kurz und hart gewesen, „torpediert durch das gebetsmühlenhaft angestachelte Grünen-Bashing aus einem südöstlichen Bundesland.“ Auch auf Borkum seien Wahlplakate zerstört, beschmiert oder Politikern gedroht worden. „Quo vadis Borkum?“
Auf bundepolitischer Ebene, erklärt Gansel, sei das Ergebnis ernüchternd. Die Grünen hätten „ihre wertvolle und konstruktive Basisarbeit im Bundestag“ nicht kommunizieren können, sondern sich in einem Schlagabtausch der Hauptprotagonisten aufgerieben. So seien Kernthemen wie Energie, Klima, Umwelt nicht ausreichend präsentiert worden. „Was uns erhebliche Sorgen bereitet, ist das starke Abschneiden der AfD auf Borkum.“ Wenn die AfD weiter wachse, seien Lebensqualität, Energie, Umwelt, Klima, Handwerk, Tourismus ernsthaft gefährdet.
Die Borkumer Grünen-Ergebnisse im Kreisverband Leer indes machten Mut und lieferten Energie, weiterzumachen. „Auf Borkum müssen wir die Politik der Landesgrünen, je nach Themenlage auch die der Bundesgrünen, besser kommunizieren, die Präsenz auf Borkum weiter stärken, und durch mehr Kompetenz und Tatkraft in den Fokus der Öffentlichkeit treten“, blickt Hermann Gansel voraus. Borkums Grüne seien in den letzten Wochen weitergewachsen und wollten noch stärker werden.
BfL
Peter de Buhr, Sprecher von Borkums freier Liste, freut sich stellvertretend für seine Fraktion über die hohe Wahlbeteiligung (80 Prozent). Man sehe überdies, dass die SPD, die auch in Niedersachsen verloren habe, wirklich neu anfangen müsse. „Und wir freuen uns, dass wir in einem Land leben, wo Wahlergebnisse anerkannt werden“, fügt den Buhr hinzu.
Bürgermeister
Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) fasst sich ebenfalls kurz: „Deutschland hat mit einer Wahlbeteiligung von über 80 Prozent abgestimmt. Auch auf Borkum lag die Wahlbeteiligung bei 80 Prozent. Das ist eine gute Nachricht für alle Demokratinnen und Demokraten. Was das Ergebnis im Einzelnen für unsere Insel bedeutet, werden die Koalitionsverhandlungen und der Koalitionsvertrag zeigen.“